{"id":855,"date":"2012-03-07T10:52:08","date_gmt":"2012-03-07T08:52:08","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=855"},"modified":"2019-01-17T17:06:37","modified_gmt":"2019-01-17T15:06:37","slug":"wie-man-einen-burgerkrieg-verhindert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=855","title":{"rendered":"Wie man einen B\u00fcrgerkrieg verhindert"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\">\u00ab\u00a0<span style=\"font-variant: small-caps;\">M\u00e9moire \u00a0 \u00a0<\/span>\u00a0 \u00a0Se plaindre de la sienne, \u2013 et m\u00eame se vanter<br \/>\nde n&#8217;en pas avoir. Mais rugir, si on vous dit que vous n&#8217;avez<br \/>\npas de jugement.\u00a0\u00bb<br \/>\n(Gustave Flaubert, Dictionnaire des id\u00e9es re\u00e7ues)<\/p>\n<p>Erschreckende Gewissheit macht sich breit. Michel muss im Anblick des vor ihm an der Wand h\u00e4ngenden Fotos erkennen, was er damals, als er die Aufnahme machte, nicht erkennen konnte: \u201e[&#8230;] ich erkannte, wenn das Erkennen war, was passieren musste, was passiert sein musste, was passieren h\u00e4tte m\u00fcssen in diesem Moment, zwischen diesen Menschen, dort, wo ich eine Ordnung durcheinanderzubringen gekommen war, unschuldig eingemischt in das, was nicht passiert war, was aber nun passieren w\u00fcrde, was sich nun erf\u00fcllen w\u00fcrde. Und was ich mir also damals vorgestellt hatte, war sehr viel weniger schrecklich als die Wirklichkeit.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn1\">[1]<\/a> Er hatte das Foto ohne besonderen Grund betrachtet, immer wieder, w\u00e4hrend er an einem Text arbeitete, als ihm pl\u00f6tzlich ein Detail ins Auge gesprungen sein musste, das seine Aufmerksamkeit erregte, das eine Funktion in seinem Wahrnehmungsapparat ausl\u00f6ste und da sah er auf dem Foto vor sich die Geschichte Revue passieren. Aber er sah sie nicht noch einmal so wie er sie schon damals gesehen hatte, sondern er sah sie neu. Er erkannte, was passiert sein musste, was aber damals nicht passiert war und die Geschichte rollte sich gleichsam in all ihrer Schrecklichkeit \u2013 viel schrecklicher als er sich vorgestellt hatte \u2013 vor ihm auf.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich muss es Katharina ergangen sein, jenem jungen M\u00e4dchen, das ganz unverhofft zur Patientin Sigmund Freuds wurde, als er bei einem Ausflug in die Hohen Tauern in einer Wirtschaft von ihr bedient und auch gleich als Psychoanalytiker in Anspruch genommen wurde. Bei ihr war es allerdings kein Foto, das die Neukonfiguration der Erinnerung ausl\u00f6ste, sondern eine reale Beobachtung. Diese hatte eineinhalb Jahre zuvor bei ihr hysterische Anf\u00e4lle ausgel\u00f6st, doch wie Freud in seinem Gespr\u00e4ch mit ihr erkannte, war es nicht deren Inhalt, der die Anf\u00e4lle ausl\u00f6ste, sondern die Wiedererweckung vorhergehender traumatischer Ereignisse, die sie bis dahin nicht als solche hatte deuten k\u00f6nnen. Erst als Katharina ihren Onkel mit ihrer Cousine beim Koitus erblickte, konnte sie die bereits fr\u00fcher erlebte Ber\u00fchrung durch den Onkel deuten und das bis dahin bewusst lediglich unangenehme Erlebnis wurde zum traumatischen.<a title=\"\" href=\"#edn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Zwar findet sich der Begriff in dieser Aufzeichnung Freuds noch nicht, doch ist die Geschichte zweifelsfrei die einer <em>nachtr\u00e4glichen<\/em> Aufarbeitung von zuvor Erlebtem. Aber was bedeutet das, <em>Nachtr\u00e4glichkeit<\/em>? Im <em>Vokabular der Psychoanalyse<\/em> von Jean Laplanche und Jean-Bertrand Pontalis findet man unter dem Stichwort \u201aNachtr\u00e4glichkeit\u2018 folgendes:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eErfahrungen, Eindr\u00fccke, Erinnerungsspuren werden sp\u00e4ter aufgrund neuer Erfahrungen und mit dem Erreichen einer anderen Entwicklungsstufe umgearbeitet. Sie erhalten somit gleichzeitig einen neuen Sinn und eine neue psychische Wirksamkeit.