{"id":3392,"date":"2019-03-19T17:33:36","date_gmt":"2019-03-19T15:33:36","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=3392"},"modified":"2019-04-18T13:30:16","modified_gmt":"2019-04-18T11:30:16","slug":"die-gegenwart-des-historischen-in-christian-petzolds-transit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=3392","title":{"rendered":"Die Gegenwart des Historischen in Christian Petzolds <em>Transit<\/em>"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEin Transit &#8211; das ist die Erlaubnis, ein Land zu durchfahren, wenn es feststeht, da\u00df man nicht bleiben will.\u201c<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\"><sup>1<\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u201e\u00bbIch sage Ihnen zum dritten Mal: Man l\u00e4\u00dft Sie hier nur eine Zeitlang in Ruhe bleiben, wenn Sie nachweisen, da\u00df Sie abfahren wollen. Verstehen Sie das nicht?\u00ab Ich sagte: \u00bbNein.\u00ab\u201c<a id=\"_ednref2\" href=\"#_edn2\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Christian Petzolds Film <i>Transit<\/i> (2018) ist auf zweifache Weise das Ergebnis eines Transfers: als Verfilmung des gleichnamigen Exilromans von Anna Seghers (1944\/48) und als \u00dcbertragung historischer Ereignisse in das Setting der Gegenwart. Der Besuch der Filmvorf\u00fchrung und eine knappe Notiz, die Harun Farockis (1944\u20132014) fr\u00fches Interesse f\u00fcr den Roman dokumentiert, lassen danach fragen, auf welche Weise die Gegenwart des Historischen in <i>Transit<\/i> behandelt wird.<a id=\"_ednref3\" href=\"#_edn3\"><sup>3<\/sup><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_3454\" style=\"width: 353px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=3454\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3454\" class=\"wp-image-3454\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.1_Farocki_Transit.jpg\" alt=\"\" width=\"343\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.1_Farocki_Transit.jpg 744w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.1_Farocki_Transit-229x300.jpg 229w\" sizes=\"auto, (max-width: 343px) 100vw, 343px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3454\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Harun Farocki, Dokument \u00fcber die Zulassungspr\u00fcfung an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB), Mai 1966<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: Deutsche Kinemathek, Schriftgutarchiv: Signatur: N 7815-dffb<\/span><\/p><\/div>\n<p>Farocki, den Petzold aus der gemeinsamen Studienzeit an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) kannte, blieb \u00fcber viele Filmprojekte hinweg ein dauerhafter Gespr\u00e4chspartner. Wie die Widmung im Vorspann von <i>Transit<\/i> nahelegt, gingen wohl auch f\u00fcr dieses Projekt wichtige Impulse von Farocki aus. Als eines seiner Lieblingsb\u00fccher hat Farocki Petzold bereits in den siebziger Jahren mit dem Buch bekanntgemacht: Die Schriftstellerin Seghers verarbeitet in diesem Roman ihre eigenen Erfahrungen, die sie w\u00e4hrend ihrer Emigration Anfang der vierziger Jahre gesammelt hatte.<a id=\"_ednref4\" href=\"#_edn4\"><sup>4<\/sup><\/a> Auf der Flucht vor den nunmehr auch in Frankreich einfallenden Faschisten steuerte sie zusammen mit ihren Kindern den \u00dcberseehafen in Marseille an, um von dort aus weiter nach Mexiko zu fliehen. Eine im Rahmen seiner Aufnahmepr\u00fcfung an der DFFB angefertigte handschriftliche Notiz verr\u00e4t, dass Farocki bereits 1966 \u00fcber die Bearbeitung des Romans nachdachte (Abb. 1).<a id=\"_ednref5\" href=\"#_edn5\"><sup>5<\/sup><\/a> Seine knappen Formulierungen sind bemerkenswert aktuell: In \u201eScheinaktivit\u00e4t[en]\u201c finden die Fl\u00fcchtlinge \u201eeine falsche Existenz\u201c.<a id=\"_ednref6\" href=\"#_edn6\"><sup>6<\/sup><\/a> Diese sei charakterisiert durch die unaufh\u00f6rliche \u201eJagd nach Legitimationspapieren\u201c, eine \u201eFarce\u201c deren zersetzende \u201eZwanghaftigkeit\u201c sich insbesondere in der existentiell werdenden Abh\u00e4ngigkeit von \u201eTransits, Visa, Aufenthaltsgenehmigungen, Hilfsfonds, Tickets\u201c zeige. Farocki notiert, dass der Stoff geeignet ist \u201evorz\u00fcglich in [den] Bildern\u201c eines Films wiedergegeben zu werden. Die buchhalterische \u201eZwanghaftigkeit der Dokumente\u201c triumphiere \u00fcber die Identit\u00e4t der Lebenden, die schlie\u00dflich sogar abhanden zu kommen droht und ausgerechnet in derjenigen eines Toten neue Legitimation erf\u00e4hrt. \u201eDer Stoff birgt im Gewand der <s>\u201aRealit\u00e4t\u2018<\/s> [\u2026] \u201aHistorischen Begebenheit\u2018 eine Parabel\u201c, notiert Farocki abschlie\u00dfend. Das gestrichene Wort \u201eRealit\u00e4t\u201c deutet dabei auf ein Verst\u00e4ndnis des Historischen, das abseits von einem mimetisch gedachten Konzept von Realismus zu suchen ist.<\/p>\n<p>Petzolds <i>Transit<\/i> ist nach <i>Barbara<\/i> (2012) und <i>Phoenix<\/i> (2014) der dritte Teil einer Trilogie historischer Stoffe. Den Entstehungsprozess des Projektes hat Farocki noch gr\u00f6\u00dftenteils begleiten k\u00f6nnen. \u201eSo k\u00f6nne man historische Themen behandeln\u201c, soll er \u00fcber den Film gesagt haben, wie sich Petzold erinnert.