{"id":2183,"date":"2015-10-26T16:02:57","date_gmt":"2015-10-26T14:02:57","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=2183"},"modified":"2015-12-10T12:01:55","modified_gmt":"2015-12-10T10:01:55","slug":"dan-grahams-homes-for-america-revisited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=2183","title":{"rendered":"Dan Graham\u2019s <i>Homes for America<\/i> re:visited"},"content":{"rendered":"<p><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Der Ursprung von Dan Grahams ber\u00fchmter Werkreihe<i> Homes for America<\/i> liegt in einer Zeitschriftenarbeit aus der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre. Der gleichnamige \u201aArtikel\u2018 wird im New Yorker <i>Arts Magazine<\/i> zum ersten Mal abgedruckt und erscheint in dem f\u00fcr kritische Auseinandersetzungen fruchtbaren Umfeld der amerikanischen Ostk\u00fcstenmetropole. <i>Homes for America<\/i> ber\u00fchrt damals gleicherma\u00dfen kunsttheoretische Diskurse, die vor allem in Nordamerika zu dieser Zeit virulent sind, sowie es soziale Strukturen kommentiert, indem es die Vorstadth\u00e4user in New Jersey zum Thema macht.<\/p>\n<p>Dan Graham beschreibt in seinem Essay eine aktuelle Entwicklung der Stadtplanung, wie sie im Nachkriegsamerika in vielen Gro\u00dfst\u00e4dten stattfindet und die symptomatisch f\u00fcr den Zeitgeist der \u00c4ra steht. In unmittelbarer Umgebung der St\u00e4dte werden die typischen \u201aSuburbs\u2018 errichtet. Ihre Anordnung und ihre Bauweise gehorchen den Prinzipien der Standardisierung und einer Begeisterung f\u00fcr \u201aInstant-Produkte\u2018. <i>Homes for America <\/i>als eine blo\u00dfe Berichterstattung \u00fcber ein zeitbedingtes soziologisches Ph\u00e4nomen zu interpretieren greift schon insofern zu kurz, als dass der K\u00fcnstler den Aufsatz bis ins Jahr 1978 insgesamt elf Mal in \u00fcberarbeiteter Form ver\u00f6ffentlicht.<a id=\"_ednref1\" title=\"\" href=\"#_edn1\">[1]<\/a> Die gestalterischen Variationen der Publikationen in Typografie, Bildauswahl, im Bild- und im Textverh\u00e4ltnis bzw. der Textverteilung sind bewusste Entscheidungen des K\u00fcnstlers oder aber werden durch die verschiedenen Kontexte, in denen sie verwirklicht werden, bedingt. Anhand einer Analyse des Textes, formal\u00e4sthetischer Beschreibungen und Interpretationen der Essay-Varianten sowie ihrer Einbettung in den Kontext des Kunstmagazins, des K\u00fcnstlerbuchs oder des Ausstellungskatalogs wird die \u00fcbergreifende Dimension von <i>Homes for America<\/i> sichtbar. Grahams Arbeit umspannt dabei nicht nur einen Zeitraum von zw\u00f6lf Jahren, sondern gewinnt mit jeder erneuten Ver\u00f6ffentlichung des Artikels auch an Bedeutung, indem die jeweils neue Variante Spuren der Vorg\u00e4nger enth\u00e4lt und diese fortlaufend um Referenzen erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Die Erstver\u00f6ffentlichung von <i>Homes for America<\/i>s f\u00e4llt in eine Phase, in der Text als Objekt und Medium an Stellenwert gewinnt und mit k\u00fcnstlerischem Arbeiten verwoben wird. Der Aufsatz ist eines der fr\u00fchesten Beispiele der konzeptuellen Kunst, noch bevor Grahams Freund und K\u00fcnstlerkollege Sol LeWitt 1969 mit den <i>Sentences on Conceptual Art<\/i> einen Definitionsansatz (ebenfalls in einem Magazin) publiziert.<a id=\"_ednref2\" title=\"\" href=\"#_edn2\">[2]<\/a> <i>Homes for America<\/i> fungiert zun\u00e4chst als eine Intervention gegen die Galerie als Pr\u00e4sentationsraum. Mit seinen Zeitschriftenarbeiten in den 1960ern entwirft Graham seine Kunstwerke als Text-Bild-Kompositionen, publiziert sie in Kunstmagazinen und weicht damit der Ausstellungssituation aus. Er stellt mittels der Massenverteilung den Status des Kunstobjekts in Frage, genauso wie die Autorit\u00e4t des K\u00fcnstlers. Indem Graham nicht \u00fcber etwas schreibt, das an einem Kunstort ausgestellt wird, sondern der Artikel selbst das \u201aObjekt\u2018 darstellt, umgeht er den g\u00e4ngigen Verlauf von der Kreation \u00fcber ihre Pr\u00e4sentation und Rezeption hin zur (abgedruckten) Kritik.<a id=\"_ednref3\" title=\"\" href=\"#_edn3\">[3]<\/a> So handelt es sich bei der ersten Publikation von <i>Homes for America<\/i> um eine Auseinandersetzung mit dem Status quo der Kunstkultur, die Widerspr\u00fcche zwischen hegemonialen Strukturen im Kunstkosmos offenlegt, wobei Pr\u00e4sentation und Verteilung, Betrachter und Autor problematisiert werden.<a id=\"_ednref4\" title=\"\" href=\"#_edn4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Dan Graham ver\u00f6ffentlicht <i>Homes For America<\/i> ab 1969 erneut in abge\u00e4nderter Form in Kunstmagazinen und limitierten Bucheditionen. Aus einer singul\u00e4ren Textarbeit wird ein tiefgreifendes Projekt, an dessen Effekt die Kunstwelt Anteil hat. Nicht nur, dass sie Graham in ihre R\u00e4ume zur\u00fcckholt und ausstellt (ab der dritten Variante f\u00fcr die <i>John Gibson Gallery<\/i> ist <i>Homes for America<\/i> in der Regel auch als Exponat realisiert), sie beg\u00fcnstigt die Verteilung auch durch Katalogaufs\u00e4tze vom K\u00fcnstler selbst, welche Bruchst\u00fccke analytischer Kommentare zum Werk enthalten, durch zahlreiche Interviews mit Graham und durch ein Spektrum an Texten und Kritiken von WissenschaftlerInnen.<a id=\"_ednref5\" title=\"\" href=\"#_edn5\">[5]<\/a><\/p>\n<p><strong>II.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_2241\" style=\"width: 219px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2241\" rel=\"attachment wp-att-2241\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2241\" class=\"size-medium wp-image-2241\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-1-Arts-Magazine-1966-67-11-209x300.jpg\" alt=\"Abb. 1: Dan Graham, Homes for America, Arts Magazine, Vol. 41, Nr. 3, Dezember 1966-Januar 1967, S. 21, 22.\" width=\"209\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-1-Arts-Magazine-1966-67-11-209x300.jpg 209w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-1-Arts-Magazine-1966-67-11-712x1024.jpg 712w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-1-Arts-Magazine-1966-67-11.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 209px) 100vw, 209px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2241\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1:<br \/>Dan Graham, Homes for America, Arts Magazine, Vol. 41, Nr. 3, Dezember 1966-Januar 1967, S. 21, 22.<\/p><\/div>\n<p>Dan Graham betritt die B\u00fchne der Kunstszene zu einer Zeit des Umbruchs: Gattungsgrenzen wurden ausgehebelt und dem Diskurs dar\u00fcber, was Kunst sein kann, wird\u00a0 in den zahlreichen neuen New Yorker (Galerie-)R\u00e4umen gro\u00dfz\u00fcgig Platz gegeben. Dan Graham selbst leitet ab 1964 einen dieser R\u00e4ume und muss ihn trotz (r\u00fcckblickend) aufregender Ausstellungen nach kurzer Zeit wieder schlie\u00dfen.<a id=\"_ednref6\" title=\"\" href=\"#_edn6\">[6]<\/a> Im Folgejahr schie\u00dft er einen Teil jener Fotografien, die sich sp\u00e4ter mitunter zu <i>Homes for America<\/i> zusammensetzen. Graham erh\u00e4lt die M\u00f6glichkeit Ende 1966 mit einer Dia-Show dieser Fotos an der Ausstellung <i>Projected Art<\/i> am Finch College, New York teilzunehmen.<a id=\"_ednref7\" title=\"\" href=\"#_edn7\">[7]<\/a> W\u00e4hrend dieser Projektion, die auch Grahams erste Ausstellung ist, schl\u00e4gt Susan Brockman (Redaktionsassistenz beim <i>Arts Magazine<\/i>) vor, die Fotografien in der Zeitschrift zu ver\u00f6ffentlichen. Sodann kompiliert Graham nach kurzer Recherche einen Artikel um seine fotografischen Arbeiten: \u201e[\u2026] I thought of doing an article that typographically would be like serial houses, a replication of them. [\u2026] the entire page was basically designed as a kind of schema of minimalism.