{"id":3007,"date":"2017-10-24T20:30:08","date_gmt":"2017-10-24T18:30:08","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=3007"},"modified":"2017-11-23T12:30:24","modified_gmt":"2017-11-23T10:30:24","slug":"im-uberfluss-die-orientierung-finden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=3007","title":{"rendered":"Im \u00dcberfluss die Orientierung finden"},"content":{"rendered":"<p>Zur Er\u00f6ffnung der ersten Einzelausstellung von Laura Hinrichsmeyer (*1986, Sindelfingen) mit dem Titel <i>Kennen Sie diese Frau<\/i> [sic] im Wiener Artist Run Space <i>G\u00e4rtnergasse <\/i>grillten die K\u00fcnstlerin und ihr Kollege Philipp Gr\u00fcnewald H\u00fchnerherzen in einem schmalen, hochformatigen Metallofen im Garten.<sup><a href=\"#edn1\">1<\/a><\/sup> Anschlie\u00dfend verteilten sie diese auf Spie\u00dfchen ans Publikum. Der vordere Bereich der <i>G\u00e4rtnergasse<\/i> blieb dadurch reine Ausstellungsfl\u00e4che, w\u00e4hrend der dahinterliegende Garten eine Sogwirkung f\u00fcr das soziale \u201eGathering\u201c erzeugte und so die r\u00e4umliche Trennung von \u201eOpening\u201d und \u201eAusstellung\u201d deutlich machte. Darin \u00e4u\u00dfert sich bereits das Ausstellungssetting, denn Artist Run Spaces bieten im Vergleich zu institutionellen Rahmen eine freiere M\u00f6glichkeit des Experimentierens an: nicht nur f\u00fcr das vorsichtige Zeigen der eigenen k\u00fcnstlerischen Produktion, sondern auch f\u00fcr die weitere Einordnung der k\u00fcnstlerischen Pers\u00f6nlichkeit in soziale Netzwerke und historische Kontexte. Gewisserma\u00dfen ist nicht nur wichtig, <i>dass<\/i> man in einem Raum gezeigt wird, sondern auch in welchem, welches Publikum erscheint und wer dar\u00fcber redet. Diese karrieref\u00f6rdernde Zuordnung in ein k\u00fcnstlerisches Umfeld geschieht vielfach weniger zuf\u00e4llig als gezielt strategisch.<\/p>\n<div id=\"attachment_3032\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=3032\" rel=\"attachment wp-att-3032\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3032\" class=\"size-full wp-image-3032\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-1_Laura-Hinrichsmeyer.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"220\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-1_Laura-Hinrichsmeyer.jpg 320w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-1_Laura-Hinrichsmeyer-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3032\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Laura Hinrichsmeyer, Kennen Sie diese Frau, Mindmap, Text und Bild in Kollaboration mit Stine Olgod, G\u00e4rtnergasse, Wien 2017. Foto: Philipp Friedrich.<\/p><\/div>\n<p>Kehrt man zum Hauptraum der <i>G\u00e4rtnergasse<\/i> zur\u00fcck, findet man einen Stapel illustrierter \u201eMind Maps\u201d statt klassischer Pressetexte vor (Abb. 1). Sie bieten den Einstieg zur Ausstellung, die die Verdoppelung und \u00dcberschneidung der faktischen und medialisierten Realit\u00e4t zum Thema hat. Die \u201eMap\u201d im A3-Format referenziert auf die sichtbarsten Elemente der ausgestellten Leinw\u00e4nde: Wie auf einem Brettspiel versuchen sich anonymisierte Figuren zwischen Pop-Zitaten, Sprechblasen mit S\u00e4tzen wie \u201eIllusions are her Game\u201d oder \u201eMillenials Plaque\u201d und klassischen feministischen Avantgarde-K\u00fcnstlerinnen<b> <\/b>wie Eva Hesse oder Lee Lozano zurecht zu finden. Diese entwurfsartigen Orientierungshilfen \u00e4hneln dabei auff\u00e4llig den alten Zines der K\u00fcnstlerin Jutta Koether aus den 1980er Jahren.<sup><a href=\"#edn2\">2<\/a><\/sup> Die Maps legen die pers\u00f6nliche Ausrichtung Hinrichmeyers und ihr feministisches Selbstverst\u00e4ndnis von vornherein fest, um die Ausstellung wie eine Hintergrundfolie zu begleiten: sowohl auf formal\u00e4sthetischer und stilistischer Ebene als auch durch die Ann\u00e4herung der eigenen Position an die Geschichte bekannter, weiblicher \u201eRollenbilder\u201c.