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Das bedeutet zun\u00e4chst einmal, dass Erinnerungen nicht unver\u00e4nderlich sind \u2013 ein bekanntes Faktum. Aber Erinnerungen sind nach dem Konzept der Nachtr\u00e4glichkeit nicht nur in dem Sinne ver\u00e4nderlich, dass sie verblassen k\u00f6nnen, sondern auch dahingehend, dass sie neu interpretiert werden k\u00f6nnen. Allerdings \u201eist solches Re-Interpretieren [nicht notwendigerweise] ein Immer-besser-Verstehen. Man versteht erneut mehr oder weniger gut etwas, das man schon einmal mehr oder weniger gut verstanden hatte.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Es bedeutet weiter, dass der Erinnerung auch etwas hinzugef\u00fcgt werden kann, wenn es die Interpretation verlangt. In letzter Konsequenz f\u00fchrt diese Theorie zu der Erkenntnis, dass Erinnerung nicht nur ver\u00e4ndert, erg\u00e4nzt und reduziert werden kann und auch kontinuierlich wird, sondern, dass Erinnerung auch vollst\u00e4ndig konstruiert werden kann \u2013 kurz: Wir k\u00f6nnen unseren Erinnerungen nicht mehr trauen.<a title=\"\" href=\"#edn5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Viele unserer Erinnerungen sind demnach Konstruktionen, keine Rekonstruktionen des Vergangenen. Was aber f\u00fcr Erinnerungen gilt, ist auch f\u00fcr das Selbst m\u00f6glich, respektive betrifft auch immer das Selbst, da sich unser Selbst-Bild aus Erinnerungen, Erz\u00e4hlungen, Vorstellungen und Imaginationen zusammensetzt \u2013 aus dem, was von unserer Umwelt auf uns einwirkt.<a title=\"\" href=\"#edn6\">[6]<\/a> Mit einem Konglomerat von Bildern kann man demnach Identit\u00e4t erzeugen, noch effektiver, wenn man sie mit Erz\u00e4hlungen anderer kombiniert.<a title=\"\" href=\"#edn7\">[7]<\/a> Mit einem geeigneten Archiv an Memorabilien lie\u00dfe sich auf diese Weise eine unterdr\u00fcckte kollektive Erinnerung, eine verdr\u00e4ngte Zeit der Geschichte, nun <em>nachtr\u00e4glich<\/em> aufarbeiten und so eine vielleicht verloren gegangene nationale Identit\u00e4t rekonstruieren. Ein solches Archiv erf\u00fcllte in etwa die Aufgabe von Wahrheitskomitees postdiktatorialer Staaten, wie sie Matthias Kettner beschreibt:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eDen wichtigsten Aspekt der Arbeit solcher Komitees aber sehe ich darin, da\u00df sie auf das elementare Bed\u00fcrfnis der Betroffenen eingehen, in voller, unzensierter Bedeutung in Erfahrung zu bringen, was damals eigentlich geschah. F\u00fcr viele Opfer \u00e4ndert sich hierdurch ihre Identit\u00e4t als Opfer:\u00a0Sie erfahren <em>nachtr\u00e4glich<\/em>, welches Unrecht ihnen \u00fcberhaupt widerfahren ist.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Das Bed\u00fcrfnis, \u201ein voller, unzensierter Bedeutung in Erfahrung zu bringen, was damals eigentlich geschah\u201c ist so elementar nicht, wenn die Identit\u00e4t als Opfer durch die Aufarbeitung der betreffenden Ereignisse in Gefahr geraten w\u00fcrde. Im Falle des B\u00fcrgerkriegs im Libanon zwischen 1975 und 1990 ist das Aufarbeitungsbed\u00fcrfnis \u2013 oder eher der Wille zur Aufarbeitung der Ereignisse \u2013 gerade durch die Schuld- und Schamgef\u00fchle gro\u00dfer Teile der Nachkriegsgeneration (vor allem der Machthaber, oftmals einstige Warlords) gehemmt. Auch die Furcht vor einem erneuten Aufwallen des noch immer ungel\u00f6sten Konflikts, der zum Kriegsausbruch f\u00fchrte, lie\u00df im Libanon so etwas wie eine \u201ekollektive Amnesie\u201c entstehen. Wenngleich in manchen F\u00e4llen das Vergessen der alten Konflikte eine schlichtende Wirkung f\u00fcr die Gegenwart haben mag, so ist doch die Verdr\u00e4ngung der Gr\u00e4uel des Krieges, der Massaker in Fl\u00fcchtlingslagern, der Bombenanschl\u00e4ge und der verschwundenen Menschen, eine Verdr\u00e4ngung, die alles andere als heilsam ist, wie Elias Khoury feststellt: \u201cCivil wars are not to be erased from reality or from memory. They are only reborn or reincarnated. Banished from the written, they take to the spoken. Erased from memory, they colonize the subconscious.