\u201d<a id=\"_ednref8\" title=\"\" href=\"#_edn8\">[8]<\/a> Doch der \u201adesignte\u2018 Aufsatz wird von der Redaktion ausgerechnet um die Abbildungen Grahams\u2019 gek\u00fcrzt und pr\u00e4sentiert sich unter dem Titel <i>Homes for America<\/i> in der Dezember 1966 \u2013 Januar 1967 Ausgabe des <i>Arts Magazine<\/i>s folglich in ganz anderer Gestalt als beabsichtigt.<\/p>\n<div id=\"attachment_2242\" style=\"width: 227px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2242\" rel=\"attachment wp-att-2242\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2242\" class=\"size-medium wp-image-2242\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-2-Arts-Magazine-1966-67-21-217x300.jpg\" alt=\"Abb. 2: Dan Graham, Homes for America, Arts Magazine, Vol. 41, Nr. 3, Dezember 1966-Januar 1967, S. 21, 22.\" width=\"217\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-2-Arts-Magazine-1966-67-21-217x300.jpg 217w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-2-Arts-Magazine-1966-67-21-741x1024.jpg 741w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-2-Arts-Magazine-1966-67-21.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2242\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2:<br \/>Dan Graham, Homes for America, Arts Magazine, Vol. 41, Nr. 3, Dezember 1966-Januar 1967, S. 21, 22.<\/p><\/div>\n<p>Der ver\u00f6ffentlichte Essay erstreckt sich auf etwas weniger als eineinhalb Seiten und besch\u00e4ftigt sich mit der \u00c4sthetik und dem Charakter der seriell angelegten Wohnblocks. Zun\u00e4chst bleibt Graham deskriptiv und veranschaulicht seine Bestandsaufnahme mit Auflistungen von Auswahlm\u00f6glichkeiten und deren Kombinationen. Im Fortgang des Artikels wandelt sich der Ton hin zu einer Kritik an den Intentionen, der Qualit\u00e4t und den Konsequenzen des Baus von Reihenhaussiedlungen, wie er sie selbst in den Gemeinden New Jerseys Mitte der 1960er beobachtet hat.<\/p>\n<p>Der Artikel l\u00e4sst sich grob in drei inhaltliche Einheiten zusammenfassen. Das erste Drittel widmet sich einer allgemein gehaltenen Einf\u00fchrung. Er verengt seinen Blick auf die H\u00e4user selbst, indem er ihr Aussehen und ihre billige Bauweise charakterisiert, um schlie\u00dflich daraus die sequenzielle Logik dieser Siedlungen offenzulegen. Im zweiten Drittel konkretisiert Graham seine Ausf\u00fchrung indem er das Angebot einer Agentur aus Florida als Beispiel auff\u00fchrt. <i>Cape Coral Housing<\/i> bietet in den 1960ern acht Hausmodelle und acht Farben f\u00fcr den Fassadenanstrich an. Er listet die M\u00f6glichkeiten auf und f\u00fchrt f\u00fcr eine hypothetische Sequenz von acht H\u00e4usern \u00e0 vier Modellen ein Anordnungsbeispiel vor. Die abschlie\u00dfenden Abs\u00e4tze beleuchten die Folge der neuen Wohnsituation kritisch. Graham benennt die Entkoppelung von Architekt und Haus, von Bewohner und Behausung und von neuer Wohnsiedlung und Umgebung als negative Auswirkungen der Reihenhausprojekte in amerikanischen Vorst\u00e4dten.<\/p>\n<p>Dan Graham verfasst mit <i>Homes for America<\/i> etwas, das wie eine Reportage \u00fcber ein zeitgen\u00f6ssisches Wohnph\u00e4nomen aussieht. Das Format der Zeitschrift gibt zwar den optischen Aufbau des Artikels vor, dennoch f\u00e4llt die besondere Schriftarchitektur ins Auge. Jene scheint mit der Dreigliederung des Textes hinsichtlich Ton und Inhalt zu korrespondieren. Der Einsatz unterschiedlicher Schrifttypen f\u00fcr die jeweiligen Texteinheiten, Variationen im Schriftschnitt sowie die Auflistungen und Abbildungen f\u00fchren innerhalb der Seiten zu wei\u00dfen, unbedruckten Bereichen beziehungsweise ergeben Konturen und Formen, die den Essay in seiner im Magazin abgedruckten Version einem Bild vergleichbar oder als eine Collage interpretierbar machen.<\/p>\n<p><i>Homes for America<\/i> k\u00fcndigt sich mit einer gro\u00df gedruckten \u00dcberschrift an. Es folgen der Untertitel und der Autorenname sowie eine Liste von 24 Ortsnamen, bevor der Artikeltext beginnt. In der Initialver\u00f6ffentlichung im Arts <i>Magazine<\/i> sind zwei Abbildungen in den Text eingef\u00fcgt. Beide \u2013 eine Fotografie von Walker Evans sowie das Bild aus der Wohnungsbau-Brosch\u00fcre \u2013 sind farblos und korrespondieren mit der schwarz-wei\u00dfen Gestaltung des Textes. Sie sind untereinander in der ersten Spalte platziert, gehen \u00fcber die Spaltengrenzen links hinaus und enden am Au\u00dfenrand der Zeitschrift. Die fotografische Aufnahme stammt aus einer Fotoserie von Walker Evans, welche 1938 als <i>American Photographs<\/i> ausgestellt wird und dessen Katalogform sich als ein Klassiker des Fotografiekanons etabliert.<a id=\"_ednref9\" title=\"\" href=\"#_edn9\">[9]<\/a> F\u00fcr das <i>Arts Magazine<\/i> ist das Foto zu allen vier Seiten beschnitten und hinsichtlich der Breite an den Brosch\u00fcrenausschnitt angepasst worden, auf dem das Beispiel f\u00fcr das Hausmodell \u201eThe Serenade\u201c abgedruckt ist. Retrospektiv erl\u00e4utert Dan Graham, dass er die Abbildung aus der Brosch\u00fcre w\u00e4hrend der Recherche ausgew\u00e4hlt und diese in ein Gesamt-Layout einschlie\u00dflich eigener Aufnahmen aus seiner New Jersey-Reihe integriert und abgeliefert habe. Die Redaktion des <i>Arts Magazines<\/i> habe sich daf\u00fcr entschieden seine Aufnahmen f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung durch eine von Walker Evans zu ersetzen.<a id=\"_ednref10\" title=\"\" href=\"#_edn10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Dass es sich beim ersten Bild um Reihenh\u00e4user handelt ist offensichtlich. Bei der zweiten Abbildung jedoch ist die Lekt\u00fcre des Essays n\u00f6tig um den Ausschnitt einzuordnen; dieser geh\u00f6rt ausdr\u00fccklich zum Text, da das Modell \u201eThe Serenade\u201c in der Liste der Hausvarianten mit aufgef\u00fchrt ist. Veranschaulicht die Abbildung von \u201eThe Serenade\u201c durchaus das vorgef\u00fchrte Beispiel im Text, so ist der Einsatz der Evans-Fotografie nur mit dessen Popularit\u00e4t erkl\u00e4rbar. Graham selbst war bei Erscheinen von <i>Homes for America<\/i> ein im Vergleich unbekannter K\u00fcnstler.<\/p>\n<p><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p>Dass Dan Graham mit <i>Homes for America<\/i> eine andere Route verfolgt als sie vom <i>Arts Magazine<\/i> gelegt wurde, zeigt sich in der ersten Wiederver\u00f6ffentlichung des Artikels. Im Jahre 1969 stellt Graham ein K\u00fcnstlerbuch zusammen, das unter dem Titel <i>End Moments<\/i> seine bis dahin entstandenen Artikel und Arbeiten sammelt \u2013 darunter <i>Homes for America<\/i>, wenn auch in einer von der Erstver\u00f6ffentlichung abgewandelten Form.<\/p>\n<p>Bei dieser Ver\u00e4nderung soll es nicht bleiben: Bis 1978 werden insgesamt elf Versionen publiziert. Dabei ist nicht nur das Layout jeweils umorganisiert, sondern auch die Bildanteile sind ma\u00dfgeblich \u2013 bez\u00fcglich Anzahl, Auswahl und Arrangement \u2013 modifiziert. Mit jeder Ver\u00f6ffentlichung scheint ein neues Werk kreiert worden zu sein, was vor allem der Konstitution neuer Text-Bildrelationen geschuldet ist. Jede Publikation rekurriert zudem auf ihre Vorg\u00e4nger, basiert auf ihnen und f\u00fcgt ihnen Bedeutungsgehalt zu. Es entspinnt sich ein referentielles Netzwerk unter den Varianten, wobei jede f\u00fcr sich steht und gleichzeitig ein Puzzleteil der gesamten Arbeit ist, welche sich nunmehr \u00fcber 12 Jahre hinweg erstreckt (<i>Arts Magazine<\/i>, 1966 bis <i>Articles, <\/i>1978).<\/p>\n<p>Mit steigendem Bekanntheitsgrad Grahams \u00e4ndert sich die Art und Weise der Pr\u00e4sentation. Ausgehend vom ersten Artikel, bei dem Graham von der Redaktion als Autor behandelt wird, ver\u00f6ffentlicht der K\u00fcnstler <i>Homes for America<\/i> in Eigenregie zun\u00e4chst in K\u00fcnstlerb\u00fcchern und es taucht nur ein weiteres Mal in einer Zeitschrift auf. Sp\u00e4ter ergeben sich aufw\u00e4ndige Varianten in gro\u00dfen Formaten als Lithografie und als Foto Offset-Print mit farbigen Bildern. Mit seiner Etablierung folgen Einzelausstellungen in bekannten Museen und im Zuge dessen die Realisation von Katalogen. Es variieren die Pr\u00e4sentationsformate, die Gr\u00f6\u00dfe und Zusammensetzung des erreichten Publikums, aber auch die Erscheinung und Haptik der gedruckten Essays.