<\/p>\n<p>Die f\u00fcnf Gem\u00e4lde an den W\u00e4nden sind in ihrem Format \u00e4hnlich gro\u00df und hoch wie der Ofen im Garten und geben eine F\u00fclle an Symbolen, Zitaten und Portraits wieder (Abb. 2). Diese sind eingeteilt in einzelne Bildfelder, die mit einer versierten Pinself\u00fchrung gemalt und untereinander verbunden wurden. Dabei folgt die Technik des Farbauftrags mehr der Linie als der groben farbigen Fl\u00e4che. Die Farbpalette reicht \u00fcberwiegend von schlammigen gelben, gr\u00fcnen, roten und braunen T\u00f6nen hin zu schwarz, wodurch die Bilder eine d\u00fcstere, tragische Atmosph\u00e4re entwickeln (Abb. 3). Ein flackender und unruhiger Effekt wird durch die Beimengung von unterschiedlichen eisblauen, pinken und orangen Farbnuancen erzeugt. Ohne jeglichen malerischen Gestus \u2013 wie etwa ein affektreiches, dickaufgetragenes Klatschen von Farbe auf Leinwand \u2013 zu exponieren, zielen die Bilder also geschickt darauf ab, in einer \u00fcbertrieben \u201ephantasievollen\u201c Art Bild\u00fcberlagerungen zu transportieren: etwa wenn die Darstellungen ihrer Freundinnen in den Bildern Anleihen an Sci-Fi Stereotypen nehmen. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die gemalten Schlangen und Augen, die aus den Bildern heraus der Betrachterin entgegenblicken und dadurch den narzisstischen Impetus einer jeden Solo-Show und des paradigmatischen Selfies der zeitgen\u00f6ssischen Bildkultur demonstrieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_3033\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=3033\" rel=\"attachment wp-att-3033\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3033\" class=\"wp-image-3033 size-full\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-2_Laura-Hinrichsmeyer.jpg\" alt=\"\" width=\"990\" height=\"660\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-2_Laura-Hinrichsmeyer.jpg 990w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-2_Laura-Hinrichsmeyer-300x200.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-2_Laura-Hinrichsmeyer-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3033\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Laura Hinrichsmeyer, Kennen Sie diese Frau, Ausstellungsansicht, G\u00e4rtnergasse, Wien 2017. Foto: Philipp Friedrich.<\/p><\/div>\n<p>In einer weiteren Kontextualisierung wird neben dem eigenen Netzwerk auch der Artist Run Space selbst angesprochen. Weil die <i>G\u00e4rtnergasse<\/i> im Zeitraum der Ausstellungskonzeption umgezogen ist, dienen die T\u00fcren des alten und neuen Raumes der <i>G\u00e4rtnergasse<\/i> den einzelnen Bildfeldern als motivischer Malgrund. Durch das mimetische Abmalen realer R\u00e4ume transferieren die Bilder den alten Raum ins Hier und Jetzt des neuen<i>.<\/i> Symbolisch entsteht durch diesen angedeuteten Trompe-l\u2019\u0152il-Effekt ein fiktiver Zugang zu Orten und Zeitpunkten, der \u201eEintritt\u201c in eine erweiterte Realit\u00e4t verschafft. Diese Erweiterung dehnt sich in den virtuellen Raum aus und wird anhand von Play-, Pause-, Forward-Buttons und anderen bekannten Icons sowie dem Kopf von Donald Trump als Symbol des \u201ePost-Faktischen\u201c und der \u201eAlternative Facts\u201c verst\u00e4rkt. Zus\u00e4tzlich wird den Bildern die eigene Online-Erscheinung vorweggenommen, indem sie einen Hinweis zur Pers\u00f6nlichkeitsdarstellung im Netz legen. Denn in ihren schmalen Formaten und gereihten Bildfeldern erinnern sie an endlose Instagram- und Newsfeeds, die in ihrer rhizomatischen, verlinkenden Anordnung, Informationen und Verbindungen durch wiederkehrende