<a id=\"_ednref7\" href=\"#_edn7\"><sup>7<\/sup><\/a> Das langanhaltende gemeinsame Gespr\u00e4ch \u00fcber das bereits 2014 bewilligte Projekt zur Verfilmung des Buches von Seghers konnte jedoch nicht mehr fortgesetzt werden: Nach Farockis Tod legte Petzold die Arbeit vorerst nieder, um sich mit zwei <i>Polizeiruf<\/i>-Produktionen wieder der \u201eArbeit im Gegenw\u00e4rtigen\u201c zu verschreiben.<a id=\"_ednref8\" href=\"#_edn8\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Gegenwart und Vergangenheit sind die beiden wesentlichen Zentripetalkr\u00e4fte, die den Film <i>Transit<\/i> bestimmen. Obwohl der Film optisch der Gegenwart verhaftet bleibt, erwecken einzelne Worte und Dinge den Anschein des Historischen. Mehrfach durchkreuzen Schienengleise die Leinwand, die im Auf und Ab der Gleis- und Weichenf\u00fchrung die Partitur des Films leitmotivisch einfangen (Abb. 2). Auf der Ebene der Handlung entspricht die ununterbrochene Unruhe der Protagonisten dem best\u00e4ndigen Zeitendrift. Andauernd in Furcht versetzt, entweder entdeckt oder verraten zu werden, ist kaum ein Ort in der Lage, Geborgenheit zu vermitteln. Denn neben die unumg\u00e4nglichen \u201eNicht-Orten\u201c (Marc Aug\u00e9), die b\u00fcrokratischen Wartezonen, reihen sich vielfach jene Orte und R\u00e4ume, die als Transitzonen nur vor\u00fcbergehend Aufenthalt erlauben: Bahnhof, Hafen, Hotelzimmer, Stra\u00dfengasse, Taxi und schlie\u00dflich ein Bistro. Dieser Ort und mehr noch der Wirt (Matthias Brandt), der zugleich als Erz\u00e4hlstimme durch den Film begleitet, bilden den einzigen Fixpunkt, in dessen Gravitationsfeld die Figuren ihre Bahnen ziehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3455\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3455\" class=\"size-large wp-image-3455\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.2_Petzold_Transit_15.00-1024x427.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.2_Petzold_Transit_15.00-1024x427.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.2_Petzold_Transit_15.00-300x125.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.2_Petzold_Transit_15.00-768x320.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.2_Petzold_Transit_15.00.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3455\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Georg und Heinz auf der Flucht nach Marseille, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<p>Georg (Franz Rogowski) ger\u00e4t als eine Art Mittelsmann eher beil\u00e4ufig in die Handlung hinein. In einer Pariser Bar trifft er zun\u00e4chst auf Paul (Sebastian H\u00fclk), einen alten Bekannten, der ihn um einen Gefallen bittet. Zwei Briefe sollen dem Schriftsteller Franz Weidel \u00fcberstellt werden, der in einem benachbarten Hotel wohnt. Als Gegenleistung winken etwas Geld und die Aussicht die Stadt zu verlassen \u2013 ein Platz im Auto sei noch frei. Im Hotel findet Georg nur noch das verlassene Zimmer vor. Das blutverschmierte Badezimmer deutet auf den Suizid des Schriftstellers. Paradoxerweise imaginieren dessen Hinterlassenschaften eine Form der Anwesenheit, die gegen\u00fcber jener raumgreifenden Abwesenheit opponiert, die der Tod f\u00fcr gew\u00f6hnlich hinterl\u00e4sst. Und selbst noch in den Erz\u00e4hlungen der Hotelangestellten (Emilie de Preissac), die den Gast von fr\u00fcheren Besuchen zusammen mit seiner Frau her kannte, nimmt die Person des Schriftstellers f\u00f6rmlich Gestalt an. Das zur\u00fcckgelassene Typoskript des letzten Buchprojektes zeichnet dar\u00fcber hinaus das Bild eines melancholisch gewordenen Romantikers, dessen Zukunft pl\u00f6tzlich aussichtslos erschien. Georg ergreift die Chance, die sich durch die Leerstelle des Abwesenden ergibt. Er nimmt das Typoskript, die Briefe, den Pass und die Reisepapiere an sich und wird sich letztlich sogar \u2013 wenn auch z\u00f6gerlich \u2013 die Identit\u00e4t des Schriftstellers aneignen. F\u00fcr einen kurzen Moment er\u00f6ffnet sich eine alternative Perspektive, die nur im falschen Leben ein (\u00dcber-)Leben verspricht. Der rettende Transit ger\u00e4t erst dann in greifbare N\u00e4he, wenn sich auch die Identit\u00e4ten selbst im \u00dcbergang befinden. Aber der Fluchtplan misslingt. Paul wird von einer Polizeieinheit aufgegriffen und Georg kann gerade noch rechtzeitig entkommen. Die Situation versch\u00e4rft sich, da die Ordnungskr\u00e4fte das Viertel systematisch zu durchk\u00e4mmen beginnen und die Stadt abgeriegelt zu werden droht. Doch bevor Georg \u00fcberhaupt die Gelegenheit dazu bekommt sich einen Ausweg zu ersinnen, erh\u00e4lt er schon den n\u00e4chsten Auftrag. Er soll seinen verwundeten Freund Heinz (Ronald Kukulies) in Sicherheit bringen. Auf einem G\u00fcterzug in einem Baucontainer versteckt, versuchen beide nach Marseille zu fl\u00fcchten, doch der Freund erliegt seinen schweren Verletzungen. In Marseille angekommen kann Georg den herannahenden Ordnungskr\u00e4ften erneut nur knapp entwischen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3456\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3456\" class=\"size-large wp-image-3456\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.3_Petzold_Transit_65.41-1024x433.