{"id":2395,"date":"2016-04-26T19:33:02","date_gmt":"2016-04-26T17:33:02","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=2395"},"modified":"2016-04-28T15:04:08","modified_gmt":"2016-04-28T13:04:08","slug":"editorial-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=2395","title":{"rendered":"Editorial"},"content":{"rendered":"<p>Seit nunmehr f\u00fcnf Jahren bieten wir mit all-over eine Plattform f\u00fcr die theoretische Auseinandersetzung mit dem Feld von Kunst und \u00c4sthetik aus den verschiedensten Blickwinkeln an. Inzwischen sind wir mit Bildstrecken und Textbeitr\u00e4gen, die sich auf k\u00fcnstlerische Weise mit unserem spezifischen Medium der Online-Publikation auseinandersetzen, mitunter aus dem theoretischen Feld ausgebrochen. Umso mehr sehen wir es auch in der zehnten Ausgabe von all-over immer noch als unsere Aufgabe, \u201eein weites Versuchsfeld kunstwissenschaftlicher \u00dcberlegungen\u201d zu er\u00f6ffnen, \u201ein dem sich \u2013 \u00e4hnlich den Gem\u00e4lden Jackson Pollocks \u2013 verschiedene Gedankenlinien ber\u00fchren, kreuzen und auseinander laufen, um sich insgesamt zu einem breiten Gewebe zu verdichten.\u201d<a id=\"_ednref1\" href=\"#_edn1\">[1]<\/a> Die thematischen F\u00e4den der einzelnen Artikel b\u00fcndeln sich diesmal zu einer nuancierten Perspektive auf den politischen und theoretischen Unterbau der zeitgen\u00f6ssischen Kunst.<\/p>\n<p>Ulrike Gerhardt befasst sich in ihrem Beitrag <em>Localising socialist memory<\/em> mit einem ver\u00e4nderten Konzept von Erinnerung in der Welt digital gespeicherter Vergangenheit. Anhand zweier Werke von Anri Sala und Hito Steyerl, die die Transformation sozialistischer Staaten von ihrem pers\u00f6nlichen Standpunkt her zu ergr\u00fcnden versuchen \u2013 ohne sie erster Hand erlebt zu haben \u2013, zeigt sie M\u00f6glichkeiten einer aktiven, alternativen Aufarbeitung des Geschehenen auf.<\/p>\n<p>Markus Stickler diskutiert in seinem Essay <em>The Inflicted Voice<\/em> einen Knotenpunkt politischer und k\u00fcnstlerischer Fragen im brisanten Feld der Asylpolitik. Ausgangslage daf\u00fcr ist die Audiodokumentation <em>The Freedom of Speech Itself<\/em> von Lawrence Abu Hamdan, die die fragw\u00fcrdige Praxis der Stimmanalyse zur Herkunftsbestimmung von AsylwerberInnen thematisiert.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Tagung <em>Aesthetics of Standstill<\/em> in D\u00fcsseldorf f\u00fchrte Katharina Brandl f\u00fcr all-over ein Gespr\u00e4ch mit Peter Osborne, in dem der britische Philosoph die historiographischen Mechanismen der Kunstgeschichte, verschiedene Konzepte von Zeitlichkeit und die Virulenz des Begriffs \u201e(the) contemporary\u201c umrei\u00dft.<\/p>\n<p>David Misteli nimmt in seinem Beitrag den Besuch des von Pamela Rosenkranz bespielten Schweizer Pavillons auf der Venedig Biennale 2015 als Ausgangspunkt f\u00fcr eine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen philosophischen und k\u00fcnstlerischen Bestrebungen um die Aufl\u00f6sung des Subjekts. An die Stelle der Verabschiedung von Subjektivit\u00e4t tritt eine Topologie des synthetischen Subjekts, die sich in Rosenkranz\u2019 Arbeiten zeigt.<\/p>\n<p>Hannah Bruckm\u00fcller hat Katharina Hoins\u2019 pr\u00e4zise recherchierte Dissertation zur Zeitung als k\u00fcnstlerisches Material rezensiert, wobei der begrifflich-systematische Blick der Autorin die vielgestaltige Verwendungsgeschichte der Zeitung nicht immer passgenau erfasst.<\/p>\n<p>Die Fragilit\u00e4t der Oberfl\u00e4che, die unsere sinnorientierte, allt\u00e4gliche Wahrnehmung bildet, fungiert als Folie, vor der Angelika Seppi die Ausstellung<em> Secret Surface<\/em> der KW Berlin liest. Nur selten werden hier Einblicke in den Konstitutionsprozess der fraglichen, vor allem digital angezeigten Ph\u00e4nomene er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>An Stelle einer Bildstrecke steht dieses Mal eine virtuelle Jubil\u00e4umsausstellung, realisiert von Viktor Lundgaard, der seit l\u00e4ngerem mit 3D-Modellen arbeitet. Im Zuge dessen entstand auf Basis des Hauptraums der Wiener Secession ein virtueller Ausstellungsraum, der nun eine Gruppenausstellung beherbergt. Alle bisher mit einer Bildstrecke oder Intervention in\u00a0all-over\u00a0vertretenen K\u00fcnstlerInnen haben einen Beitrag dazu geliefert: Walter Derungs, Gregor Graf, Elisabeth Greinecker,\u00a0Clare Kenny,\u00a0Max Lei\u00df, Ulrich Nausner, Matt Taber und Thomas Tudoux. Am Pr\u00e4sentationsabend der zehnten Ausgabe von all-over in der Wiener Secession konnte die Ausstellung am Eingang zum realen Ausstellungsraum erstmals virtuell begangen werden. Sie ist bis zur Publikation der n\u00e4chsten Ausgabe online auf unserer Website ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Wir danken an dieser Stelle allen, die \u00fcber zehn Ausgaben hinweg zum Zustandekommen und Bestehen von all-over beigetragen haben und uns in vielerlei Hinsicht \u2013 schreibend, beratend, lesend \u2013 unterst\u00fctzt haben.<br \/>\nWir freuen uns auch in Zukunft auf spannendes Zusammenarbeiten und w\u00fcnschen viel Vergn\u00fcgen bei der Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>Hannah Bruckm\u00fcller | J\u00fcrgen Buchinger | Barbara Reisinger | Stefanie Reisinger<\/p>\n<div style=\"font-size: 0.8em;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><a id=\"_edn1\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Hannah Bruckm\u00fcller\/J\u00fcrgen Buchinger\/Dominique Laleg, Editorial, in: all-over, Nr. 1, Juli, 2011. URL:\u00a0<a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?page_id=210\">http:\/\/allover-magazin.com\/?page_id=210<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit nunmehr f\u00fcnf Jahren bieten wir mit all-over eine Plattform f\u00fcr die theoretische Auseinandersetzung mit dem Feld von Kunst und \u00c4sthetik aus den verschiedensten Blickwinkeln an. 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