Motive darstellen. Daraus ergibt sich eine Malerei, die versucht, unterschiedlichste Formen zirkulierender Bilder und deren \u00dcberlagerung von Zeitebenen, R\u00e4umen und dem Eigenen zu vereinen. Genau in diesem Netzwerk findet die Rezeption der k\u00fcnstlerischen Person und ihrer k\u00fcnstlerischen Produktion statt, die von der K\u00fcnstlerin in den Bildern aufgegriffen dann zu deren Strategie wird. Der Verweis zum st\u00e4ndigen Begleitgedanken der Onlinerezeption wird somit zur imagin\u00e4ren Selbstbeschreibung, in welcher der Blick von au\u00dfen zum bestimmenden Moment der eigenen Darstellung wird.<\/p>\n<div id=\"attachment_3034\" style=\"width: 330px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=3034\" rel=\"attachment wp-att-3034\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3034\" class=\"size-full wp-image-3034\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-3_Laura-Hinrichsmeyer.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-3_Laura-Hinrichsmeyer.jpg 320w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-3_Laura-Hinrichsmeyer-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3034\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Laura Hinrichsmeyer, Kennen Sie diese Frau, Ausstellungsansicht, G\u00e4rtnergasse, Wien 2017. Foto: Philipp Friedrich.<\/p><\/div>\n<p>Der Wendepunkt der Ausstellung manifestiert sich jedoch drau\u00dfen, an der gef\u00fchlten \u201ePeripherie\u201d des Ortes, n\u00e4mlich bei der Einfahrt zum Parkplatz der <i>G\u00e4rtnergasse<\/i>. Hier befindet sich ein Gatter mit Sperrm\u00fcll und \u2013 ganz unscheinbar \u2013 ein riesiger Stuhl aus Pappmach\u00e9, der in der Ecke lehnt (Abb. 4). Er geh\u00f6rt zur M\u00f6belgruppe zweier fragiler, grauer Tischchen mit bronzenen Schlangen am Boden, die sich im Ausstellungsraum befindet. Auf den ersten Blick scheint dieser Stuhl, der beinahe \u00fcbersehen wird, als einsamer Thron (abseits des Ausstellungsgeschehens) achtlos in die Ecke gestellt worden zu sein \u2013 noch dazu an einem Ort, der von den Besucherinnen nicht wirklich begangen wird. Es ist eine alberne aber umso \u201eaufgeblasenere\u201c Geste, die unvermeidlich an eine K\u00f6lner Tradition von Martin Kippenberger erinnert, in der die Arbeit einen absurden, langsam entfaltenden Witz formuliert, der keine eigentliche Pointe besitzt.<sup><a href=\"#edn3\">3<\/a><\/sup> Oder warum sollte ein riesiger, unpraktischer Stuhl an diesem <i>Unort<\/i> platziert werden, der dadurch erst tragisch-melancholisch und komisch wird und in seiner Au\u00dfenseiterposition innerhalb der Ausstellung umso \u201eliebenswerter\u201c erscheint?<\/p>\n<div id=\"attachment_3035\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=3035\" rel=\"attachment wp-att-3035\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3035\" class=\"wp-image-3035\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-4_Laura-Hinrichsmeyer.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"375\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-4_Laura-Hinrichsmeyer.jpg 990w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-4_Laura-Hinrichsmeyer-200x300.jpg 200w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-4_Laura-Hinrichsmeyer-768x1152.jpg 768w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-4_Laura-Hinrichsmeyer-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3035\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Laura Hinrichsmeyer, Kennen Sie diese Frau, Ausstellungsansicht Au\u00dfenbereich, G\u00e4rtnergasse, Wien 2017. Foto: Philipp Friedrich.