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"271\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.3_Petzold_Transit_65.41-1024x433.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.3_Petzold_Transit_65.41-300x127.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.3_Petzold_Transit_65.41-768x324.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.3_Petzold_Transit_65.41.jpg 1915w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3456\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Marie h\u00f6rt ihren Namen und wendet sich um, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<p>Marie (Paula Beer) ist ein rastloses umherwandelndes Phantom (Abb. 3): Die meiste Zeit des Films ist vornehmlich das hektische Klackern ihrer Schuhabs\u00e4tze zu vernehmen. Auf der Suche nach ihrem Mann, dem Schriftsteller, kreuzen sich ihre Wege und Blicke immer wieder mit denjenigen Georgs. Dann eine Ber\u00fchrung, \u2013 die Hand auf seiner Schulter \u2013 eine Kontaktaufnahme ganz \u201eaus Versehen\u201c (Abb. 4). Georg, der inzwischen die Identit\u00e4t des Schriftstellers angenommen hat, scheint diesem (wenn auch nur r\u00fcckseitig) zu \u00e4hneln. Doch sobald er sich umwendet, rei\u00dft ihre nur kurzweilig andauernde Kontaktaufnahme ab. Wie schon im antiken Mythos f\u00fchrt seine Geste der Hinwendung (Orpheus, der hinter sich blickt) zu Verlust und Abwendung.<a id=\"_ednref9\" href=\"#_edn9\"><sup>9<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Georg, dessen Name an den ebenfalls um 1940 nach S\u00fcdfrankreich geflohenen Schriftsteller Georg K. Glaser angelehnt sein k\u00f6nnte, scheint ohne jede Vergangenheit.<a id=\"_ednref10\" href=\"#_edn10\"><sup>10<\/sup><\/a> Eine unter den gegebenen Umst\u00e4nden m\u00f6gliche Identit\u00e4t findet er allein in der Gegenwart. Marie dagegen fehlt im gleichen Ma\u00dfe der Zugang zur Gegenwart wie ihre Erscheinung selbst fl\u00fcchtig und ungreifbar bleibt. Dem Nachhall eines allm\u00e4hlich ausklingenden Echos vergleichbar, scheint der initiale Impuls ihrer Identit\u00e4t allein aus der Vergangenheit begr\u00fcndet. Diese Form permanenter Zeitversetzung f\u00fchrt jedoch dazu, dass Georg und Marie, wie im Falle einer entgegengesetzten Polarit\u00e4t, kaum l\u00e4nger als f\u00fcr einen kurzen Augenblick zusammenbleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3457\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3457\" class=\"size-large wp-image-3457\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.4_Petzold_Transit_18.53-1024x428.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.4_Petzold_Transit_18.53-1024x428.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.4_Petzold_Transit_18.53-300x125.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.4_Petzold_Transit_18.53-768x321.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.4_Petzold_Transit_18.53.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3457\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Marie glaubt ihren Mann wiedererkannt zu haben, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<p>Driss (Lilien Batman), der kleine Sohn des auf der Flucht verstorbenen Freundes, entwickelt dagegen eine ganz und gar gegenw\u00e4rtige Pr\u00e4senz. Im Spiel mit dem Jungen gewinnt Georg sogar eine Lebendigkeit zur\u00fcck, die Erinnerungen an seine fr\u00fchere Identit\u00e4t preisgibt. F\u00fcr einen Moment er\u00f6ffnet sich ihm eine alternative Zukunftsperspektive. Erneut k\u00f6nnte er eine L\u00fccke f\u00fcllen, die durch den verstorbenen Freund und Vater des Jungen gerissen wurde und es br\u00e4uchte dazu keinerlei \u201eSchein-Identit\u00e4t\u201c oder Verstellung mehr: W\u00e4re er bereit zu bleiben, dann w\u00fcrde der Junge ihn akzeptieren, ganz ohne Dokumente und mit welchem Namen auch immer. Die Szene, in der Georg das defekte Radio des Jungen repariert, spiegelt diese Konstellation besonders eindringlich wieder (Abb. 5). Hatte sich Georg dem Jungen zun\u00e4chst nur aus Neugier und wahrscheinlich auch ein wenig aus Mitleid zugewandt, entsteht zwischen ihnen mehr und mehr eine Verbindung, die sich auf Zuneigung und Verantwortung gr\u00fcndet. Die Reparatur des Radios steht sinnbildlich f\u00fcr die Wiederherstellung eines unterbrochenen Kontaktes, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wieder miteinander verkn\u00fcpft. Nicht nur, dass die Handarbeit Georg auf seine Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker zur\u00fcckf\u00fchrt, aus dem Rauschen des Radios erklingt auch eine Melodie, in der Georg ein Lied (das \u201eAbendlied\u201c von Hans-Dieter H\u00fcsch) seiner Kindheit wiedererkennt. Das Tableau der Figuren lie\u00dfe sich noch weiter entfalten, die Mutter des kleinen Jungen (Maryam Zaree) und der Arzt (Godehard Giese) \u2026 Ihnen allen gemein ist, dass sich ihre Wege mehrfach kreuzen und sich stetig neue Konstellationen zwischen ihnen er\u00f6ffnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3458\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3458\" class=\"size-large wp-image-3458\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.5_Petzold_Transit_35.37-1024x428.