{"id":427,"date":"2011-07-21T22:53:57","date_gmt":"2011-07-21T20:53:57","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=427"},"modified":"2019-01-17T17:05:17","modified_gmt":"2019-01-17T15:05:17","slug":"%e2%80%9eflorian-why-do-you-still-have-a-studio%e2%80%9cein-gesprach-mit-dem-wiener-konzeptkunstler-florian-pumhosl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=427","title":{"rendered":"\u201eFlorian, why do you still have a studio?\u201c"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_506\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=506\" rel=\"attachment wp-att-506\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-506\" class=\"size-medium wp-image-506 \" title=\"Atelier von Florian Pumh\u00f6sl\" alt=\"\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/R0011048-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/R0011048-300x199.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/R0011048.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-506\" class=\"wp-caption-text\">Atelier von Florian Pumh\u00f6sl<\/p><\/div>\n<p>Das Atelier ist den allt\u00e4glichen Lebenszusammenh\u00e4ngen insofern enthoben, als dass sich Vorstellungsbilder daran kn\u00fcpfen, die es als Wirkungsst\u00e4tte des K\u00fcnstlerischen ausweisen. Erwartungen und Klischees stilisieren den Arbeitsort des K\u00fcnstlers zu einem Kultraum der Originalit\u00e4t, in dem der Arbeitsprozess einem Sch\u00f6pfungsakt gleichkommt. Somit ist das Atelier nicht nur ein Ort, an welchem k\u00fcnstlerische Impulse ausgearbeitet werden, sondern auch symbolisch aufgeladener Topos.<a href=\"#edn1\">[1]<\/a> Auf den Spuren dieser mythischen Aufladung ergab sich im Rahmen einer Lehrveranstaltung die Gelegenheit, den Konzeptk\u00fcnstler Florian Pumh\u00f6sl in seinem Atelier zu besuchen.<a href=\"#edn2\">[2]<\/a> Das Vorgefundene entsprach nicht dem klassischen Bild der K\u00fcnstlerwerkstatt. Vielmehr erweckte das Studio den Eindruck eines B\u00fcros und auch die Inaugenscheinnahme aktueller Arbeiten war nicht m\u00f6glich. \u201eIch habe ein stra\u00dfenseitiges Atelier. Das bedeutet, dass Dinge raus sollen und nicht rein\u201c, erkl\u00e4rte Pumh\u00f6sl schmunzelnd. Die Struktur des Raumes legt die Assoziation mit einem Denkgeh\u00e4use nahe, von dem aus Ideen nach drau\u00dfen str\u00f6men. Somit wird deutlich, dass neue k\u00fcnstlerische Verfahren sichtlich Erfordernisse und Beschaffenheit des Ateliers ver\u00e4ndert haben.<a href=\"#edn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Ein Atelier dient nicht nur der boh\u00e8mienhaften Imagesetzung, die den K\u00fcnstler mit den \u00e4u\u00dferen Pr\u00e4dikaten eines K\u00fcnstlerdaseins ausstattet, die Au\u00dfenwirkung kann die Inszenierung des K\u00fcnstlersubjekts lenken und zur Legendenbildung beitragen, denn das Bild der K\u00fcnstlerwerkstatt ist eng verwoben mit der Vorstellung vom K\u00fcnstlertum selbst. Geistesund ideengeschichtlich lassen sich solche Annahmen, Ideen und Motive aus langfristigen Entwicklungen ableiten, den historischen Rahmen bilden grundlegende Ver\u00e4nderungen auf dem Gebiet der k\u00fcnstlerischen Produktion. Nachdem im 18. Jahrhundert h\u00f6fische Auftraggeber und M\u00e4zene zunehmend an Bedeutung verloren, ein moderner Kunstmarkt entstand und damit auch eine wachsende Bedeutung des Publikums und b\u00fcrgerlichen Auftraggebers einherging, geriet das K\u00fcnstlersubjekt in die Rolle des sozialen Au\u00dfenseiters. Antib\u00fcrgerlichkeit wurde zum