<\/p><\/div>\n<p>Geht man in den Garten zur\u00fcck, findet man zwei gr\u00fcn-glasierte, spitzf\u00f6rmige Tonreliefs, die \u2013 vom Boden aus nach oben \u2013 auf alten niedrigen Stellw\u00e4nden befestigt wurden. Sie zeigen figurative Formen von Gras und gezeichneten Frauenk\u00f6pfen (Abb. 5). In diesen \u201eWiesenforts\u00e4tzen\u201c kriecht der Grasboden wieder in das Format des Bildes hinein, um gleichzeitig den belasteten Umweg \u00fcber das skulpturale Relief zu machen. Damit wird nicht nur das ambivalente Verh\u00e4ltnis von Malerei und Skulptur angesprochen, sondern auch eine rein medienspezifische Ausstellung zu einer transgressiven Malerei hin ge\u00f6ffnet.<sup><a href=\"#edn4\">4<\/a><\/sup> Umso mehr spiegelt sich in Bildern und Skulpturen der Aufgriff einer revidierten Malereidebatte wider, die trotz angereicherter Formate wie Performance, Installation und Musik immer Malerei bleiben will, die ihren Rahmen dehnt, diesen aber nicht verl\u00e4sst.<\/p>\n<p>In letzter Konsequenz wurde die Toilette der Ausstellung mit einer kleinen Collage \u00fcber dem Sp\u00fclkasten bespielt, die Bildausschnitte verschiedener neuzeitlicher Malereien und die anonymisierte Spielfigur aus der Mindmap zeigt. Wie das Ziel auf einem Spielbrett findet hier der Ausstellungsrundgang sein Ende. Dieser f\u00fchrte vom zentralen und konkreten Ausstellungsraum hinaus in jeden r\u00e4umlichen Winkel, steckte dabei Malerei und Material ab, um im Finale mit einer frechen aber vielleicht \u00fcberfl\u00fcssigen Erkl\u00e4rung am intimsten Ort eines Ausstellungsbesuches aufzuwarten. Umso ausgereizter wird diese Erfahrung als da auf einem USB-Stick zur Ausstellung noch ein 5:12-min\u00fctiges Musikst\u00fcck mit dem Titel <i>Profiling<\/i> hinzukommt<i>. <\/i>Der Dialog, der zwischen zwei Personen mehr oder weniger hin und her l\u00e4uft, wurde von Hinrichsmeyer eingesprochen und l\u00e4sst die Frage des anderen jeweils unbeantwortet. Allgemeinpl\u00e4tze wie \u201eWhy people feel so less?\u201d, \u201eDo you read a book, everyday?\u201d oder \u201eCan you give me a feedback?\u201d verlaufen ins Leere und klingen mit Elektro-Sounds und Sci-Fi Kl\u00e4ngen aus. Es ist ein Br\u00fcckenschlag zum Anfang der Ausstellung der zugleich konkret nach der eigenen Position und dem \u201eProfiling\u201c in einem sozialen Netzwerk fragt ohne je beantwortet zu werden \u2013 und trotzdem ganz existentiell f\u00fcr den Beginn einer k\u00fcnstlerischen Karriere ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_3036\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=3036\" rel=\"attachment wp-att-3036\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3036\" class=\"size-large wp-image-3036\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Abbildung-5_Laura-Hinrichsmeyer-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3036\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 5: Laura Hinrichsmeyer, Kennen Sie diese Frau, Ausstellungsansicht Au\u00dfenbereich, G\u00e4rtnergasse, Wien 2017. Foto: Philipp Friedrich.<\/p><\/div>\n<p>Schlussendlich bleibt das Gef\u00fchl einer \u00dcbers\u00e4ttigung \u00fcbrig, das thematisch auch in den Bildern wiederkehrt und sich in allen Ebenen der auditiven, haptischen, visuellen und geschmacklichen Wahrnehmung der Besucherin eingeschlichen hat. Auffallend bleibt mit welcher Aufdringlichkeit die Themenbearbeitung und Informiertheit, auch \u00fcber die zeitgen\u00f6ssische Debatte einer erweiterten Malerei oder der feministischen Positionierung als K\u00fcnstlerin, in der Ausstellungsanordnung auftritt: Zu viele Codes, zu viele Bilder, zu viele Symbole und eigentlich auch zu viele Kunstwerke. An jedem Ende des Ausstellungsraums befindet sich ein kleines Objekt, ein Hinweis auf der programmatischen Mindmap, die strategisch versucht, die Eindringlichkeit der komplexen \u00dcberfluss-Thematik zu verdeutlichen. Gleichzeitig kann aber der Vorwurf gebracht