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.5_Petzold_Transit_35.37-1024x428.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.5_Petzold_Transit_35.37-300x125.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.5_Petzold_Transit_35.37-768x321.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.5_Petzold_Transit_35.37.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3458\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 5: Reparatur und Kontaktaufnahme zwischen Georg und Driss, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<p>Wie bei einer Parabel ist die Geschichte auf die Ebene der Gegenwart \u00fcbertragen. Der Film selbst ist eine Transitzone, die den Transfer eines historischen Stoffes in die Gegenwart bef\u00f6rdert. Der Film zeigt das Marseille der Gegenwart (Abb. 6 \u2013 7). W\u00e4hrend der Dreharbeiten finden dort Wahlen statt und sowohl Jean-Luc M\u00e9lenchon als auch Jean-Marie le Pen haben Wahlkampfauftritte. <i>Transit<\/i> ist eben kein Kost\u00fcmfilm, der das Schauspiel vorrangig als historischen Schein in Szene setzt, und darum ist der Schritt, das Historische nicht abbildhaft einzuf\u00fchren, so \u00fcberzeugend. Es mag \u00fcberzogen und irreal anmuten, wenn im Film uniformierte Polizeikr\u00e4fte aus der Gegenwart die Stadt durchk\u00e4mmen, um Razzien durchzuf\u00fchren und Fl\u00fcchtende und Oppositionelle festzusetzen. Doch gerade diese schroffen Montagen schaffen ein Moment der Irritation, das als Punktum, als Korn, auf die bis in die Gegenwart reichende Aktualit\u00e4t dieser Geschichte verweist. Wie h\u00e4tte es wohl ausgesehen, wenn den kammerspielartigen Dialogen tats\u00e4chlich genau jene Nachrichtenbilder zur Seite gestellt worden w\u00e4ren, an die Petzolds Polizeitrupp-Einstellungen unweigerlich erinnern? Die Perspektive einer \u00dcberwachungskamera, die f\u00fcr einen kurzen Moment aufgegriffen wird, scheint ansatzweise in diese Richtung deuten zu wollen (Abb. 8). Die N\u00e4he zum Fernsehen hat Petzold selbst einmal als produktives Moment herausgestellt. Gefragt \u00fcber seine Motivation, f\u00fcr das Fernsehen zu arbeiten, betonte er, dass es f\u00fcr ihn etwas Anderes sei, einen Film zu konzipieren, der nicht im Kino, sondern zwischen Tagesschau und Tagesthemen seinen Platz finden m\u00fcsse.<a id=\"_ednref11\" href=\"#_edn11\"><sup>11<\/sup><\/a> Anders als in seinen fr\u00fcheren Kinoarbeiten scheint diese Klammer des \u201eGegenw\u00e4rtigen\u201c nun auch f\u00fcr <i>Transit<\/i> zu gelten.<\/p>\n<div id=\"attachment_3459\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3459\" class=\"size-large wp-image-3459\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.6_Petzold_Transit_43.24-1024x428.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.6_Petzold_Transit_43.24-1024x428.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.6_Petzold_Transit_43.24-300x125.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.6_Petzold_Transit_43.24-768x321.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.6_Petzold_Transit_43.24.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3459\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 6: Georg wird Zeuge einer Festnahme, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3460\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3460\" class=\"size-large wp-image-3460\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.7_Petzold_Transit_45.33-1024x430.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"269\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.7_Petzold_Transit_45.33-1024x430.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.7_Petzold_Transit_45.33-300x126.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.7_Petzold_Transit_45.33-768x322.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.7_Petzold_Transit_45.33.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3460\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 7: Vor der amerikanischen Botschaft, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3461\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3461\" class=\"size-large wp-image-3461\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.8_Petzold_Transit_18.45-1024x427.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.8_Petzold_Transit_18.45-1024x427.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.8_Petzold_Transit_18.45-300x125.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.8_Petzold_Transit_18.45-768x320.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.8_Petzold_Transit_18.45.