Markenzeichen und die Herstellung eines Kunstwerkes im Atelier und au\u00dferhalb der b\u00fcrgerlichen Konventionen zu einer gezielt gesetzten Handlung, die eine k\u00fcnstlerische Gegenwelt herstellt. Das Atelier wird zum Kunstraum und nimmt eine Sonderstellung ein: Einerseits Ort privater Abgeschlossenheit, ist es andererseits auch ein Platz potentieller \u00d6ffentlichkeit. Diese Schnittstelle zwischen Privatheit und \u00d6ffentlichkeit, Lebens- und Arbeitsraum setzt die K\u00fcnstlerwerkstatt ins Zentrum eines Geflechts aus K\u00fcnstler, Werk, Arbeitsprozess und \u00d6ffentlichkeit und erm\u00f6glicht es, davon ausgehend interessante Fragestellungen zu er\u00f6ffnen.<a href=\"#edn4\">[4]<\/a><\/p>\n<p><em>KATRIN MIGLAR: Nachdem wir heute die Gelegenheit haben, in Ihrem Atelier sein zu k\u00f6nnen, w\u00fcrden wir Sie insbesondere dazu befragen wollen, welchen Stellenwert ein Atelier f\u00fcr einen zeitgen\u00f6ssischen K\u00fcnstler haben kann. In der Literatur st\u00f6\u00dft man eher auf den postmodernen Anspruch der K\u00fcnstler, den Atelierraum zu verlassen. Deswegen die Frage: Welche Bedeutung und Relevanz kann ein Atelier noch haben und inwiefern ist Ihre k\u00fcnstlerische T\u00e4tigkeit an diesen konkreten Ort gebunden?<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Ich w\u00fcrde unterscheiden zwischen der symbolischen Komponente des Ateliers und der Notwendigkeit des Ateliers. Die symbolische Komponente des Ateliers interessiert mich wenig, die Notwendigkeit interessiert mich sehr. Erstens glaube ich \u2013 aber das ist auch sehr temperamentabh\u00e4ngig \u2013 es ist wichtig in einem Raum zu sein, in dem ich die Konzentration finde und die Umgebung, wo mich Dinge nicht substanziell st\u00f6ren. F\u00fcr mich hat sich die Notwendigkeit des Ateliers ergeben. Bei einer Podiumsdiskussion habe ich gewitzelt, ich bin ein Roboter, der versucht, im Atelier sich selbst auszutricksen. Dann hat ein Kollege, ein honoriger Konzeptk\u00fcnstler namens John Knight gesagt: \u201eFlorian, why do you still have a studio?\u201c Ich fand das sehr sympathisch. F\u00fcr diese Generation war es wichtig mit diesem Nimbus zu brechen. Michel Asher und John Knight, die wirklich wichtige Figuren der konzeptuellen Kunst sind, haben sich sehr stark als<em> non-studio artists<\/em> verstanden mit dem Effekt, dass sie jetzt in ihren H\u00e4usern Hals \u00fcber Kopf in ihren Archiven stecken. Das sind praktische Notwendigkeiten. Ich habe bis vor einigen Jahren ein gr\u00f6\u00dferes Arbeitszimmer in meiner Wohnung gehabt und das war mir auch sehr angenehm bis zu dem Zeitpunkt, wo regelm\u00e4\u00dfig Leute mitgearbeitet haben. Das ist auch eine der Notwendigkeiten ein Studio zu haben.<\/p>\n<p><em>KATRIN MIGLAR: Sie haben direkt den symbolischen Gehalt vom praktischen Aspekt getrennt. Glauben Sie wirklich, dass der Topos des Ateliers gestorben ist, diese mythische Dimension, wenn man sich im Atelier des K\u00fcnstlers aufh\u00e4lt, wo man quasi dem k\u00fcnstlerischen Schaffensprozess hautnah sein kann? Hat das f\u00fcr uns heute keine Bedeutung mehr?