werden, dass es sich hierbei um eine Ausstellung handelt, die abbildet und bisweilen selbst affirmativ am \u00dcberflussprozess teilnimmt. Hinrichsmeyers d\u00fcster angehauchte Arbeiten dienen dann dem Abstecken der sozialen, digitalen und r\u00e4umlichen Grenzen, innerhalb derer es sich zu orientieren gilt \u2013 doch vermeiden sie es, eine Alternative f\u00fcr die augenscheinliche Verzweiflung anzubieten. Sie arbeiten mit dem, was an dystopischer und bedr\u00e4ngender \u00dcberflutung vorhanden ist, und zielen darauf ab, im undefinierbaren Simulacrum auf Grund zu sto\u00dfen, sich neu zu positionieren und den eigenen Weg darin zu finden. Die Ausstellung funktioniert daher als gesamtes Konzept und durch die St\u00e4rke der Malereien, in der die einzelnen strukturellen Elemente oder Objekte auf allen Ebenen immer aufeinander Bezug nehmen und dadurch eine Dichte und F\u00fclle an Information generieren. Sie geben im Spiel mit Symbolik und Referenzmittel die deutliche Auseinandersetzung einer zeitgen\u00f6ssischen Malerei- und Technologiedebatte wieder. Man kann aber auch vorsichtig fragen, ob die Best\u00e4tigung und Abbildung der aktuellen melancholischen und furchteinfl\u00f6\u00dfenden Realit\u00e4t allein zielf\u00fchrend ist, oder ob nicht vielmehr das Aufzeigen m\u00f6glicher Gegenentw\u00fcrfe produktiv auf die Realit\u00e4t r\u00fcckwirken kann.<\/p>\n<p><i>Laura Hinrichsmeyer: Kennen Sie diese Frau<\/i>, 4.\u201321.5.2017, G\u00e4rtnergasse<i>,<\/i> Wien<\/p>\n<div style=\"font-size: 0.8em;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><a id=\"edn1\"><\/a>1 Laura Hinrichsmeyer ist genau wie Philipp Gr\u00fcnewald Teil des 8-k\u00f6pfigen K\u00fcnstlerInnenkollektivs <i>XACTO Bar<\/i>,<i> <\/i>einer klar formulierten Koch- und Dinnerperformance.<\/p>\n<p><a id=\"edn2\"><\/a>2 Vgl. Jutta Koether, massen \u2013 malerei und versammlung, Vienna 1991.<\/p>\n<p><a id=\"edn3\"><\/a>3 Vgl. Gregory H. Williams, Permission to Laugh. Humor and Politics in Contemporary German Art, Chicago 2012, S. 125 und Stefanie Lieb, Tierisch Komisch. \u201eH\u00fchnerdisco\u201c, \u201eB\u00e4rensocke\u201c und \u201eFred the Frog\u201c, in: Roland Kanz (Hg.), Das Komische in der Kunst, K\u00f6ln 2007, S. 299-304. Ich denke hier assoziativ an Martin Kippenbergers \u201eBetrunkene Laterne\u201c (K\u00f6ln 1988), oder gar an seine U-Bahnsch\u00e4chte \u201eMetro-Net. Subway around the World\u201c (seit 1993), die er irgendwo in der Welt aufstellen lie\u00df.<\/p>\n<p><a id=\"edn4\"><\/a>4 Vgl. David Joselit, Painting besides itself, in: October, 130, 2009, S. 125-134.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Er\u00f6ffnung der ersten Einzelausstellung von Laura Hinrichsmeyer (*1986, Sindelfingen) mit dem Titel Kennen Sie diese Frau [sic] im Wiener Artist Run Space G\u00e4rtnergasse grillten die K\u00fcnstlerin und ihr Kollege Philipp Gr\u00fcnewald H\u00fchnerherzen in einem schmalen, hochformatigen Metallofen im Garten.1 &hellip; <a href=\"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=3007\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":79,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"footnotes":""},"categories":[136,11],"tags":[],"class_list":["post-3007","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ausgabe-13","category-ausstellungsbesprechungen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3007","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/79"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3007"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3131,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3007\/revisions\/3131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/allover-magazin.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}