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3461\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 8: Marie eilt zu Georg, den sie mit ihrem Mann verwechselt, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<p>Atmosph\u00e4re entfaltet die Erz\u00e4hlebene des Films nicht zuletzt aus dem d\u00fcster gefassten Typoskript des Schriftstellers und der Verzweiflung und Furcht, die aus ihm spricht. Dort ist von einem Mann zu lesen, der erst Tage und dann Jahre vor einem gro\u00dfen Tor wartete, bis er sich endlich an einen Passanten wendete: \u201eVielleicht k\u00f6nnen Sie mir helfen. Ich soll mich in der H\u00f6lle melden,\u201c \u201eAber mein Herr!\u201c entgegnet ihm schlie\u00dflich der Vor\u00fcbergehende, \u201eDas ist die H\u00f6lle hier!\u201c Die Szene k\u00f6nnte in Kafkas Parabel <i>Vor dem Gesetz<\/i> ein Vorbild erhalten haben. Als sogenannte <i>Torh\u00fcterparabel<\/i> ist die Geschichte 1915 als Teil des unvollendet gebliebenen Romans <i>Der Prozess<\/i> ver\u00f6ffentlicht worden.<a id=\"_ednref12\" href=\"#_edn12\"><sup>12<\/sup><\/a> Orson Welles hat die Erz\u00e4hlung in Verbindung mit einer Zeichentricksequenz in seiner Verfilmung des Kafka-Romans <i>Le Proc\u00e8s<\/i> (1962) in Szene gesetzt.<a id=\"_ednref13\" href=\"#_edn13\"><sup>13<\/sup><\/a> Die vielen H\u00fcrden, denen sich der Protagonist dort gegen\u00fcberstehen sieht, werden durch T\u00fcren und Tore repr\u00e4sentiert, die auch im \u00fcbrigen Teil des Films jede menschliche Proportion verloren zu haben scheinen (Abb. 9).<\/p>\n<div id=\"attachment_3462\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3462\" class=\"size-large wp-image-3462\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.9_Welles_Le-proces-1024x612.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.9_Welles_Le-proces-1024x612.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.9_Welles_Le-proces-300x179.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.9_Welles_Le-proces-768x459.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.9_Welles_Le-proces.jpg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3462\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 9: Josef K. wird der Einlass verwehrt, Orson Welles, <em>Le Proc\u00e8s<\/em>, 1962<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, Studio Canal 2012<\/span><\/p><\/div>\n<p>Die Parabel handelt davon, dass ein \u201eMann vom Lande\u201c nie zum Gesetz gelangen wird, das ihn, repr\u00e4sentiert in Form einer furchteinfl\u00f6\u00dfenden Architektur, vor die Mauern verweist. Unertr\u00e4glich erscheint die Situation insbesondere durch deren offensichtliche Paradoxie: Das Tor steht zwar offen, aber der T\u00fcrsteher, der sich als m\u00e4chtige Gottheit ausgibt, verwehrt den Durchgang, nicht ohne gleichzeitig zu offenbaren, dass sich nach jeder T\u00fcr nur noch ein weiterer Saal mit einer weiteren T\u00fcr und einem weiteren T\u00fcrsteher bef\u00e4nde (Abb. 10). Das bleierne Warten, das der Pf\u00f6rtner einfordert, dauert letztlich genauso lang wie sich die restliche Lebenszeit des um Einlass Bittenden bemisst: eine f\u00fcr ihn auf ewig verl\u00e4ngerte Schwellensituation ohne jede M\u00f6glichkeit des Transits.<a id=\"_ednref14\" href=\"#_edn14\"><sup>14<\/sup><\/a> Kurz vor dessen Tod er\u00f6ffnet der Pf\u00f6rtner schlie\u00dflich, dass er nun das Tor, das allein f\u00fcr den Wartenden geschaffen wurde, f\u00fcr immer verschlie\u00dfen werde. So surreal die Parabel erscheint, so real ist die darin angelegte \u201eFarce\u201c, die sich in der kafkaesken \u201eJagd nach Legitimationspapieren\u201c, die durch die Historie belegt und durch das Buch von Seghers einmal mehr dokumentiert wurde, wiederfindet:<\/p>\n<p>\u201eEr hatte schon einmal einen Kontrakt besessen, auf den Kontrakt ein Visum, auf das Visum das Transit. Die Gew\u00e4hrung des Visa de sortie habe aber so lange gedauert, da\u00df ihm inzwischen das Transit erloschen sei, darauf das Visum, darauf der Kontrakt. Letzte Woche habe man ihm das Visa de sortie gew\u00e4hrt, er warte jetzt Tag und Nacht auf die Verl\u00e4ngerung des Kontraktes die ja dann ihrerseits die Verl\u00e4ngerung seines Visums bedinge. Die aber sei die Vorbedingung f\u00fcr die Gew\u00e4hrung des neuen Transits.\u201c<a id=\"_ednref15\" href=\"#_edn15\"><sup>15<\/sup><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_3463\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3463\" class=\"size-large wp-image-3463\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.10_Welles_Le-proces-1024x609.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"381\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.10_Welles_Le-proces-1024x609.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.10_Welles_Le-proces-300x179.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.10_Welles_Le-proces-768x457.