<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Das glaube ich nicht. Ich sehe, dass es f\u00fcr viele Leute eine Bedeutung hat. Mich wundert es auch zum Teil ein bisschen. Ich sage den Leuten: Wissen Sie, dass mein Atelier der Ort ist, an dem Sie am aller unwahrscheinlichsten eine Arbeit von mir sehen werden? Es gibt Sammler oder m\u00e4zenatische Gruppen und es gibt diesen Nimbus des <em>Studio\u00a0Visits<\/em>, wo man denkt, man k\u00f6nne die Arbeiten schon vor der Ausstellung sehen. Das ist f\u00fcr mich sehr schwierig, gerade wo es um Verr\u00e4umlichung geht oder Installationen und Filme. Ich kann hier nicht auch noch ein Kino haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_505\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=505\" rel=\"attachment wp-att-505\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-505\" class=\"size-medium wp-image-505 \" title=\"Atelier von Florian Pumh\u00f6sl\" alt=\"\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/R0011046-300x211.jpg\" width=\"300\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/R0011046-300x211.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/R0011046.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-505\" class=\"wp-caption-text\">Atelier von Florian Pumh\u00f6sl<\/p><\/div>\n<p><em>KATRIN MIGLAR: Das Atelier kann also nicht nur private Abgeschlossenheit sein, sondern erlaubt auch \u00f6ffentliche Pr\u00e4sentation. L\u00e4sst sich damit auch eine Repr\u00e4sentation, eine Selbstinszenierung oder ein Image gestalten?<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Nein. Als Imagesache sehe ich es nicht. Ich habe es gern, wenn Leute da sind, aber zur Repr\u00e4sentation ist es mir nicht wichtig.<\/p>\n<p><em>JULIA GELSHORN: Das h\u00e4ngt auch von der Art der Kunst ab, die man macht. Wenn hier nichts zu sehen ist, verliert es genau diese Bedeutung.<\/em><\/p>\n<p><em>KATRIN MIGLAR: Dann kann man sagen, dass durch die Ausweitung des Werkbegriffs auch das klassische Atelier sich ver\u00e4ndert hat. Ich wei\u00df nicht, ob ich jetzt nicht zu weit gehe, wenn ich die Verbindung ziehe, dass der Bedeutungsverlust des Ateliers anzeigt, dass sich auch das K\u00fcnstlersubjekt als solches ver\u00e4ndert hat.<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Ja, das glaube ich wohl auch.<\/p>\n<p><em>KATRIN MIGLAR: In meinem Kopf existiert die Vorstellung vom einsamen K\u00fcnstler, der in Abgeschiedenheit verzweifelt an seinem Werk bastelt.<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Das ist schon so.<\/p>\n<p><em>KATRIN MIGLAR: Der K\u00fcnstler als Intellektueller und Kritiker hat eine Rolle im gesellschaftlichen\u00a0Gef\u00fcge. Wenn K\u00fcnstlerpers\u00f6nlichkeiten aus dem Atelier hinausgehen und aktiv in die gesellschaftlichen Vorg\u00e4nge eingreifen, partizipieren sie dann auf diese Weise?<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Ich bin immer relativ skeptisch, wenn es um Berufsbilddiskussionen geht. Das beobachte ich seit zwei Jahrzehnten, dass es st\u00e4ndig um die Normalisierung des K\u00fcnstlerbildes geht. Das interessiert mich \u00fcberhaupt nicht. Ich muss weder ein Architekt sein noch ein Politiker. Ich finde, man kann in der Kunst all das verhandeln. Es ist ein Raum auf den wir uns geeinigt haben, wo alle diese Dinge Platz haben, aber das bedeutet nicht, dass ich mir als K\u00fcnstler jede Woche ein neues Rollenbild suchen muss. Ich kann mich auch kunstimmanent mit solchen Fragen befassen. Ich kann auch als K\u00fcnstler einen politischen Anspruch haben. Mich interessieren diese Rollenbilddiskussionen nicht, ob der K\u00fcnstler ein Forscher oder ein Architekt ist oder was immer. Das sind Ablenkungsdiskussionen. Letztlich geht es darum, ob einem etwas Relevantes gelingt und was immer man daf\u00fcr tun muss, muss man halt tun.