<\/p>\n<p>Da dabei der Text inhaltlich mehr oder weniger unver\u00e4ndert \u00fcberdauert und vor allem die Bildanteile Ver\u00e4nderung erfahren, liegt die Einsch\u00e4tzung nahe, dass der Text als das tragende Ger\u00fcst fungiert. Die ausgew\u00e4hlten Bilder und die Textbausteine dienen Graham dabei als Module, welche er verschiebt und in Beziehung setzt, was bei jeder Variante eine andere Wirkung und Erscheinung bedingt. Im Folgenden sollen einige der Varianten genauer beschrieben werden, um den Wandel der Arbeit zu veranschaulichen.<\/p>\n<p><strong>Variante #2: <i><u>End Moments<\/u><\/i>, 1969<\/strong><\/p>\n<p>Das im Vorjahr zusammengestellte K\u00fcnstlerbuch <i>End Moments<\/i> wird 1970 von Dan Graham selbst herausgebracht.<a id=\"_ednref11\" title=\"\" href=\"#_edn11\">[11]<\/a> Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Kunst- und Kulturkritiken sowie eigenen Textarbeiten, die er kommentiert. Graham bestimmt hier Inhalt, Format, Papier, Typen und Reihenfolge der Texte selbst. Es kann nicht von einer neu gesetzten Variante des <i>Arts Magazine<\/i>-Artikels geredet werden, da lediglich die abfotografierte zweite Seite gedruckt ist. Der einzige, wenn auch gravierende Unterschied liegt im Bildanteil. Die Abbildung der Brosch\u00fcre bleibt vorhanden, doch dort, wo sich zwei Jahre zuvor Walker Evans&#8217; Fotografie und die Bildangaben befanden, sind nun zwei Fotos von Dan Graham zu sehen. Beide Bilder zeigen Backsteinfassaden sowie jeweils zwei parallel nebeneinander liegende Hauseing\u00e4nge. Die zwei Fotografien korrespondieren mit Grahams Text vor allem auf visueller Ebene insofern mit hellen und dunklen Fl\u00e4chen sowie mit Linien und Raster vergleichbar gespielt wird. Es lassen sich jeweils \u00c4quivalente ausmachen, wobei die Schwarzwei\u00df-Verteilung exakt umgekehrt erscheint. So entsprechen die wei\u00dfen parallelen T\u00fcren den schwarzen \u201aS\u00e4ulen\u2018 der Buchstabenpermutationen ABCD, welche auf den schwarzen Textzeilen \u201astehen\u2018. Jene sind unter den T\u00fcren durch die wei\u00dfen Treppensimse repr\u00e4sentiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_2224\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2224\" rel=\"attachment wp-att-2224\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2224\" class=\"wp-image-2224 size-medium\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-3-End-Moments-1969-70-200x300.jpg\" alt=\"Abb. 3: Dan Graham, Homes for America, End Moments, New York 1969\/70, S. 43.\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-3-End-Moments-1969-70-200x300.jpg 200w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-3-End-Moments-1969-70-683x1024.jpg 683w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2224\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Dan Graham, Homes for America, End Moments, New York 1969\/70, S. 43.<\/p><\/div>\n<p>In <i>End Moments<\/i> gehen die \u201aneuen\u2018 Bildelemente eine spannendere Beziehung zum Text ein ,als es in der <i>Arts Magazine<\/i>-Version m\u00f6glich gewesen ist. Graham \u00e4u\u00dfert sich in <i>End Moments<\/i> allerdings nicht hinsichtlich eines Fehlers seitens der Zeitschrift; im Gegenteil, er unterl\u00e4sst nicht nur eine Erw\u00e4hnung der Ab\u00e4nderung, sondern gibt vor, dass es sich bei der im K\u00fcnstlerbuch abgedruckten Seite um den Ursprungszustand handle. Vor der abgedruckten ver\u00e4nderten Seite, endet der Absatz zu \u201eMagazines As Formal Context\u201c mit den Worten: \u201eFOLLOWING IS THE SECOND PAGE OF THE ARTICLE, RE-PRINTED\u201c.<a id=\"_ednref12\" title=\"\" href=\"#_edn12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Da \u201eRe-printed\u201c offenbar keinen neuen, an <i>End Moments<\/i> angeglichenen Schriftsatz bedeutet und der Artikel zudem unvollst\u00e4ndig ist, dient diese Ver\u00f6ffentlichung als Illustration und Beleg zugleich. Der konkrete Inhalt scheint demnach nicht von prim\u00e4rem Interesse gewesen zu sein; eine Annahme, die durch die Miniaturisierung der <i>Arts Magazine<\/i>-Seite zus\u00e4tzlich gest\u00fctzt ist, denn die im Zuge dessen verkleinerte Schrift ist nur schwer lesbar. Graham nutzt die Dokumenthaftigkeit des Bildes aus und greift mit seiner Manipulation in die Rezeptionsgeschichte von <i>Homes for America<\/i> ein.<\/p>\n<p><strong>Variante #3: <i><u>1966<\/u><\/i>, 1970<\/strong><\/p>\n<p>1970 findet in der John Gibson Gallery in New York eine Ausstellung Grahams statt, die Arbeiten aus dem Jahr 1966 zusammenf\u00fchrt. Begleitend zur Ausstellung erscheint der Katalog <i>1966. Dan Graham<\/i>. Im Katalog nimmt <i>Homes for America<\/i> den hybriden Charakter zwischen Abbildung und Text ein. Denn abermals verwendet Graham die <i>Arts Magazine<\/i>-Variante, passt die Schrifttypen nicht an die \u00fcbrigen Texte an, unternimmt jedoch eine Umverteilung der Elemente. Der Ursprungsartikel wurde f\u00fcr den kleinen Katalog offensichtlich in seine Bestandteile &#8216;geschnitten&#8217; und wieder zusammengef\u00fcgt, um in das Format zu passen. So ist die Brosch\u00fcrenabbildung \u201eThe Serenade\u201c versetzt und die Spaltenanzahl trotz \u00fcbernommener Textanteile ver\u00e4ndert. Die von Dan Graham angestrebten Referenzen zwischen Text und Fotografien k\u00f6nnen ohne zus\u00e4tzliches Fotomaterial freilich nicht geliefert werden. Doch die Platzierung der Abbildung an den Seitenanfang bedingt eine zur ersten Seite analoge Aufteilung insofern, als nun beide Seiten mit einem bildhaften Block (inklusive einer Liste) beginnen und nahezu gleich viele Flie\u00dftextanteile und Listen beinhalten.<\/p>\n<div id=\"attachment_2225\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2225\" rel=\"attachment wp-att-2225\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2225\" class=\"wp-image-2225 size-large\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-4_1966-1970-1024x824.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"515\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-4_1966-1970-1024x824.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-4_1966-1970-300x241.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2225\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Dan Graham, Homes for America, 1966, John Gibson Gallery, New York 1970, o. S.<\/p><\/div>\n<p><i>Homes for America<\/i> rekurriert in seiner Gestaltung f\u00fcr die John Gibson Gallery zwar auf den <i>Arts Magazine<\/i>-Artikel, jedoch wurde durch die Platzierung auf einer Doppelseite vor allem ein zusammenh\u00e4ngendes visuelles Artefakt geschaffen und damit der Grundstein gelegt f\u00fcr die Wandlung in ein ausstellbares Objekt.<a id=\"_ednref13\" title=\"\" href=\"#_edn13\">[13]<\/a><\/p>\n<p><strong>Variante #4: <i><u>Interfunktionen<\/u><\/i> 7, 1971<\/strong><\/p>\n<p>1971 erscheint ein \u00fcberarbeitetes <i>Homes for America<\/i> in <i>Interfunktionen: Zeitschrift f\u00fcr neue Arbeiten und Vorstellungen<\/i>.<a id=\"_ednref14\" title=\"\" href=\"#_edn14\">[14]<\/a> Der Essay wird nach dem <i>Arts Magazine<\/i> ein zweites Mal in einer Zeitschrift abgedruckt und zum ersten Mal au\u00dferhalb der Vereinigten Staaten\u00a0 herausgegeben. Graham \u00e4ndert das Layout des Artikels, der nun drei Seiten umfasst und kehrt zur dreispaltigen Aufteilung \u2013 wie im <i>Arts Magazine<\/i> und in <i>End Moments<\/i> \u2013 zur\u00fcck.