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.10_Welles_Le-proces.jpg 1502w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3463\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 10: Der Schattenwurf von Josef K. \u00fcber den Projektionen nach Kafkas Torh\u00fcterparabel, <em>Le Proc\u00e8s<\/em>, 1962<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, Studio Canal 2012<\/span><\/p><\/div>\n<p>Auch in Petzolds <i>Transit<\/i> muss gewartet werden. Vor den \u00c4mtern, in Wartezimmern und Treppenaufg\u00e4ngen bilden sich lange Menschenschlangen (Abb. 11). Als Georg im Konsulat endlich an den ungeduldigen Mitarbeiter im Vorzimmer gelangt, wird ihm mitgeteilt, dass erst gepr\u00fcft werden m\u00fcsse, ob er in das Zimmer des Konsuls weitergeleitet werden k\u00f6nne. Allein der Rang und die Bekanntheit des Schriftstellers, dessen Namen er sich angeeignet hat, er\u00f6ffnen ihm schlie\u00dflich einen privilegierten Zugang. Wie vielen Menschen das endlose Warten auf die richtigen Dokumente tats\u00e4chlich das Leben gekostet hat, l\u00e4sst sich anhand der Vielzahl geschriebener oder aber ungeschrieben gebliebener Biografien nur erahnen. Auch in Petzolds Film werden Menschen von der zeitverzehrenden Warterei aufgerieben oder in Verzweiflung und Tod getrieben: Neben dem eigentlichen Schriftsteller und einem Komponisten (Justus von Dohn\u00e1ni), der an Herzversagen stirbt, wird dort die Figur einer Architektin (Barbara Auer) entwickelt, die sich ausgerechnet vor der neuzeitlichen Kulisse des \u201eMuseums der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers\u201c (MUCEM) in den Abgrund st\u00fcrzt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3464\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3464\" class=\"size-large wp-image-3464\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.11_Petzold_Transit_28.11-1024x429.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.11_Petzold_Transit_28.11-1024x429.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.11_Petzold_Transit_28.11-300x126.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.11_Petzold_Transit_28.11-768x322.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Abb.11_Petzold_Transit_28.11.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3464\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 11: Die Gegenwart des Historischen im mexikanischen Konsulat, Christian Petzold, <em>Transit<\/em>, 2018<br \/><span style=\"font-size: 0.7em;\">Quelle: DVD, good!movies 2018<\/span><\/p><\/div>\n<p>Aussichtslos erscheint auch jene Schwelle, an der sich Georg und Marie un\u00fcberwindbar gegen\u00fcberstehen. Die Hoffnung, ihren Mann doch noch wiederzufinden, hindert sie daran, die (vermeintlich) rettende Flucht \u00fcber das Meer anzutreten. Gleichzeitig muss Georg an der Identit\u00e4t des Schriftstellers festhalten, um seinerseits seine Flucht und damit sein Weiterleben zu erm\u00f6glichen. Da Georg seine vorige Identit\u00e4t aufgegeben hat, muss Weidel am Leben bleiben, der so lange zwischen Georg und Marie stehen wird, wie diese mit ihrer Vergangenheit nicht abschlie\u00dfen kann. Deshalb wird Georg auf Schritt und Tritt von dem Phantom des Schriftstellers verfolgt, der sich so wenig absch\u00fctteln l\u00e4sst wie sich ein Schatten vertreiben lie\u00dfe. Denn \u00fcberall dort, wo Georg seinen Namen nennt und die Papiere vorzeigt, wird Marie kurz darauf die Anwesenheit ihres Mannes best\u00e4tigt bekommen. Die Tragik der Erz\u00e4hlung besteht darin, dass sich die Indizien und Spuren, den Schriftsteller wiederzusehen, umso mehr verdichten je n\u00e4her sich Georg und Marie kommen. Gibt Georg seine Verstellung preis, w\u00fcrde er sich auf Zeiten hinweg von Marie entfernen, der er sich doch gerade anzun\u00e4hern versucht. \u201eWer vergisst schneller? Der Verlassene oder die, die ihn verlassen hat?\u201c, fragt ihn der Konsul (Alex Brendem\u00fchl) im mexikanischen Konsulat, der ein zeitversetztes Gespr\u00e4ch zwischen Georg und Marie zu moderieren scheint. Erinnerungen und Lieder h\u00e4tten nur die Verlassenen, wird Marie andernorts erz\u00e4hlen. Ihnen bleibe wenigstens das starke Gef\u00fchl der Melancholie, an dem sie sich festhalten k\u00f6nnen und das eben dadurch ihre Identit\u00e4t festige. Genau danach sehnt sich die rastlos Suchende, die den Schriftsteller verlassen hatte, um kurz danach wieder alles ungeschehen machen zu wollen. Doch ihr Brief hat den Schriftsteller nicht mehr rechtzeitig erreicht. Jetzt erscheint ihr allein die Erinnerung noch stark genug, um einen Halt zu vermitteln, den die Gegenwart nicht mehr bietet. Als Georg \u2013 der sich seiner Fluchtabsicht von Anfang an sicher war \u2013 das erkennt, bleibt ihm nur noch der Ausstieg. Das Taxi, das beide zum Hafen bringen soll, verl\u00e4sst er unter einem Vorwand, der obwohl beil\u00e4ufig daher gesagt dennoch etwas Wahres enth\u00e4lt: \u201eIch habe etwas vergessen \u2026 ich komme gleich nach.\u201c Vergessen und zur\u00fcckgelassen hat er seine fr\u00fchere Identit\u00e4t, gewonnen hat er aber eine Existenz, die das Janusgesicht der Verstellung und L\u00fcge nicht l\u00e4nger akzeptieren m\u00f6chte. Durch die Umst\u00e4nde in eine falsche Identit\u00e4t gedr\u00e4ngt, findet er zuletzt doch zur richtigen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Noch ein anderer Gedanke entspinnt sich aus dem Gespr\u00e4ch mit dem amerikanischen Konsul (Trystan P\u00fctter). Georg wird befragt, ob er nach der Flucht \u00fcber seine Erlebnisse schreiben w\u00fcrde und ob nicht gerade darin seine Rolle als Schriftsteller begr\u00fcndet sei. In Erkl\u00e4rungsnot greift Georg auf seinen eigenen Erfahrungshorizont zur\u00fcck, der so stimmig erscheint, dass er auch von dem Schriftsteller selbst stammen k\u00f6nnte. In der Schule habe er immerfort Erlebnisse, die er in den Ferien und an den Feiertagen gesammelt hatte, zu Schulaufs\u00e4tzen verarbeiten m\u00fcssen, so als ob die Ferien blo\u00df ein Vorwand w\u00e4ren, um Schreibanl\u00e4sse zu generieren. Christian Petzold hat, wie es der aktuelle Umgang mit historischen Stoffen innerhalb der deutschen Filmlandschaft durchaus h\u00e4tte nahelegen k\u00f6nnen, weder einen Schulaufsatz noch einen Lehrfilm hergestellt. Eine Lehre im Sinne einer in die Gegenwart weisenden Parabel ist dennoch in ihm enthalten.