\u201d<a title=\"\" href=\"#edn9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>Es ist eine komplizierte Geschichte, die des B\u00fcrgerkrieges (oder vielmehr der B\u00fcrgerkriege) im Libanon \u2013 nicht nur wegen des Konflikts, der noch immer im Inneren der sektiererisch getrennten libanesischen Gesellschaft schwelt, sondern auch, weil die T\u00e4ter- und Opferrollen hier nicht eindeutig verteilt sind. Der Versuch, den Krieg als einen \u201eKrieg der Anderen\u201c im \u00f6ffentlich-kollektiven Ged\u00e4chtnis festzumachen, muss unter dieser Pr\u00e4misse verstanden werden und die Unf\u00e4higkeit, letztendlich ein solches \u00f6ffentliches Ged\u00e4chtnis zu etablieren, als Zeichen einer gewissen Identit\u00e4tslosigkeit der libanesischen Nation.<a title=\"\" href=\"#edn10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Walid Raad, selbst 1967 im Libanon geboren, hat mit seinem Projekt <em>The Atlas Group<\/em> einen Versuch unternommen, sich in dieses verworrene Gebiet der Kriegserinnerungen zu begeben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201cThe Atlas Group is a project established in 1999 to research and document the contemporary history of Lebanon. One of our aims with this project is to locate, preserve, study and produce audio, visual, literary and other artifacts that shed light on the contemporary history of Lebanon. In this endeavour, we produced and found several documents including notebooks, films, videotapes, photographs and other objects. Moreover we organized these works in an archive, The Atlas Group Archive. The project\u2019s public forms include mixed-media installations, single channel screenings, visual and literary essays, and lectures\/performances. \u201c<a title=\"\" href=\"#edn11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>So die Beschreibung des Projekts auf der Website des Archivs. Doch will man etwas mehr erfahren, st\u00f6\u00dft man sehr bald auf Ungereimtheiten: <em>The<\/em> <em>Atlas Group<\/em> sei eine \u201eimaginary foundation\u201c<a title=\"\" href=\"#edn12\">[12]<\/a> hei\u00dft es zum einen, dann sie sei 1976 entstanden, oder 1999, ein andermal 1989.<a title=\"\" href=\"#edn13\">[13]<\/a> Raad versucht in seinen Schriften und Auftritten kontinuierlich die Grenzen des Archivs zu verschieben und zu durchbrechen, bis letztlich so etwas bleibt wie eine Wolke, in der sich die verschiedenen Ansammlungen von Artefakten befinden.<\/p>\n<p>Aber was sind das eigentlich f\u00fcr Artefakte, oder sind es tats\u00e4chlich solche? Erinnern wir uns an die eingangs gelesene Beschreibung, eines der Ziele der <em>Atlas Group<\/em> sei \u201eto locate, preserve, study and produce audio, visual, literary and other artifacts\u201d. Was beim ersten Mal vielleicht noch \u00fcberlesen wurde, muss nun gleichsam hervorstechen: Ein Archiv, das seine Artefakte <em>produziert<\/em>?<\/p>\n<p>Immer wieder fragte ich mich bei meiner Besch\u00e4ftigung mit <em>The Atlas Group Archive<\/em> und den darin enthaltenen Akten, was denn davon nun wahr sei und was erfunden, welche Versatzst\u00fccke der Geschichte Walid Raad <em>er<\/em>funden haben k\u00f6nnte und welche <em>ge<\/em>funden. Bis ich entdeckte, dass diese Unterscheidung hier fehl am Platz ist, weil <em>The Atlas Group Archive<\/em> kein Archiv der Vergangenheit ist, sondern eines der Gegenwart \u2013 oder gar der Zukunft. Eine eigenartige Verschr\u00e4nkung: Die Vergangenheit erkennen, aber dabei nach vorne blicken.