<a id=\"_ednref15\" title=\"\" href=\"#_edn15\">[15]<\/a> Indes ist es nicht die <i>Arts-Magazine<\/i>-Version, die geschnitten und neu aneinander gef\u00fcgt ist, sondern jene aus <i>1966<\/i>. Deutlich sind die Schnittkanten und Verschiebungen zu erkennen. Doch weitere sind hinzugekommen, die sich aus der Aufteilung und Zusammensetzung f\u00fcr die aktuelle Variante ergeben. So haben bspw. die ehemals intakten Buchstabens\u00e4ulen mittlerweile zwei &#8216;Br\u00fcche&#8217; erfahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_2226\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2226\" rel=\"attachment wp-att-2226\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2226\" class=\"wp-image-2226 size-large\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-5-Interfunktionen-1971-1-1024x716.jpg\" alt=\"Abb. 5: Dan Graham, Homes for America, Interfunktionen, Nr. 7, K\u00f6ln 1971, S. 65, 66.\" width=\"640\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-5-Interfunktionen-1971-1-1024x716.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-5-Interfunktionen-1971-1-300x210.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2226\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 5: Dan Graham, Homes for America, Interfunktionen, Nr. 7, K\u00f6ln 1971, S. 65, 66.<\/p><\/div>\n<p>Der Aufbau auf Seite eins folgt einer dramatischen Zuspitzung: Die erste Spalte ist lediglich von Text gef\u00fcllt. Spalte zwei enth\u00e4lt Flie\u00dftext sowie die Listen A-H (Hausmodelle) und 1-8 (Fassadenfarben). Durch die Linksb\u00fcndigkeit der Auflistungen &#8216;franst&#8217; der schwarze Text aus, die rechten Zeilenenden sind unruhig und es ergeben sich Wei\u00dffl\u00e4chen. In der dritten Spalte platziert Graham den Titelblock genau spiegelbildlich zum Brosch\u00fcrenbild von <i>Florida Cape Coral Homes <\/i>auf der Folgeseite. Der spiegelbildliche Aufbau des Essays macht die Versetzung des Titelblocks nachvollziehbar. Wurden diesem Element zuvor schon Bild-Eigenschaften zugesprochen, wird es hier augenscheinlich als solches eingesetzt.<\/p>\n<p>Der Ausschnitt \u201eThe Serenade\u201c bildet mit dem Textinhalt die bisher einzige Konstante mit den drei Vorg\u00e4ngerversionen. Graham verwendet f\u00fcr <i>Interfunktion<\/i> drei seiner New Jersey-Fotografien. Zwei davon tauchten schon in <i>End Moments<\/i> auf und es kommt zur ersten Wiederholung auf fotografischer Ebene. Das Foto auf der dritten Seite scheint aus diesem Rahmen zu fallen. Es stammt ebenso aus der New Jersey-Serie und zeigt den Ausschnitt einer Siedlung. Graham positioniert sich auf dem Gehweg und nimmt die Reihenh\u00e4user entlang der Stra\u00dfe auf. Die Wahl des Ausschnitts erinnert an das Foto von Walker Evans, das f\u00fcnf Jahre vorher von der <i>Arts Magazine<\/i>-Redaktion ausgew\u00e4hlt wurde. Nach links, an Gr\u00f6\u00dfe abnehmend und versetzt angeordnet, stehen die dunklen Fassadenvierecke in scharfem Kontrast zum hellen Himmel. Weil das Foto gedreht ist, erscheint die Szene abstrakt, die beschriebenen Details treten in den Hintergrund und die strikte Aufteilung in eine helle und eine dunkle H\u00e4lfte, die akkurat an einer diagonal getreppten Linie verl\u00e4uft, sticht hervor.<\/p>\n<p><strong>Variante #5: Lithografie, 1971<\/strong><\/p>\n<p>1971 entsteht eine <i>Homes for America<\/i>-Variante, die mit der bisherigen Distributionsform bricht: Am Nova Scotia College of Art &amp; Design (NSCAD) realisiert er in Zusammenhang mit einem dort stattfindenden Workshop eine Lithografie in einer limitierten Auflage von nur 50 Exemplaren.<a id=\"_ednref16\" title=\"\" href=\"#_edn16\">[16]<\/a> Das Layout f\u00fcr die Lithografie reduzieren Graham und die Klasse wieder auf zwei \u201aSeiten\u2018. Obwohl es sich um ein Blatt unabh\u00e4ngig von den Beschr\u00e4nkungen eines Magazins, K\u00fcnstlerbuchs oder Katalogs handelt, ist ein solcher Kontext vorget\u00e4uscht. <i>Homes for America<\/i> ist zwar wie die Ursprungsver\u00f6ffentlichung auf drei Druckspalten angelegt, der Text ist jedoch durch f\u00fcnf Bilder unterbrochen, so wie drei weitere als Abschluss angef\u00fcgt sind. Die Br\u00fcche zwischen den Zeilen, die beim Transport des Textes zu <i>1966<\/i> und zu <i>Interfunktionen <\/i>in Kauf genommen wurden, sind in der Lithografie nicht mehr vorhanden.<a id=\"_ednref17\" title=\"\" href=\"#_edn17\">[17]<\/a> In Spalte zwei und drei alternieren Abbildungen, Listen und kurze Blockabs\u00e4tze rhythmisch. Die Elemente in diesen Spalten sind durchaus als Fotobilder und Schriftbilder zu bezeichnen, die Graham zueinander anordnet. So beginnen beide Spalten mit parallelen Strukturen: Einmal sind es die Hauseing\u00e4nge, daneben stehen die Buchstabens\u00e4ulen. In beiden Spalten folgt nun ein Absatz inklusive Liste. Es schlie\u00dfen sich abermals parallele Strukturen an, in Form jener Fotografien der Haust\u00fcren, die schon in <i>End Moments<\/i> und in <i>Interfunktionen<\/i> eingesetzt wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_2229\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2229\" rel=\"attachment wp-att-2229\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2229\" class=\"wp-image-2229 size-large\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-8-Litho-Nova-Scotia-College-1971-1024x754.jpg\" alt=\"Abb. 6: Dan Graham, Homes for America, 22\u201d x 30\u201d, Bildgr\u00f6\u00dfe 18\u201d x 18\u201d, Lithografie, Nova Scotia College of Art &amp; Design, Halifax, 1971.\" width=\"640\" height=\"471\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-8-Litho-Nova-Scotia-College-1971-1024x754.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-8-Litho-Nova-Scotia-College-1971-300x221.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-8-Litho-Nova-Scotia-College-1971.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2229\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 6: Dan Graham, Homes for America, 22\u201d x 30\u201d, Bildgr\u00f6\u00dfe 18\u201d x 18\u201d, Lithografie, Nova Scotia College of Art &amp; Design, Halifax, 1971.<\/p><\/div>\n<p>Den Abschluss dieser <i>Homes for America<\/i>-Version stellen zwei Fotografien, die \u00fcber die zweite und dritte Spalte reichen. Das obere ist dasselbe wie in <i>Interfunktionen<\/i>, diesmal in horizontaler Ausrichtung, das untere Foto zeigt eine dritte Variante von Reihenhauspermutationen. Die Komposition ist im Gesamteindruck ausgewogen, wobei links die Textbilder \u00fcberwiegen, sich zur Mitte mit den Fotobildern mischen, welche dann rechts dominieren.<a id=\"_ednref18\" title=\"\" href=\"#_edn18\">[18]<\/a><\/p>\n<p>Das Design, welches am NSCAD entsteht, sollte jenem entsprechen, welches Graham f\u00fcr die erste Ver\u00f6ffentlichung geplant hatte.<a id=\"_ednref19\" title=\"\" href=\"#_edn19\">[19]<\/a> Mit dem hypothetischen Layout nimmt Graham nicht nur abermals eine Richtigstellung der (Werk)Geschichte vor, gleichzeitig problematisiert er das Authentizit\u00e4tsversprechen eines Kunstwerkes. Durch das Design und die Verwendung von Titel und Datum der <i>Arts Magazine<\/i>-Ausgabe simuliert er einen Re-print, kreiert die Illusion eines Massenmediums, welches in der Tat ein kunsthandwerkliches Produkt ist.<\/p>\n<p><strong>Variante #7: Foto Offset-Print, 1972<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr nach der Lithografie-Edition am Nova Scotia College of Art &amp; Design treibt Graham die dort eingeschlagene Sto\u00dfrichtung weiter voran. F\u00fcr den belgischen Kunstsammler Herman Daled fertigt der K\u00fcnstler ein gro\u00dfformatiges und aufwendiges Foto Offset-Exemplar an, das auf zwei Boards \u2013 jeweils ca. 99 x 84 cm \u2013 aufgezogen ist. Dan Graham greift nicht auf die <i>Arts Magazine<\/i>-Ausgabe zur\u00fcck, sondern verwendet das Design aus Kanada. Sein Verfahren, Schrift ebenso als Bildelemente einzusetzen wie Fotografie, erf\u00e4hrt in diesem Layout insofern eine Steigerung, als er den Text in Bl\u00f6cke zerschneidet und mit Fotografien auf den beiden Tafeln arrangiert. Den Bildelementen (Schriftbl\u00f6cke und Fotos) wird viel Platz einger\u00e4umt und die Entwurfsillusion durch die handschriftlich hinzugef\u00fcgten Anmerkungen gesteigert. Die Gestaltung der Daled-Version unterscheidet sich signifikant von allen vorhergehenden. Zum einen bez\u00fcglich der zahlreichen farbigen Abbildungen, die hier Eingang in die <i>Homes for America<\/i>-Reihe finden, zum anderen wegen der ausgestellten handwerklichen Bearbeitung der Tafeln.