<\/p>\n<p>\u201eIm Gewand der historischen Begebenheit\u201c, schrieb Farocki, berge der Roman von Seghers das Material f\u00fcr eine Parabel. Eine interessante Formulierung, die das Historische nicht durch Kost\u00fcm, Verkleidung und Verstellung definiert, sondern durch \u201eBegebenheiten\u201c, die bis in die Gegenwart vordringen k\u00f6nnen. Den identit\u00e4tszersetzenden Transitzonen, den \u00c4mtern, Lagern und Grenzstreifen sowie dem dumpfen Gef\u00fchl der Bedrohung werden in <i>Transit<\/i> alternative Erz\u00e4hlungen zur Seite gestellt, die der Anonymit\u00e4t der Verallgemeinerungen widersprechen, wie sie in der erregten Berichterstattung gegen\u00fcber aktuellen \u201eBegebenheiten\u201c vielmals kolportiert werden.<\/p>\n<div style=\"font-size: 0.8em;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><a id=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\"><sup>1<\/sup><\/a> Anna Seghers, Transit, Berlin 2017, S. 45.<\/p>\n<p><a id=\"_edn2\" href=\"#_ednref2\"><sup>2<\/sup><\/a> Seghers 2017, S. 47f.<\/p>\n<p><a id=\"_edn3\" href=\"#_ednref3\"><sup>3<\/sup><\/a> Der Film feierte am 5. April 2018 seine Deutschlandpremiere. Am selben Tag hat Volker Pantenburg das Dokument mit der Notiz Farockis online gestellt, siehe: Volker Pantenburg, Harun Farocki \u00fcber TRANSIT (1966), in: new filmkritik, 5. April 2018, URL: http:\/\/newfilmkritik.de\/archiv\/2018-04\/harun-farocki-ueber-transit-1966\/ [8. April 2018]. Dieser Aufsatz ist unmittelbar daraufhin entstanden und wurde f\u00fcr die vorliegende Ver\u00f6ffentlichung erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><a id=\"_edn4\" href=\"#_ednref4\"><sup>4<\/sup><\/a> Aus einem Brief von Jeanne und Kurt Stern geht hervor, dass Seghers den Roman offenbar noch w\u00e4hrend der Zeit ihrer \u00dcberfahrt nach Mexiko begonnen hatte: \u201eSeghers verlie\u00df mit ihrer Familie auf einem Frachtschiff Marseille im M\u00e4rz 1941 und erreichte im November 1941 Mexiko\u201c, schreibt Sonja Hilzinger im Nachwort der hier verwendeten Ausgabe (Seghers 2017, S. 278). Laut Hilzinger ist der Roman 1944 zun\u00e4chst auf Spanisch erschienen und lag erst 1948 in deutscher Fassung vor. Die Aussicht sowie konkrete Erfahrungen ihrer Flucht hat Seghers zudem in <i>Reise ins Elfte Reich<\/i> (1939) sowie in der Erz\u00e4hlung <i>Das Obdach<\/i> (1941) verarbeitet.<\/p>\n<p><a id=\"_edn5\" href=\"#_ednref5\"><sup>5<\/sup><\/a> Zehn Jahre sp\u00e4ter unternahm die Filmregisseurin Ingemo Engstr\u00f6m, mit der Farocki zuvor f\u00fcr einige Filmprojekte zusammengearbeitet hatte, zusammen mit ihrem Mann Gerhard Theuring entlang des Fluchtwegs von Paris bis Marseille mehrere Recherchereisen. Unter Einbezug des Romans von Seghers, dem <i>Arbeitsjournal<\/i> von Bertolt Brecht, Texten und Briefen von Walter Benjamin sowie einem Gespr\u00e4ch mit Alfred Kantorowicz entstand dann 1977 der von Engstr\u00f6m und Theuring gemeinsam fertiggestellte Recherchefilm <i>Fluchtweg nach Marseille. Bilder aus einem Arbeitsjournal<\/i>. Siehe dazu die nachgereichte \u201eChronologie einer Filmreise\u201c in der Ausgabe der Filmkritik, 22. Jg., 1978, H. 2, S. 66 \u2013 97.<\/p>\n<p><a id=\"_edn6\" href=\"#_ednref6\"><sup>6<\/sup><\/a> Dass Farocki diesem Narrativ auch aus anderer Perspektive nachhing, zeigt eine sp\u00e4tere Formulierung, die im Hinblick eines filmhistorischen Streiflichts auf das Motiv der vertauschten Frau, getroffen wurde: \u201eUnd dann mu\u00df die falsche Frau etwas von dem Leben der richtigen fortf\u00fchren. Aus der Schein-Identit\u00e4t wird gef\u00fchlte Wirklichkeit. [\u2026] Da\u00df ein Mensch in den Umri\u00df des anderen tritt und damit etwas von dem Leben des anderen leben mu\u00df: das ist als Idee zu gut, um leicht eine gute Geschichte zu werden.\u201c Harun Farocki, Vertauschte Frauen, in: Filmkritik, 24. Jg., 1980, H. 6, S. 274 \u2013 297, hier S. 275, 277.<\/p>\n<p><a id=\"_edn7\" href=\"#_ednref7\"><sup>7<\/sup><\/a> Cornelia Gei\u00dfler, \u201eHeimat fordern die, die andere nicht reinlassen\u201c, Interview mit Christian Petzold, Berliner Zeitung, 2. April 2018, URL: https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur\/film\/interview-mit-christian-petzold&#8211;heimat-fordern-die&#8211;die-andere-nicht-reinlassen&#8211;29942202 [17. April 2018].<\/p>\n<p><a id=\"_edn8\" href=\"#_ednref8\"><sup>8<\/sup><\/a> Gei\u00dfler \/ Petzold 2018.