<\/p>\n<p><em>JULIA GELSHORN: Das scheint eine gewisse Diskursmacht zu sein, gegen die man sich in der Praxis wehren muss beziehungsweise die man ignorieren muss. In diesem Sinn wird immer wieder die Frage gestellt, wo die zeitgen\u00f6ssische Kunst im gesellschaftlichen Zusammenhang steht. Es ist durchaus ein Statement, wenn du sagst, die Kunst sei ein mit Autonomie ausgestatteter Bereich (der Begriff Autonomie ist nat\u00fcrlich weit), der in Wechselwirkung steht mit gesellschaftlichen und politischen Zusammenh\u00e4ngen, aber doch eine autonome Schaffenszone ist. Es geht dann letztlich auch darum etwas herzustellen und auch das ist in gro\u00dfen Kunstrichtungen in Frage gestellt worden.<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Ein Werk muss ja auch nicht hergestellt werden. Das hat man ja auch durchaus bewiesen in der konzeptuellen Kunst, dass das Werk auch im Sichtbarmachen von Relationen liegen kann.<\/p>\n<p><em>JULIA GELSHORN: Ja klar, aber trotzdem ist es was anderes, ob ich Sozialarbeiter werde oder ob ich auch aus formalen Problemen heraus etwas entwickle, das in unterschiedlichste Medien einflie\u00dfen und ganz unterschiedliche Themen betreffen kann.<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Auf der einen Seite finde ich, dass der Freiraum der Kunst genutzt wird, um sozusagen eine Feigenblattfunktion zu haben, das hei\u00dft, wenn man die Sozialarbeit in der Kunst erledigen kann, muss man sie in der Gesellschaft nicht mehr erledigen. Wo ich aber schon Recht geben w\u00fcrde, mit dem modernen Kunstbegriff, dieser Raum der Autonomie ist schon wohl verhandelt. Der hat schon auch einen Sinn.<\/p>\n<p><em>KATRIN MIGLAR: Die Kunst w\u00e4re demnach also auch ein Reservoir f\u00fcr all jene Dinge, die im allt\u00e4glichen Leben nicht m\u00f6glich w\u00e4ren.<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Ich suche in der Hinsicht auch \u00fcberhaupt nicht nach einer Funktion. Es braucht keine Legitimation, es soll es nur geben. Man muss keinen Grund daf\u00fcr finden, es soll es einfach nur geben.<\/p>\n<p><em>CLARA KUCHAR: Was ist Ihre Motivation, sich mit Kunst zu besch\u00e4ftigen?<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Eine Grundmotivation ist, dass ich immer wieder von Kunst angezogen\u00a0werde, dass ich sie gern anschaue und dass sie mir immer wieder Dinge aufgibt. Ich finde, es ist sehr profitabel, mit Kunstwerken und mit deren Auseinandersetzung zu leben, weil sie einem immer auch Dinge er\u00f6ffnen, weil sie eine M\u00f6glichkeit der Erfahrung sind, die doch eine hohe Flexibilit\u00e4t hat und einen immer wieder \u00fcberrascht. Was auch eine Motivation ist, dass Kunst keine allt\u00e4gliche Besch\u00e4ftigung ist. Sie funktioniert anders als Medien oder Alltag. Das ist eine gewisse Sehnsucht, die man hat. Dass es etwas gibt, das au\u00dferhalb von konventioneller Sprache existiert und auch im Stande ist, eine gewisse Komplexit\u00e4t zu repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p><em>CLARA KUCHAR: Wie politisch darf ein K\u00fcnstler sein? Wie beeinflusst die Politik das Werk eines K\u00fcnstlers?