<\/p>\n<div id=\"attachment_2249\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2249\" rel=\"attachment wp-att-2249\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2249\" class=\"size-large wp-image-2249\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-9-10-Foto-Offset-Print-1972-1024x685.jpg\" alt=\"Abb. 9: Dan Graham, Homes for America, Foto Off-Set Print, Privatsammlung Daled, Br\u00fcssel 1972, Tafel 1, 39\u201d x 33\u201d (Reproduktion).\" width=\"640\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-9-10-Foto-Offset-Print-1972-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-9-10-Foto-Offset-Print-1972-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2249\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 7: Dan Graham, Homes for America, Foto Off-Set Print, Privatsammlung Daled, Br\u00fcssel 1972, Tafel 1, 39\u201d x 33\u201d (Reproduktion).<\/p><\/div>\n<p>Das Layout der Lithografie wurde vertikal entlang der Druckspalten zerschnitten und in Textbl\u00f6cke geteilt. Es ergeben sich alles in allem 21 Schriftausschnitte, die mit 16 Bildern (14 Fotografien Grahams, ein Farbmuster und die Abbildung \u201eThe Serenade\u201c) die beiden Tafeln ausf\u00fcllend einnehmen. Schrift- und Bildrechtecke wurden innerhalb der Spalten zentriert, was sie auf dem wei\u00dfen Untergrund &#8216;schwimmen&#8217; l\u00e4sst. Kaum sichtbare, von Hand gezogene F\u00fchrungslinien, welche die horizontale und vertikale Ausrichtung der Elemente markieren, halten sie in Schach. Die Linien unter den Abbildungen sind deutlicher, denn an diesen Stellen ist Platz f\u00fcr Bildunterschriften vorgesehen worden, die Graham in diesem Fall handschriftlich eingetragen hat.<\/p>\n<p>Alle Fotografien der bisherigen Ausgaben kehren im Offset-Print f\u00fcr Herman Daled wieder; hinzu kommen zum ersten Mal Innenaufnahmen von Modellh\u00e4usern und solche, die Bewohner und Bewohnerinnen zeigen. Auch wenn einige der Bilder schon Verwendung gefunden haben, entfalten sie eine Wirkung, die sie genauso \u201aneu\u2018 scheinen lassen, wie jene, die im Offset-Print ihre Premiere haben. Die Farbigkeit r\u00fcckt die H\u00e4userreihen und Hauseing\u00e4nge weg von Assoziationen mit der Textarchitektur und hin zu den neuen Fotografien, die den pseudo-soziologischen Artikel illustrieren und das Leben in New Jersey dokumentieren. Die beiden Interieuraufnahmen zeigen zwar Privatr\u00e4ume, diese sind jedoch \u00fcber-akkurat hergerichtet und verf\u00fcgen \u00fcber keine pers\u00f6nliche Note.<a id=\"_ednref20\" title=\"\" href=\"#_edn20\">[20]<\/a> In ihrer Auswahl und Zusammenstellung evozieren Grahams Fotografien Tristesse und Eint\u00f6nigkeit und entsprechen seiner Intention, Reportagen in Hochglanzmagazinen zu imitieren.<a id=\"_ednref21\" title=\"\" href=\"#_edn21\">[21]<\/a> Die Erg\u00e4nzungen der Farbfotografien mit den handgeschriebenen Bildunterschriften wirken wie eine Zugabe mit dem Sinn, die urspr\u00fcngliche Intention wiederherzustellen, welche durch die Ver\u00f6ffentlichung im <i>Arts Magazine<\/i> vereitelt wurde. Jedoch handelt es sich bei dem Print von 1972 um das genaue Gegenteil eines massenproduzierten Zeitschriftenartikels mit Verfallsdatum, sondern um ein Unikat auf Auftrag. Das, was wie eine Vorarbeit zu einem Magazinessay aussieht, kann erst <i>nach<\/i> diesem entstehen, denn Graham verwendet das bereits Gedruckte als Material f\u00fcr seine Collage. So ist die Foto Offset-Ver\u00f6ffentlichung als eine Retrospektive lesbar, in der er seine Fotoarbeiten einerseits und seinen Artikel andererseits \u00fcberkreuzt und sie wie in einem Erinnerungsalbum ausschneidet und aufklebt. Doch auch diese Einsicht gilt mit Einschr\u00e4nkungen, da Graham die Textbausteine der Lithografie zwar verwendet, wo sie allerdings nicht passen, wird der Text neu gesetzt und dann geschnitten (zumal die Ausschnitte f\u00fcr die Arbeit zugleich vergr\u00f6\u00dfert werden mussten).<a id=\"_ednref22\" title=\"\" href=\"#_edn22\">[22]<\/a> Wenn nicht mit der Lithografie aus dem Vorjahr schon geschehen, dann platziert Dan Graham <i>Homes for America<\/i> nun endg\u00fcltig in der Kunstwelt, indem er eine Spezialanfertigung f\u00fcr den Kunstsammler Herman Daled verwirklicht.<\/p>\n<p><strong>Variante #9:<i><u> For Publication<\/u><\/i>, 1975<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_2232\" style=\"width: 237px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2232\" rel=\"attachment wp-att-2232\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2232\" class=\"wp-image-2232 size-medium\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-11-For-Publication-1975-1-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-11-For-Publication-1975-1-227x300.jpg 227w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-11-For-Publication-1975-1-776x1024.jpg 776w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2232\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 8: Dan Graham, Homes for America, For Publication, Otis Art Institute of Los Angeles, 1975, S. 15.<\/p><\/div>\n<p><i>For Publication<\/i> wird 1975 anl\u00e4sslich einer Ausstellung in der Galerie des Otis Arts Institute of Los Angeles herausgegeben und <i>Homes for America <\/i>daf\u00fcr vollkommen \u00fcberarbeitet. Eine Anspielung auf die urspr\u00fcngliche Ver\u00f6ffentlichung im <i>Arts Magazine<\/i> ist mit der Aufteilung in Spalten gemacht, jedoch wird mit dem Schriftanteil frei verfahren und jener \u00e4sthetisch mit ausgew\u00e4hlten Fotografien arrangiert.<\/p>\n<p>Auf der dem Titel folgenden Doppelseite macht sich Dan Grahams Besch\u00e4ftigung mit Printdesign bemerkbar. Die linke Seite ist thematisch und visuell zweigeteilt: Oben befasst man sich mit den Hausmodellen, unten mit den Fassadenfarben. Jeweils interagieren die Listen mit den getreppten Elementen in den korrespondierenden Fotografien. An dieser Stelle \u00fcbernimmt Graham ein Element aus der Nova Scotia Lithografie: Dort wurde ein graues Rechteck eingef\u00fchrt und mit \u201eMoonstone Grey\u201c beschriftet, um eine Farbprobe zu imitieren. Das Spiel, eine Musterfarbe in einem Schwarzwei\u00dfprint abzubilden, wenngleich sie auch grau gewesen ist, erf\u00e4hrt in der <i>For Publication<\/i>-Variante ein ironisches Zitat. Denn anstatt ein graues Rechteck einzuf\u00fcgen, befindet sich an dieser Stelle ein schwarzer Balken mit der gleichen Farbbezeichnung.<\/p>\n<div id=\"attachment_2233\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2233\" rel=\"attachment wp-att-2233\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2233\" class=\"size-large wp-image-2233\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-12-For-Publication-1975-2-1024x655.jpg\" alt=\"Abb. 12: Dan Graham, Homes for America, For Publication, Otis Art Institute of Los Angeles, 1975, S. 16, 17.\" width=\"640\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-12-For-Publication-1975-2-1024x655.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-12-For-Publication-1975-2-300x192.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2233\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 9: Dan Graham, Homes for America, For Publication, Otis Art Institute of Los Angeles, 1975, S. 16, 17.