<\/p>\n<p>Wenn die Ereignisse der Vergangenheit und ihre Zusammenh\u00e4nge wegen des immer noch drohenden Konflikts in der Gegenwart nicht aufgearbeitet werden k\u00f6nnen, dann muss man sich zumindest die Ereignisse im Kleinen \u2013 das Leid, den Terror des Krieges \u2013 befreit von ideologischen Konflikten \u00a0in der Gegenwart in Erinnerung rufen, denn \u201eThere is a \u201avery simple\u2018 reason why it is necessary for the Lebanese to remember the civil war and talk about it, and that is to avoid another one\u201c<a title=\"\" href=\"#edn14\">[14]<\/a>. Die Datens\u00e4tze des <em>Atlas Group Archive<\/em> befassen sich mit der Aufarbeitung des Krieges, mit dessen Erinnerung, aber nicht auf eine historische Weise: Sie versuchen nicht zu erkennen, was damals wirklich geschehen ist, die Ereignisse zu rekonstruieren, sondern sie versuchen die Erfahrungen jetzt greifbar zu machen, die die libanesische Bev\u00f6lkerung damals ertragen musste.<\/p>\n<div id=\"attachment_857\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=857\" rel=\"attachment wp-att-857\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-857\" class=\"size-full wp-image-857\" title=\"Missing Lebanese Wars\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/walid-raad-missing-Lebanese-wars.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"501\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/walid-raad-missing-Lebanese-wars.jpg 800w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/walid-raad-missing-Lebanese-wars-300x187.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-857\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Walid Raad, Missing Lebanese Wars, Plate 1 &amp; 2, 1989, 20 Farbfotografien \u00e0 25 \u00d7 32 cm.<\/p><\/div>\n<p>In dieser (Re-)Konstruktion von Vergangenheit bleibt <em>The<\/em> <em>Atlas Group<\/em> stets auch selbstreflektiv: Das <em>Fakhouri File<\/em> beispielsweise enth\u00e4lt die Tageb\u00fccher des Historikers Fadl Fakhuori, der bis zu seinem Tod 1993 f\u00fchrender Historiker des Libanesischen B\u00fcrgerkriegs war (Abb. 1). Die Historiker des B\u00fcrgerkriegs im Libanon, so hei\u00dft es in Walid Raads Publikation <em>Scratching on Things I Could Disavow: Some essays from The Atlas Group Project<\/em>, waren \u201ebegeisterte Spieler\u201c, sie trafen sich jeden Sonntag an der Pferderennbahn, um zu wetten. Allerdings nicht auf den Gewinner des Rennens, sondern auf die Verfehlung, mit der der damit beauftragte Fotograf den Zieleinlauf festhalten w\u00fcrde, also darauf, \u201ewieviele Bruchteile einer Sekunde bevor oder nachdem das Pferd die Ziellinie \u00fcberquert hat\u201c der Fotograf ausl\u00f6sen w\u00fcrde. In den Tageb\u00fcchern Fakhouris findet sich jeweils eine Fotografie des Zieleinlaufs aus der Zeitung, die einzelnen Wetten der Historiker und wer letztlich gewonnen hat. Das Werk besch\u00e4ftigt sich nicht nur mit dem Krieg und \u201eden M\u00f6glichkeiten und Grenzen seine Geschichte zu schreiben. Es zwingt uns auch, den Krieg nicht nur als eine Chronologie der Ereignisse, Daten, Pers\u00f6nlichkeiten, Massaker und Invasionen zu erachten, sondern auch als eine Abstraktion, geschaffen aus verschiedenen Diskursen und, noch wichtiger f\u00fcr Dr. Fakhouri, verschiedene Modi, Informationen aus der Welt aufzunehmen.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn15\">[15]<\/a><\/p>\n<p>Dr. Fakhouris Tageb\u00fccher sind ein Verweis auf den Versuch, trotz der anhaltenden K\u00e4mpfe ein Leben zu f\u00fchren, in dem der Krieg nicht immer die Oberhand beh\u00e4lt. Schon der Titel deutet es an: <em>Missing Lebanese Wars<\/em> \u2013 hier, in diesen Stunden auf der Rennbahn, scheint der Krieg absent zu sein. Im vorliegenden Kontext ist dieses Werk wichtig, weil es auf die Funktion der Fotografie und ihre Verwendung durch Historiker reflektiert, die sich darin gerade f\u00fcr die Verfehlung des Fotos, seine <em>Unrichtigkeit<\/em>, interessieren, was einige Fragen aufwirft: Wie kann mit Fotografie Geschichte geschrieben werden? Und ist eine Fotografie ein konkreteres Zeugnis als eine m\u00fcndliche \u00dcberlieferung? \u00dcberhaupt, was leistet eine Fotografie f\u00fcr die Geschichtsschreibung, wenn sie ohne verbale Begleitung auftritt?