<\/em><\/p>\n<p>FLORIAN PUMH\u00d6SL: Das sind gute Fragen. Wie politisch darf ein K\u00fcnstler sein? Wir leben in einer sehr luxuri\u00f6sen Situation, was das betrifft. Nicht alle haben die M\u00f6glichkeit, das selber festzulegen. Wir d\u00fcrfen so politisch sein, wie wir es eben in unserer krisengebeutelten, nicht immer vorw\u00e4rtsgerichteten kleinen Demokratie sein d\u00fcrfen. Das lege auch nicht ich fest. Wenn ich mich dadurch beschnitten f\u00fchlte, w\u00fcrde ich es wahrscheinlich sagen. Ich glaube, es ist ein Fehler zu fragen, wie die Politik das Werk eines K\u00fcnstlers beeinflusst. Es ist nicht produktiv von der Politik und der Kunst auszugehen. Es ist immer interessanter solche Einflussnahmen im Einzelnen zu untersuchen. Die Kunst bildet politische Situationen und auch einen gewissen Zeitgeist ab, daraus kann man auch zum Teil schlie\u00dfen, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Wenn ich auf eine Kunstmesse gehe und ich sehe kleine Aquarelle, Portr\u00e4ts von Million\u00e4ren und sehr m\u00e4chtigen Leuten und ich stelle fest, dass das viele Leute interessiert, dann kann ich sagen, das ist schon ein Zeitbild. Das n\u00e4chste ist der Begriff der Kreativit\u00e4t. Das ist etwas, was ich in Frage stelle. Es gibt bestimmte Eigenschaften und Wahrnehmungen, denen man folgen kann. Die Kreativit\u00e4t ist nichts, was ich genuin oder k\u00f6rperlich hervorbringe, sondern es kommt aus einer spezifischen Situation. Es kommt auch sehr stark aus der Zeit. F\u00fcr mich macht die Zeit eine Arbeit, nicht unbedingt die M\u00f6glichkeit, etwas sofort aufs Papier zu bringen. Wie lange kann ein Gedanke reifen und sich auch mit anderen Erfahrungen verbinden. Irgendwann gibt es die M\u00f6glichkeit, das in einer Arbeit zu artikulieren.<\/p>\n<p>JULIA GELSHORN ist seit April 2010 Professorin f\u00fcr Neueste Kunstgeschichte und Kunst<br \/>\nder Gegenwart am Institut f\u00fcr Kunstgeschichte der Universit\u00e4t Wien.<br \/>\nCLARA KUCHAR studiert Kunstgeschichte in Wien.<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div style=\"font-size: 0.8em;\">\n<p><a id=\"edn1\"><\/a>[1] Vgl. Michael Diers\/Monika Wagner (Hg.), Topos Atelier: Werkstatt und Wissensform, Berlin 2010.<br \/>\n<a id=\"edn2\"><\/a>[2] Gespr\u00e4ch im Rahmen der Lehrveranstaltung \u201eKunstszene Wien \u2013 R\u00e4ume, Institutionen, Akteure\u201c, Institut f\u00fcr Kunstgeschichte, Universit\u00e4t Wien, Prof. Dr. Julia Gelshorn, Wintersemester 2010\/11. Das Interview f\u00fchrten Clara Kuchar, Katrin Miglar und Krisztina Pauer.<br \/>\n<a id=\"edn3\"><\/a>[3] Vgl. Sabine Breitwieser (Hg.), Designs f\u00fcr die wirkliche Welt, Katalog der Generali Foundation, Wien 2002 sowie Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Hg.): Florian Pumh\u00f6sl. 678 (Kat.), Beitr. von Eric de Bruyn, Jaleh Mansoor &amp; Matthias Michalka. Interview von Matthias Michalka, Wien 2011.<br \/>\n<a id=\"edn4\"><\/a>[4] Vgl. Verena Krieger, Was ist ein K\u00fcnstler? Genie, Heilsbringer, Antik\u00fcnstler. Eine Ideen- und Kunstgeschichte des Sch\u00f6pferischen, K\u00f6ln 2007 sowie Verena Krieger: Sieben Arten, an der \u00dcberwindung des K\u00fcnstlersubjekts zu scheitern. Kritische Anmerkungen zum Mythos vom verschwundenen Autor, in: Was ist ein K\u00fcnstler? Das Subjekt der modernen Kunst, Martin Hellmold (Hg.), M\u00fcnchen 2003, S. 117 \u2013 148.<\/p>\n<p><strong>Quellennachweis<\/strong>: Katrin Miglar, \u201eFlorian, why do you still have a studio?\u201c. Ein Gespr\u00e4ch mit dem Wiener Konzeptk\u00fcnstler Florian Pumh\u00f6sl, in:\u00a0ALL-OVER, Nr. 1, Juli 2011. URL:\u00a0http:\/\/allover-magazin.com\/?p=427.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Atelier ist den allt\u00e4glichen Lebenszusammenh\u00e4ngen insofern enthoben, als dass sich Vorstellungsbilder daran kn\u00fcpfen, die es als Wirkungsst\u00e4tte des K\u00fcnstlerischen ausweisen. 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