<\/p><\/div>\n<p>Dem \u201aMonument\u2018 <i>Homes For America<\/i> ist auf der letzten Seite mit einer Fotografie, die die untere Seitenh\u00e4lfte einnimmt, ein Schlusspunkt gesetzt. Sie nimmt die Bildinhalte der vorausgehenden auf, indem sie abgestufte Hausfassaden, Hauseing\u00e4nge und Treppen zeigt; dies jedoch in abgewandelter Form, sodass ein anderer Aufnahmeort offensichtlich wird und die Universalit\u00e4t des beschriebenen Ph\u00e4nomens unterstrichen ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_2234\" style=\"width: 236px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2234\" rel=\"attachment wp-att-2234\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2234\" class=\"size-medium wp-image-2234\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-13-For-Publication-1975-3-226x300.jpg\" alt=\"Abb. 13: Dan Graham, Homes for America, For Publication, Otis Art Institute of Los Angeles Los Angeles, 1975, S. 18.\" width=\"226\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-13-For-Publication-1975-3-226x300.jpg 226w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-13-For-Publication-1975-3-771x1024.jpg 771w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2234\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 10: Dan Graham, Homes for America, For Publication, Otis Art Institute of Los Angeles Los Angeles, 1975, S. 18.<\/p><\/div>\n<p>Mit <i>For Publication<\/i> stellt Graham die Frage nach \u201eDesign als Kunst\u201c. Er gestaltet diesen Katalog als fast quadratisches, wei\u00df gl\u00e4nzendes Pr\u00e4sentationsobjekt.<a id=\"_ednref23\" title=\"\" href=\"#_edn23\">[23]<\/a> Dementsprechend wird mit dem Inhalt umgegangen, denn die dort abgedruckten \u201eprinted matter\u201d werden nicht als Wegwerfprodukte behandelt, die mit der n\u00e4chsten Magazinausgabe in Vergessenheit geraten. Ihnen wird viel Raum gegeben, indem vor allem die \u00dcberschriften f\u00fcr jedes Kapitel\/jedes Werk, aber auch die neu gesetzten Texte besonders gro\u00df gedruckt sind. In schlichtem, hochgl\u00e4nzendem Wei\u00df gleicht <i>For Publication<\/i> selbst einem dreidimensionalen Ausstellungsst\u00fcck. <i>Homes for America<\/i>, das als zweidimensionale Intervention gegen die Galerie und den Status des Kunstobjekts seinen Weg begonnen hatte, ist Teil eines Designobjekts geworden.<\/p>\n<p><strong>Variante #11:<i><u> Articles<\/u><\/i>, 1978<\/strong><\/p>\n<p>Rudi H. Fuchs (sp\u00e4ter Direktor der documenta 7) holt Dan Graham 1978 in die Niederlande, um ihn dort im Van Abbemuseum in Eindhoven zu pr\u00e4sentieren. Es entsteht ein aufw\u00e4ndiges K\u00fcnstlerbuch mit dem schlichten Titel <i>Articles<\/i>. Es enth\u00e4lt eine Auswahl kunsttheoretischer und popkultureller Texte Grahams und <i>Homes for America<\/i>. Auch dieses Mal wird <i>Homes for America<\/i> an die \u00fcbrigen Texte angeglichen, dennoch wird seine besondere Bedeutung durch das Ausma\u00df, das <i>Homes for America<\/i> in <i>Articles<\/i> einnehmen darf, deutlich. \u00dcber zehn Jahre nach der Erstver\u00f6ffentlichung, als der Essay gerade einmal eine Seite und eine halbe Spalte lang war, ist er bedeutungsschwanger auf sechs Seiten ausgedehnt.<\/p>\n<div id=\"attachment_2235\" style=\"width: 250px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2235\" rel=\"attachment wp-att-2235\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2235\" class=\"size-medium wp-image-2235\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-14-Articles-1978-1-240x300.jpg\" alt=\"Abb. 14: Dan Graham, Homes for America, Articles, Van Abbemuseum, Eindhoven 1978, S. 5.\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-14-Articles-1978-1-240x300.jpg 240w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-14-Articles-1978-1-821x1024.jpg 821w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2235\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 11: Dan Graham, Homes for America, Articles, Van Abbemuseum, Eindhoven 1978, S. 5.<\/p><\/div>\n<p>\u201eHomes for America\u201c ist neu gesetzt und steht einzeilig, gro\u00df, schwarz und zentriert auf dem wei\u00dfen Papier. Auf der folgenden Seite sind zwei einstimmende Elemente platziert: oben ein fotografisches Bild, unten ein Schriftbild. Die Fotografie, wie alle weiteren in dieser Variante, hat Homes for America in der Vergangenheit schon visuell begleitet. Der Textblock am unteren Seitenrand korrespondiert optisch, der Text stammt allerdings nicht von Dan Graham, sondern ist ein Kommentar von Fuchs und steht dennoch innerhalb des Layouts. F\u00fcr den ausgewogenen Gesamteindruck nimmt Dan Graham wieder einige Fotografien aus der Komposition heraus, die den Artikel manches Mal \u00fcberfrachtet hatten und kreiert Orte, an denen das Auge verweilen kann.<\/p>\n<p>Graham entscheidet sich, die Parodie auf eine Farbprobe mit in diese Version aufzunehmen, jedoch handelt es sich nicht um die einfache \u00dcbernahme des schwarzen Balkens, sondern um ein gr\u00e4uliches Rechteck, das nun tats\u00e4chlich dem Farbton \u201eMoonstone Grey\u201c entsprechen k\u00f6nnte. Unter die vergleichsweise neue Abbildung f\u00fcgt Graham \u201eThe Serenade\u201c der Florida <i>Cape Coral<\/i> Agentur ein, jene Abbildung, welche seit zw\u00f6lf Jahren mit <i>Homes for America<\/i> assoziiert wird. F\u00fcr die anschlie\u00dfende Seite \u00fcbernimmt Graham aus <i>For Publication<\/i>, Schrift und Bild so zu verteilen, dass die Buchstabens\u00e4ulen neben die \u201eLike\u201cs und \u201eDislike\u201cs r\u00fccken.<\/p>\n<div id=\"attachment_2236\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2236\" rel=\"attachment wp-att-2236\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2236\" class=\"size-large wp-image-2236\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-15_Articles-1024x614.jpg\" alt=\"Abb. 15: Dan Graham, Homes for America, Articles, Van Abbemuseum, Eindhoven 1978, S. 6, 7.\" width=\"640\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-15_Articles-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-15_Articles-300x180.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-15_Articles.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2236\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 12: Dan Graham, Homes for America, Articles, Van Abbemuseum, Eindhoven 1978, S. 6, 7.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_2237\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=2237\" rel=\"attachment wp-att-2237\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2237\" class=\"size-large wp-image-2237\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-16_Articles-1024x614.jpg\" alt=\"Abb. 16: Dan Graham, Homes for America, Articles, Van Abbemuseum, Eindhoven 1978, S. 8, 9.\" width=\"640\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-16_Articles-1024x614.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-16_Articles-300x180.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Abb.-16_Articles.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2237\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 13: Dan Graham, Homes for America, Articles, Van Abbemuseum, Eindhoven 1978, S. 8, 9.<\/p><\/div>\n<p>Die vorletzte Seite enth\u00e4lt keinen Flie\u00dftext, sondern gro\u00dfe Abz\u00fcge der zwei Fotografien, die die parallelen Hauseing\u00e4nge dokumentieren. Graham setzte sie erstmals im \u201aFake\u2018-Artikel in <i>End Moments<\/i> (1969) ein, um die Geschichte des Artikels r\u00fcckwirkend zu \u00e4ndern und um dessen vermeintlich intendiertes Aussehen wiederzugeben. Damals wirkten die Bilder klein und formatiert in eine Spalte gepresst wie fotografische Entsprechungen der treppenden Listen und parallelen Spalten und stellten so Bez\u00fcge zwischen geschriebenem und abgebildetem Inhalt her. In <i>Articles<\/i> scheinen sie aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr sich zu stehen und keine (nur) unterst\u00fctzende Funktion zu haben. Mehr denn je ist der Betrachter geneigt an Fotojournalismus zu denken. Die letzte Seite beschlie\u00dfen die restlichen Zeilen des Artikels. Unter, \u00fcber und rechts des kurzen Abschnitts breitet sich das Wei\u00df des Papiers aus \u2013 die <i>Homes for America<\/i>-Variante in <i>Articles<\/i> kommt einer Vers\u00f6hnung aller bisherigen Versionen gleich.