<\/p>\n<p>Bereits vor der digitalen Revolution in der Fotografie mitsamt ihren mannigfaltigen Manipulations- und Vervielf\u00e4ltigungsm\u00f6glichkeiten gemachter Bilder hat Siegfried Kracauer die Ged\u00e4chtnisleistung der Fotografie \u00e4u\u00dferst gering gesch\u00e4tzt. Eine Fotografie schien ihm nur transparent, so lange die darauf Abgebildeten noch nah sind, dann \u201ebricht [das Ged\u00e4chtnisbild] durch die Wand der \u00c4hnlichkeit in die Photographie herein und verleiht ihr so einige Transparenz\u201c; waren uns diese aber fern geworden, so konnte man sie auch durch die Fotografie nicht mehr sehen. Trotzdem ist seine Sicht auf den Fortgang der Fotografie keine g\u00e4nzlich pessimistische: W\u00e4hrend in den \u201eillustrierten Zeitungen\u201c \u201edie Folge der Emanzipation des Bewu\u00dftseins seine Tilgung [w\u00e4re]\u201c, so ist doch \u201edem freigesetzten Bewu\u00dftsein eine unvergleichliche Chance gegeben.\u201c Diese Chance offenbart sich am fotografischen Archiv: Die von ihrer urspr\u00fcnglichen Konfiguration losgel\u00f6sten, auf ihre eigentliche Bedeutung, ihr Objekt hin opaken Elemente k\u00f6nnen nun neu angeordnet werden. \u201eDie Bilder des in seine Elemente aufgel\u00f6sten Naturbestands sind dem Bewu\u00dftsein zur freien Verf\u00fcgung \u00fcberantwortet.\u201c Diese Chance anzunehmen \u201eist das <em>Vabanque-Spiel <\/em>der Geschichte\u201c.<a title=\"\" href=\"#edn16\">[16]<\/a><\/p>\n<p>Und <em>The Atlas Group<\/em> spielt es auf ihre Weise. Sune Haugbolle fasst in seinem Artikel zusammen: \u201cForgetting the war might make it repeat itself at some point, but remembering it will most likely make it happen again right away.\u201d<a title=\"\" href=\"#edn17\">[17]<\/a> Sich den Krieg in Erinnerung zu rufen hie\u00dfe also, alles auf eine Karte setzen, den Konflikt wieder aufleben zu lassen und sehen ob \u2013 und hoffen, dass \u2013 er sich diesmal beilegen lie\u00dfe. Ihn vergessen dagegen hie\u00dfe zu passen und sich langsam aber sicher dem Bankrott entgegen zu spielen. Im Vergleich dazu ist das Spiel der <em>Atlas Group<\/em> ein relativ risikofreies. Es ist ein Weg, zwar nicht zu vergessen, aber sich eigentlich auch nicht zu erinnern. \u201eSo gemahnt dieses Spiel mit der zerst\u00fcckelten Natur an den <em>Traum<\/em>, in dem die Fragmente des Taglebens sich verwirren.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn18\">[18]<\/a> (Und an die Wolke, in der die einzelnen Akten und ihre Eckdaten unscharf verortet sind.) \u201eDie in das Generalinventar aufgenommenen Reste\u201c bleiben bestehen, doch \u201edie g\u00fcltige Organisation [ist] unbekannt\u201c.<a title=\"\" href=\"#edn19\">[19]<\/a> Die Schrecken des Krieges werden aufgearbeitet und die Menschen \u201eerfahren <em>nachtr\u00e4glich<\/em>, welches Unrecht ihnen \u00fcberhaupt widerfahren ist.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn20\">[20]<\/a> Doch der Konflikt, der den Krieg wieder zu entfachen droht, bleibt vorerst unangetastet.<\/p>\n<p>Programmatisch daf\u00fcr soll ein letztes File des <em>Atlas Group Archive <\/em>stehen: <em>Secrets in the Open Sea <\/em>(Abb. 2).<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201eSecrets in the Open Sea consists of 6 large photographic prints that were found buried under the rubble during the 1992 demolition of Beirut\u2019s war-ravaged commercial districts. The prints were different shades of blue and each measured 110 \u00d7 183 cm. The Lebanese Government entrusted the prints to The Atlas Group in early 1994 for preservation and analysis. \u201c<a title=\"\" href=\"#edn21\">[21]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_858\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=858\" rel=\"attachment wp-att-858\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-858\" class=\"size-full wp-image-858\" title=\"Secrets of the Open Sea\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/walid-raad-secrets-in-the-open-sea-plate-20-1994.