<\/p>\n<p><a id=\"_edn9\" href=\"#_ednref9\"><sup>9<\/sup><\/a> Das entgegengesetzte Motiv findet sich in <i>Phoenix<\/i>, wo die \u00c4hnlichkeit der R\u00fcckkehrerin mit der totgeglaubten Nelly (Nina Hoss) zwar un\u00fcbersehbar ist, ihre Identit\u00e4t jedoch, selbst von Johnny (Ronald Zehrfeld), ihrem einstigen Mann, nicht (an-)erkannt wird. Wie bei <i>Transit<\/i> geht auch die Idee f\u00fcr <i>Phoenix<\/i> auf einen Vorschlag seitens Farocki zur\u00fcck. Dabei handelt es sich um den Roman <i>Der Asche entstiegen <\/i>(1961, frz. <i>Le retour des cendres<\/i>) von Hubert Monteilhet. Wertvolle Hinweise zu den Filmen Petzolds finden sich in einem j\u00fcngst erschienenen Sammelband, in dem <i>Transit<\/i> jedoch nicht mehr ber\u00fccksichtigt werden konnte. F\u00fcr den Nachweis der Romanvorlage in <i>Phoenix<\/i> siehe ebenda: Jaimey Fisher, Petzolds <i>Phoenix<\/i>, Fassbinders <i>Maria Braun<\/i> und die filmische Arch\u00e4ologie der Nachkriegszeit, in: Ilka Brombach\/Tina Kaiser (Hg.), \u00dcber Christian Petzold, Berlin 2018, S. 191 \u2013 212, hier S. 199.<\/p>\n<p><a id=\"_edn10\" href=\"#_ednref10\"><sup>10<\/sup><\/a> Glasers 1951 verfasstes und erst 1989 auf Deutsch erschienenes Werk in zwei B\u00e4nden Geheimnis und Gewalt (frz. <i>Secret et violence. Chronique des ann\u00e9es rouge et brun (1920 \u2013 1945)<\/i>) nennt Petzold dann auch als eine weitere wesentliche Quelle f\u00fcr die Erarbeitung des Drehbuchs. Farocki hat 1988 mit seinem Film Georg K. Glaser \u2013 Schriftsteller und Schmied ein eindrucksvolles Portr\u00e4t Glasers vorgelegt (Erstausstrahlung am 20. September 1988, SWF 3).<\/p>\n<p><a id=\"_edn11\" href=\"#_ednref11\"><sup>11<\/sup><\/a> Gei\u00dfler \/ Petzold 2018.<\/p>\n<p><a id=\"_edn12\" href=\"#_ednref12\"><sup>12<\/sup><\/a> Zu Lebzeiten Kafkas wurde die Erz\u00e4hlung dann in die Textsammlung <i>Ein Landarzt<\/i> (1920) aufgenommen. Franz Kafka, Vor dem Gesetz, in: Wolf Kittler, Hans-Gerd Koch und Gerhard Neumann (Hg.), Ein Landarzt, Frankfurt am Main 2002, S. 267 \u2013 269.<\/p>\n<p><a id=\"_edn13\" href=\"#_ednref13\"><sup>13<\/sup><\/a> Die im Pin-Screen-Verfahren hergestellte Prologsequenz haben der franz\u00f6sische Zeichentrickpionier Alexandre Alexeieff und Claire Parker hergestellt. F\u00fcr die sp\u00e4tere Fassung des Films wurde die Prologsequenz jedoch weggelassen. Geblieben ist die Sequenz zum Ende des Films in der Josef K. (Anthony Perkins) in einem Diavortrag mit den Bildern von Alexeieff und Parker konfrontiert wird, w\u00e4hrend ihm der Advokat (Orson Welles) die Geschichte erz\u00e4hlt. F\u00fcr Hinweise danke ich Jens Meinrenken.<\/p>\n<p><a id=\"_edn14\" href=\"#_ednref14\"><sup>14<\/sup><\/a> Insbesondere unter dem Aspekt des ewig verl\u00e4ngerten Aufschubs hat sich auch Derrida mit dem Text Kafkas besch\u00e4ftigt. Die Nicht-Ankunft, das hei\u00dft die Nicht-Begegnung von Gesetz und Individuum, ist dort zugleich der Anfang der Literatur wie das Ende des Gesetzes. Siehe Jacques Derrida, Pr\u00e9juges. Vor dem Gesetz, Wien 1992.<\/p>\n<p><a id=\"_edn15\" href=\"#_ednref15\"><sup>15<\/sup><\/a> Seghers 2017, S. 45. \u00dcber Seghers\u2019 <i>Reise ins Elfte Reich<\/i>, schreibt Hilzinger im Nachwort von <i>Transit<\/i>: \u201eDie Sammlung von neun kurzen Prosast\u00fccken [\u2026] gestaltet Alltagserfahrungen von Emigranten auf humoristisch-skurrile Art, verfremdet im Grundmotiv der verkehrten Welt. So ist die wichtigste Voraussetzung f\u00fcr die Einreise in das phantastische Exilland, <i>keine<\/i> Papiere, P\u00e4sse und Visa zu besitzen [\u2026].\u201c Ebd., S. 279.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEin Transit &#8211; das ist die Erlaubnis, ein Land zu durchfahren, wenn es feststeht, da\u00df man nicht bleiben will.\u201c1 \u201e\u00bbIch sage Ihnen zum dritten Mal: Man l\u00e4\u00dft Sie hier nur eine Zeitlang in Ruhe bleiben, wenn Sie nachweisen, da\u00df Sie &hellip; <a href=\"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=3392\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":71,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[167,13],"tags":[170,181,180,168,174,182,178,173,171,169,176,163,179,177,172,175],"class_list":["post-3392","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ausgabe-15","category-buchrezensionen","tag-anna-seghers","tag-boundaries","tag-bureaucracy","tag-christian-petzold","tag-emigration","tag-farce","tag-film","tag-flight","tag-franz-kafka","tag-harun-farocki","tag-identity","tag-law","tag-literature","tag-narratives","tag-orson-welles","tag-refugee"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3392","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/71"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3392"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3392\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3468,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3392\/revisions\/3468"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3392"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3392"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3392"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}