<\/p>\n<p><i>Homes for America <\/i>von 1978 endet ohne vorzugeben ein Reprint aus einer Zeitschrift zu sein. Mehr noch: der Kommentar, dem Flie\u00dftext vorgeschaltet, enth\u00fcllt bereits das Geheimnis, noch bevor der Leser mit der Lekt\u00fcre beginnt. Dort beschreibt Fuchs knapp den Hergang der Initialver\u00f6ffentlichung von <i>Homes for America<\/i>. Er erw\u00e4hnt die Dia-Show \u201eProjected Art\u201c, den Vorschlag des <i>Arts Magazine<\/i>s, die Bilder zu ver\u00f6ffentlichen und enth\u00fcllt: \u201e[&#8230;] in the December-January issue 1966-67, they had removed all but one photograph, thus destroying the author&#8217;s original intention.\u201c<a id=\"_ednref24\" title=\"\" href=\"#_edn24\">[24]<\/a> Von diesem Zeitpunkt an wird Dan Graham keine Publikation des Essays mehr als Original-Layout tarnen und beendet das Verwirrspiel.<a id=\"_ednref25\" title=\"\" href=\"#_edn25\">[25]<\/a><\/p>\n<p><strong>IV.<\/strong><\/p>\n<p>Dan Graham h\u00e4lt sich gestalterisch durchweg an die Magazinform, jedoch ver\u00e4ndern sich mit den Publikationsbedingungen die Materialit\u00e4t des Tr\u00e4germediums und der Raum, der <i>Homes for America<\/i> zunehmend gegeben wird \u2013 sei es durch die Ausdehnung auf mehrere Seiten oder durch die Vergr\u00f6\u00dferung des Formats. Das jeweilige Ausma\u00df des Artikels ist nicht zuletzt der Anzahl der verwendeten Fotografien geschuldet. Generell w\u00e4hlt Graham f\u00fcr alle verschiedenen Versionen aus denselben acht Bildern aus.<a id=\"_ednref26\" title=\"\" href=\"#_edn26\">[26]<\/a> Die Fotos wirken zudem auch \u00fcber die Artikel-Varianten hinaus, insofern sie ohne den Graham-Text rezipiert werden, in anderen Zusammenh\u00e4ngen abgedruckt sind, \u201eOriginale\u201c sowie Abz\u00fcge mittlerweile weite Distribution erfahren haben und bis heute weitere Aufnahmen angefertigt werden, die gemeinsam mit den \u201ealten\u201c <i>Homes for America<\/i> unter dem selben Titel gezeigt werden.<\/p>\n<p>Was als Fake-Reportage f\u00fcr ein Massenmedium begann, gelang anschlie\u00dfend in ein limitiertes K\u00fcnstlerbuch und von dort aus, \u00fcber kunsthandwerkliche Reproduktionen, schlie\u00dflich in einen Museumskatalog. <i>Homes for America<\/i> ist als <i>eine<\/i> Arbeit zu behandeln, welche aus gleichberechtigten Segmenten besteht und dessen Reiz aus der Verstrickung und der Wiederholung entsteht und nicht aus der vermeintlichen Radikalit\u00e4t des schnell zusammengeschriebenen Essays in den sp\u00e4ten 1960er Jahren.<a id=\"_ednref27\" title=\"\" href=\"#_edn27\">[27]<\/a> Erst mit den Wiederholungen, besser gesagt <i>nach<\/i> ihnen, entsteht das Bewusstsein um ein \u201eOriginal\u201c. So kann der Artikel im <i>Arts Magazine<\/i> nur retroaktiv zur Inkunabel der Konzeptkunst werden \u2013 N\u00e4mlich erst dann, wenn er Ausstellungsobjekt, Sammlerst\u00fcck und wissenschaftlicher Gegenstand geworden ist.<\/p>\n<div style=\"font-size: 0.8em;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><a id=\"_edn1\" title=\"\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> 1966, in: Arts Magazine, Vol. 41, Nr. 3, Dezember 1966-Januar 1967, New York 1966, S. 21-22.<\/p>\n<p>1970, in: Dan Graham, End Moments, New York 1969\/70, S. 43.<\/p>\n<p>1970, in: 1966, John Gibson Gallery, New York 1970, o.S.<\/p>\n<p>1971, in: Interfunktionen, Nr. 7, K\u00f6ln 1971, S. 65-67.<\/p>\n<p>1971, Lithografie, Nova Scotia College of Art &amp; Design, Halifax, 1971.<\/p>\n<p>1972, in: Dan Graham, Selected Works. 1965-1972, Lisson Gallery, London 1972, o.S.<\/p>\n<p>1972, Foto Off-Set Print, Privatsammlung Daled, Br\u00fcssel 1972.<\/p>\n<p>1974, in: Dan Graham, Textes, Galerie 17, Paris 1974, o.S.<\/p>\n<p>1975, in: Dan Graham, For Publication, Otis Art Institute of Los Angeles, Los Angeles 1975. S. 15-18.<\/p>\n<p>1976, in: Dan Graham, Kunsthalle Basel, Basel 1976, S. 18,19\/20\/21.<\/p>\n<p>1978, in: Dan Graham: Articles, Van Abbemuseum, Eindhoven 1978, S. 5-10.<\/p>\n<p><a id=\"_edn2\" title=\"\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Erstmals abgedruckt in: Art &amp; Language, Vol. 1, Nr. 1, Mai 1969, S. 11-13 ver\u00f6ffentlicht. Seine <i>Paragraphs on Conceptual Art<\/i> erscheinen in: Artforum, Vol. 5, Nr. 10, 1967, S. 56-57.<\/p>\n<p><a id=\"_edn3\" title=\"\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> Vgl. Mike Metz &amp; Dan Graham: Dan Graham, in: BOMB, Vol. 46 (Winter 1994), New York 1994, S. 2, URL: http:\/\/bombsite.com\/issues\/46\/articles\/1722 [10.9.2015].<\/p>\n<p><a id=\"_edn4\" title=\"\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Vgl. Benjamin H. D. Buchloh, Conceptual Art 1962.1969: From the Aesthetics to Critique of Institutions, in: OCTOBER, Vol. 55 (Winter 1990), Cambridge 1990, S. 123.<\/p>\n<p><a id=\"_edn5\" title=\"\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> Vgl. Mark Wigley: The Reluctant Artist, in: Craig Buckley &amp; Mark Wasiuta (Hrsg.): Dan Graham\u2019s New Jersey, New York 2012, S. 92.<\/p>\n<p><a id=\"_edn6\" title=\"\" href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> Vgl. Gloria Moure: Dan Graham, in the Third Discontinuity, in: dies. (Hrsg.): Dan Graham, Barcelona \/Santiago de Compostela 1998, S.13-18.<\/p>\n<p><a id=\"_edn7\" title=\"\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Die Ausstellung fand vom 8. Dezember 1966 &#8211; 8. Januar 1967 im Finch College Museum of Art statt, kuratiert von Elayne Varian. Vgl. Rhea Anastas: Chronology of Works and Writings 1965-2000, in: Marianne Brouwer (Hg.), Dan Graham. Works 1965-2000, D\u00fcsseldorf 2001, S. 102.<\/p>\n<p><a id=\"_edn8\" title=\"\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Dan Graham im Interview mit Mark Wasiuta (8. Februar 2007). Vgl. Mark Wasiuta &amp; Dan Graham: Interview, in: Craig Buckley &amp; Mark Wasiuta (Hg.), Dan Graham\u2019s New Jersey, New York 2012, S. 104-105.<\/p>\n<p><a id=\"_edn9\" title=\"\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> Das Bild befindet sich dort auf der Doppelseite 27 des zweiten Teils und ist mit \u201eWooden Houses, Boston, Massachusetts, 1930\u201c betitelt. Vgl. Evans, Walker, American Photographs, New York 1938 \/ hier: F\u00dcNFUNDSIEBZIG JAHRE AMERICAN PHOTOGRAPHS. Die Jubil\u00e4umsausgabe des Department of Publications, The Museum of Modern Art, New York \/ M\u00fcnchen 2012, S. 27.<\/p>\n<p><a id=\"_edn10\" title=\"\" href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Vgl. Wasiuta &amp; Graham 2007, S. 105.<\/p>\n<p><a id=\"_edn11\" title=\"\" href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> Vgl. Graham 1969\/70.<\/p>\n<p><a id=\"_edn12\" title=\"\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Vgl. Graham 1969\/70, S. 42.<\/p>\n<p><a id=\"_edn13\" title=\"\" href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> Die Variante \u00fcbernimmt zwar das Aussehen eines Zeitschriftenaufsatzes, nicht aber die Nennung des Magazintitels und der Ausgabennummer am rechten unteren Seitenrand. Der Verweis auf <i>das Arts Magazine<\/i> erfolgt erst bei den \u201eCredits\u201c am Katalogende: \u201e&#8217;HOMES FOR AMERICA&#8217; first published: ARTS MAGAZINE, December-January, 1966-67\u201c.