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"597\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/walid-raad-secrets-in-the-open-sea-plate-20-1994.jpg 800w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/walid-raad-secrets-in-the-open-sea-plate-20-1994-300x223.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-858\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Walid Raad, Secrets of the Open Sea, 1994-2004, 6 Farbfotografien \u00e0 110 \u00d7 185 cm.<\/p><\/div>\n<p><em>The Atlas Group<\/em> hat diese nun in Laboratorien in Frankreich und den Vereinigten Staaten geschickt, denen es gelungen ist, in den Prints latente Schwarz-Wei\u00df-Fotografien sichtbar zu machen (Vgl. Abb. 2, rechts unten), die allesamt Gruppenportraits von M\u00e4nnern und Frauen zeigten. <em>The Atlas Group<\/em> schaffte es in weiterer Folge, alle abgebildeten Personen zu identifizieren, \u201eand it turned out that they were all individuals who had been found dead in the Mediterranean between 1975 and 1990\u201c.<a title=\"\" href=\"#edn22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Latente Bilder, die aus diesem atmosph\u00e4rischen Blau rekonstruiert wurden, Erinnerungen an Menschen, die verstorben sind, tot aufgefunden im Mittelmeer. Es ist in mehrerlei Hinsicht (nicht) bezeichnend: Dieses Blau ist das am Weitesten vom Fotografischen entfernte Bild, es ist aber gleichzeitig das dem \u201eGemeinten\u201c<a title=\"\" href=\"#edn23\">[23]<\/a> n\u00e4chste Bild, nicht insofern es etwas meint, sondern insofern es zu jedem Gemeinten, das nur wartet sich auf etwas zu beziehen, das Bild stellen kann. Erst die Betrachtenden erkennen, was es (f\u00fcr sie) meint, die Chance ist am gr\u00f6\u00dften, daraus alles zu konstruieren, was latent in ihnen vorhanden ist, die pers\u00f6nlichen Erinnerungen finden hier den Platz, sich zu manifestieren. Wie beim Betrachten eines ganz unscharfen Bildes kann der Blick \u201esogar so sehr von jeglichem gezielten Anschauen gel\u00f6st sein, da\u00df er sich ebenso nach innen wie nach au\u00dfen wendet. [\u2026] Das \u00c4u\u00dfere wird entsprechend dankbar als Spiegel des eigenen Ich erfahren, doch da sich nur matt ein konturloses Bild darauf zeigt, ist dieser Spiegel zugleich \u2013 und vielleicht noch mehr \u2013 Projektionsfl\u00e4che.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn24\">[24]<\/a> Eine Projektionsfl\u00e4che, die Erinnerungen sonst oft verwehrt bleibt, wie Haugbolle feststellt: \u201cMany private memories simply never find a voice, be this because of social, political, or emotional constraints and censure, and they die unuttered.\u201d<a title=\"\" href=\"#edn25\">[25]<\/a> Die Bilder aus <em>Secrets in the Open Sea<\/em> (und darin sind sie programmatisch f\u00fcr <em>The Atlas Group Archive<\/em>) helfen zur Rekonstruktion von Erinnerungen, aber ohne ihre Verortung in dem konfliktbeladenen Feld des Libanesischen B\u00fcrgerkriegs: Sie zeigen nicht mehr dorthin, wo jemand etwas verbrochen hat, sondern sie versichern, dass an jemandem \u2013 dem, der sich erinnert \u2013 ein Verbrechen begangen wurde. Er kann sich dessen dadurch sicher sein und seine Erfahrungen verarbeiten, weil seine Erinnerungen nicht \u201eunausgesprochen sterben\u201c. Es sind vor allem pers\u00f6nliche Erinnerungen, die vor dem Hintergrund dieses Blaus entstehen, das keinerlei Verweise mehr auf die Wirklichkeit tr\u00e4gt (selbst die rekonstruierten Fotografien sind so klein gehalten, das es schwerf\u00e4llt, etwas zu erkennen). Was die Erinnerungsfunktion ausl\u00f6st, ist der beigef\u00fcgte Text, die Geschichte, die um diese Bilder herum erz\u00e4hlt wird. Mit dieser erst wird die Chance der Neukonfiguration genutzt und den durch den Krieg traumatisierten Betrachtenden ihrerseits die Chance gegeben, ihre verdr\u00e4ngten Erinnerungen aufzuarbeiten.<\/p>\n<p>Aber birgt dieses Spiel letztendlich vielleicht doch Gefahr? Wenn <em>The Atlas Group<\/em> die Geschichte rekonstruieren kann, indem sie Artefakte \u201eortet, aufbewahrt, studiert und produziert\u201c<a title=\"\" href=\"#edn26\">[26]<\/a>, wer k\u00f6nnte andere daran hindern, eine andere Geschichte zu zeigen, indem sie ihrerseits andere Artefakte produzieren? Doch die Produktionen der <em>Atlas Group<\/em> schreiben selbst keine Geschichte des Libanesischen B\u00fcrgerkriegs, sie helfen lediglich und ermutigen die Menschen, sich zu erinnern. Der manipulative Einsatz von (konstruierten oder nicht konstruierten) Fotos und anderen Artefakten ist aber zweifelsohne m\u00f6glich und um ihn vom auxiliaren Einsatz unterscheiden zu k\u00f6nnen gilt es zuallererst, sich beider M\u00f6glichkeiten bewusst zu sein. Gerade daf\u00fcr aber sensibilisiert die Besch\u00e4ftigung mit <em>The Atlas Group Archive<\/em>. Mehr noch, Walid Raad k\u00e4mpft mit seinem Projekt gegen die Verdr\u00e4ngung und gegen das Vergessen an. Auch wenn die Menschen durch die Kriege von ihrer Geschichte und ihrer Tradition abgetrennt wurden, bekommen sie so die unverbindliche M\u00f6glichkeit sich zu erinnern, die notwendig ist f\u00fcr eine Zukunft, in der sich die Geschichte nicht mehr wiederholt.<\/p>\n<div style=\"font-size: 0.8em;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><a id=\"edn1\">[1]<\/a> Vgl. Julio Cort\u00e1zar, Las babas del diablo [1958], in: Ders., Las armas secretas, Barcelona 2000, S. 49\u201364; das Zitat ist auf S. 60-61 und wurde von mir ins Deutsche \u00fcbertragen: \u201c[&#8230;] comprend\u00ed, si eso era comprender, lo que ten\u00eda que pasar, lo que ten\u00eda que haber pasado, lo que hubiera tenido que pasar en ese momento, entre esa gente, ah\u00ed donde yo hab\u00eda llegado a trastrocar un orden, inocentemente inmiscuido en eso que no hab\u00eda pasado, pero que ahora iba a pasar, ahora se iba a cumplir. Y lo que entonces hab\u00eda imaginado era mucho menos horrible que la realidad\u201d. Eine weiterf\u00fchrende Analyse der Kurzgeschichte bietet Susanne Stemmler, \u201eEl gesto revelador\u201c. Fotografisches Erz\u00e4hlen in Julio Cort\u00e1zars Las babas del diablo, in: Silke Horstkotte\/Karin Leonhard, Lesen ist wie Sehen, K\u00f6ln 2006.<br \/>\n<a id=\"edn2\">[2]<\/a> Vgl. Sigmund Freud\/Josef Breuer: Studien \u00fcber Hysterie. Leipzig\/Wien 1895, S. 106\u2013116.<br \/>\n<a id=\"edn3\">[3]<\/a> Jean Laplanche\/Jean-Bertrand Pontalis, Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt am Main 1973, S. 313. Weiterf\u00fchrend vgl. Matthias Kettner, Nachtr\u00e4glichkeit. Freuds brisante Erinnerungstheorie, in: J\u00f6rn R\u00fcsen\/J\u00fcrgen Straub, Die dunkle Spur der Vergangenheit, Frankfurt am Main 2001, S. 33\u201369.<br \/>\n<a id=\"edn4\">[4]<\/a> Kettner 2001, S. 38.<br \/>\n<a id=\"edn5\">[5]<\/a>\u00a0Dass echte Erinnerungen an Ereignisse, die nicht stattgefunden haben durch Narrationen und\/oder Fotographien erzeugt werden k\u00f6nnen, haben mehrere psychologische Experimente gezeigt. Vgl. insbesondere Maryanne Garry\/John D. Read\/D. Stephen Lindsay, A picture is worth a thousand lies: Using false photographs to create false childhood memories, in: Psychonomic Bulletin &amp; Review, 9, 3 (2002), S. 597\u2013603 zur Erzeugung von false memories mit manipulierten Photographien; D. Stephen Lindsay\/Lisa Hagen\/John D. Read\/Kimberly A. Wade\/Maryanne Garry, True photographs and false memories, in: Psychological Science, 15 (2004), S. 149\u2013154 zum gleichen Effekt mit echten Fotographien und dazugeh\u00f6riger schriftlicher \u00dcberlieferung und Maryanne Garry\/Matthew P. Gerrie, When Photographs Create False Memories, in: Current Directions in Psychological Science, 6, 14 (2005), S. 321\u2013325 f\u00fcr einen \u00dcberblick.<br \/>\n<a id=\"edn6\">[6]<\/a> Vgl. Johannes Meinhardt, (Re)Konstruktion der Erinnerung. Christian Boltanskis Untersuchung des Subjekts und des Sozialen, in: Kunstforum International, 113 (1991), S. 298\u2013313, S. 302.<br \/>\n<a id=\"edn7\">[7]<\/a> Es sei hier noch einmal auf die in Anm. 5 angef\u00fchrten Publikationen verwiesen.<br \/>\n<a id=\"edn8\">[8]<\/a> Kettner 2001, S. 68.<br \/>\n<a id=\"edn9\">[9]<\/a>\u00a0Elias Khoury, On Beirut, in: Thomas Scheffler (Hg.), Religion between violence and reconciliation, Beirut\/W\u00fcrzburg 2002, S. 175\u2013178, S. 176\u2013177; f\u00fcr Aufarbeitung und Umgang mit Erinnerung an den Libanesischen B\u00fcrgerkrieg vgl. Sune Haugbolle, Public and Private Memory of the Lebanese Civil War, in: Comparative Studies of South Asia, Africa and the Middle East, 1, 25 (2005), S. 191\u2013203.<br \/>\n<a id=\"edn10\">[10]<\/a> Haugbolle 2005, S. 202.<br \/>\n<a id=\"edn11\">[11]<\/a> http:\/\/theatlasgroup.com [05.03.2011].<br \/>\n<a id=\"edn12\">[12]<\/a> Walid Raad, Scratching on Things I Could Disavow: Some essays from The Atlas Group Project, K\u00f6ln 2007, S. 54.<br \/>\n<a id=\"edn13\">[13]<\/a> Raad 2007, S. 68, S. 86 und Walid Raad, o.T., in: Kassandra Nakas\/Britta Schmitz (Hg.), The Atlas Group (1989 &#8211; 2004). A project by Walid Raad, K\u00f6ln 2006, S. 66\u2013130, S. 67.<br \/>\n<a id=\"edn14\">[14]<\/a> O.A., How to prevent a civil war: Remember the last one, in: The Daily Star of Lebanon, 12.04.2003.<br \/>\n<a id=\"edn15\">[15]<\/a>\u00a0F\u00fcr den ganzen Absatz vgl. Raad 2007, S. 16\u201318, alle Zitate stammen ebenfalls von dort und wurden von mir ins Deutsche \u00fcbertragen.<br \/>\n<a id=\"edn16\">[16]<\/a> F\u00fcr den ganzen Absatz vgl. Siegfried Kracauer, Die Photographie [1926], in: Ders., Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt am Main 1963, S. 21\u201339, alle Zitate stammen ebenfalls von dort.<br \/>\n<a id=\"edn17\">[17]<\/a> Haugbolle 2005, S. 191.<br \/>\n<a id=\"edn18\">[18]<\/a> Kracauer 1926, S. 39.<br \/>\n<a id=\"edn19\">[19]<\/a> Kracauer 1926, S. 39.<br \/>\n<a id=\"edn20\">[20]<\/a> Kettner 2001, S. 68.<br \/>\n<a id=\"edn21\">[21]<\/a> http:\/\/theatlasgroup.org [06.03.2011].<br \/>\n<a id=\"edn22\">[22]<\/a> http:\/\/theatlasgroup.org [06.03.2011].<br \/>\n<a id=\"edn23\">[23]<\/a>\u00a0\u201eGleichviel, welcher Szenen sich ein Mensch erinnert: sie meinen etwas, das sich auf ihn bezieht, ohne da\u00df er wissen m\u00fc\u00dfte, was sie meinen. Im Hinblick auf das f\u00fcr ihn Gemeinte werden sie aufgehoben. Sie organisieren sich also nach einem Prinzip, das sich von dem der Photographie seinem Wesen nach unterscheidet. Die Photographie erfa\u00dft das Gegebene als ein r\u00e4umliches (oder zeitliches) Kontinuum, die Ged\u00e4chtnisbilder bewahren es, insofern es etwas meint. Da das Gemeinte in dem nur-r\u00e4umlichen Zusammenhang so wenig aufgeht wie in dem nur-zeitlichen, stehen sie windschief zur photographischen Wiedergabe.\u201c (Kracauer 1926, S. 24\u201325).<br \/>\n<a id=\"edn24\">[24]<\/a> Wolfgang Ullrich, Die Geschichte der Unsch\u00e4rfe, Berlin 2009, S. 42.<br \/>\n<a id=\"edn25\">[25]<\/a> Haugbolle 2005, S. 199.<br \/>\n<a id=\"edn26\">[26]<\/a> http:\/\/theatlasgroup.com [05.03.2011], \u00fcbers. v. J.B.<\/p>\n<p><strong>Quellennachweis:<\/strong> J\u00fcrgen Buchinger, Wie man einen B\u00fcrgerkrieg verhindert. Walid Raads <em>The Atlas Group Archive<\/em> und der Versuch der Wiederherstellung einer nationalen Identit\u00e4t, in:\u00a0ALL-OVER, Nr. 2, M\u00e4rz 2012. URL:\u00a0http:\/\/allover-magazin.com\/?p=855.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00ab\u00a0M\u00e9moire \u00a0 \u00a0\u00a0 \u00a0Se plaindre de la sienne, \u2013 et m\u00eame se vanter de n&#8217;en pas avoir. 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