<\/p>\n<p><a id=\"_edn14\" title=\"\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Dan Graham: <i>Homes for America<\/i>, in: <i>Interfunktionen<\/i>, Nr. 7, 1971, S. 65-67. <i>Interfunktionen<\/i> erscheint von 1968\u201375 in K\u00f6ln. Es soll <i>in<\/i> der Zeitschrift Kunst stattfinden und diese demgem\u00e4\u00df gestaltet werden. Das \u201edirekte\u201c Layout besteht mitunter aus Originalen und Faksimiles, welche folglich auf unterschiedlichem Papier gedruckt sind und somit eine heterogene Erscheinung und Haptik bedingen. Dass <i>Interfunktionen<\/i> r\u00fcckblickend die ma\u00dfgeblichen K\u00fcnstler jener Jahre vereint, erkl\u00e4rt Heubach r\u00fcckblickend mit Empfehlungen, welche er von (K\u00fcnstler-) Freunden erhielt \u2013 allen voran Dan Graham. Vgl. Friedrich W. Heubach, Interfunktionen 1968-1957, in: Gloria Moure (Hg.): Behind the facts. Interfunktionen 1968-1975, Barcelona 2004, S. 46 und S. 50-51.<\/p>\n<p><a id=\"_edn15\" title=\"\" href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> In <i>Interfunktion<\/i> ist demnach der englische Text abgedruckt. F\u00fcr sp\u00e4tere Versionen in Paris (1974) und in Basel (1976) ordnet Graham \u00dcbersetzungen in Franz\u00f6sisch und Deutsch an. Der Grund f\u00fcr die Wiederverwendung des schon existierenden Druckmaterials k\u00f6nnte in der unsteten finanziellen Lage von <i>Interfunktionen<\/i> zu finden sein. Vgl. Heubach 2004, S. 51.<\/p>\n<p><a id=\"_edn16\" title=\"\" href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> 1982 ver\u00f6ffentlicht die NSCAD Press einen Katalog, der u.a. Reproduktionen der am College entstandenen Lithografien und die Publikationen des Verlags listet. F\u00fcr <i>Homes for Amerika<\/i> lautet die Angabe: \u201cOne colour lithograph, 22\u201d x 30\u201d, image size 18\u201d x 18\u201d, Edition of 50 on Arches paper, 1971, NSCAD Print \u2018143\u201d Vgl. \u201cPrints from the Collection\u201d, in: NSCAD: The Nova Scotia College of Art &amp; Design(Hg.) prints and books, Nova Scotia College of Art &amp; Design, Halifax 1982, S. 29. Die Lithografie scheint zwischen dem 19. Februar und dem 10. Mai 1971 verwirklicht worden zu sein. So lautet zumindest die Bildunterschrift zu einer Abbildung der Lithografie in einem Interview zwischen Graham und Hans Ulrich Obrist. Vgl. Hans Ulrich Obrist, Dan Graham, The Conversation Series, Bd. 25, K\u00f6ln 2012, S. 108.<\/p>\n<p><a id=\"_edn17\" title=\"\" href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Au\u00dferdem sind all jene Listen, die nicht zentriert sind (das hei\u00dft alle au\u00dfer den Buchstabenpermutationen), nun nicht mehr wie in der Zeitschrift von 1966\/67 einger\u00fcckt, sondern am Spaltenrand ausgerichtet. (In <i>Interfunktion<\/i> war die Ortsliste auch schon an den Spaltenrand ger\u00fcckt.)<\/p>\n<p><a id=\"_edn18\" title=\"\" href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> Robert Smithson benennt Arbeiten, welche aus einer solchen Praxis entstehen, als \u201eLanguage to be looked at and\/or things to be Read\u201c. Sprache werde gleich Objekten behandelt \u2013 sie k\u00f6nne angesehen werden, angeh\u00e4uft, aufeinander gebaut und umher bewegt werden \u2013 genauso wie umgekehrt mit Objekten gleich wie mit Worten verfahren werde, indem man sie lesen und interpretieren k\u00f6nne. Er erkl\u00e4rt: \u201eLanguage operates between literal and metaphorical signification. The power of a word lies in the very inadequacy of the context it is placed, in the unresolved or partially resolved tension of disparates.\u201c Smithson erkl\u00e4rt zudem: \u201eMy sense of Language is that it is matter and not ideas \u2013 i.e. \u201eprinted matter.\u201c\u201c Vgl. Robert Smithson, <i>Language to be Looked at and\/or Things to be Read<\/i>, Dwan Gallery Press Release, Juni 1967, in: Smithson 1996, S. 61.<\/p>\n<p><a id=\"_edn19\" title=\"\" href=\"#_ednref19\">[19]<\/a> Vgl. Eric Cameron, The Institution in Proportion \u2013 Why NSCAD Works, in: NSCAD: The Nova Scotia College of Art &amp; Design 1982, S. 22. Ob dem exakt so gewesen ist bleibt zu bezweifeln. Zum einen ist zu bedenken, dass Graham die \u00dcberschrift nicht erdacht hat. Zum anderen stellt sich die Frage, inwieweit Graham die Magazin-Typografie, deren Schriftgr\u00f6\u00dfe usw. bedacht haben k\u00f6nnte und vor allem an welcher Stelle der Artikel in der Zeitschrift gestanden h\u00e4tte.<\/p>\n<p><a id=\"_edn20\" title=\"\" href=\"#_ednref20\">[20]<\/a> Die Bildunterschriften verraten, dass es sich um Interieurs von Modellh\u00e4usern handelt, also um R\u00e4umlichkeiten, die nicht von Privatleuten nach ihrem Geschmack eingerichtet sind. Den Informationscharakter, der die Au\u00dfen- und Innenaufnahmen (inkl. Bildunterschriften) auszeichnet, ist durch die zwei nicht von Graham aufgenommenen Bilder erg\u00e4nzt. Eine der Abbildungen ist der Ausschnitt \u201eThe Serenade\u201c \u2013 aus einer vorherigen Version herausgeschnitten und daher als einziges Bild schwarz-wei\u00df \u2013 und ein Farbbeispiel \u201eLAWN GREEN\u201c. Das kleine, gr\u00fcne Rechteck ist innerhalb der Aufz\u00e4hlung der Fassadenfarben platziert. In der Lithografie am NSCAD hatte Graham bzw. der Workshop auch schon ein solchen Rechteck eingef\u00fcgt. Damals war es \u201eMoonstone Grey\u201c gewesen, ein Farbton der bei einem unfarbigen Druckergebnis trotzdem getroffen werden konnte. Die Beschriftung \u201eLAWN GREEN\u201c wurde nicht per Hand auf das Tr\u00e4gerblatt geschrieben, sondern gedruckt, ausgeschnitten und aufgeklebt.<\/p>\n<p><a id=\"_edn21\" title=\"\" href=\"#_ednref21\">[21]<\/a> Dan Graham : \u201e[&#8230;] what I was doing with Homes for America [&#8230;]was a parody of a serious article in Esquire by a sociologist together with a good photographer, bemoaning the banality of the suburbs\u201c. Vgl. Obrist 2012, S. 112.<\/p>\n<p><a id=\"_edn22\" title=\"\" href=\"#_ednref22\">[22]<\/a> So hat bspw. die \u00dcberschrift ohne den Untertitel vorher nie existiert und auch die Buchstabenpermutationen mussten erneut zusammengef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p><a id=\"_edn23\" title=\"\" href=\"#_ednref23\">[23]<\/a> Ein Artikel Dan Grahams, der 1986 im <i>Museumjournaal <\/i>(Otterloo) erscheint, gibt &#8211; wieder einmal aus der Retrospektive &#8211; Hinweise auf eine Auslegung. In <i>Art as Design\/Design as Art<\/i> trachtet Graham danach, die Beziehung zwischen der Amerikanischen Pop Art und Fragen des Designs zu er\u00f6rtern, da er jene Verbindungen durch die Kunstwissenschaft als versch\u00fcttet annimmt. In dem letzten Abschnitt des Artikels untersucht Graham John Knights Journal Piece, um unter anderem zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass Kunstobjekte mitunter validiert werden, indem sie in Hochglanzmagazinen reproduziert und in ein wohl designtes Setting eingesetzt sind. Vgl. Dan Graham: Art as Design\/Design as Art, Museumjournaal, no. 3-4, Otterloo 1986, S. 183-193. Wieder abgedruckt in: Dan Graham, Rock My Religion. Writings and Art Projects. 1965-1990 (ed. Brian Wallis), MIT Press, Cambridge 1993, S. 208-221.<\/p>\n<p><a id=\"_edn24\" title=\"\" href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> Vgl. Kommentar von Rudi H. Fuchs, in: Graham<i> <\/i>1978, S. 6.<\/p>\n<p><a id=\"_edn25\" title=\"\" href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Hier beschlie\u00dft auch Mark Wigley den \u201aZyklus\u2018, Rainer Metzger hingegen z\u00e4hlt die Version in Dan Grahams <i>Rock My Religion<\/i> (1993) noch dazu. Vgl. Wigley 2102 und das Werkverzeichnis in: Rainer Metzger, Kunst in der Postmoderne: Dan Graham, K\u00f6ln 1996.<\/p>\n<p><a id=\"_edn26\" title=\"\" href=\"#_ednref26\">[26]<\/a> Lediglich in der mit farbigen Abz\u00fcgen ausgestatteten Anfertigung f\u00fcr Herman Daled finden sich Fotos, die nur dort im Zusammenhang mit<i> Homes for America<\/i> zu sehen sind.<\/p>\n<p><a id=\"_edn27\" title=\"\" href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> Mark Wigley hat das Ph\u00e4nomen <i>Homes for America<\/i> richtig erkannt, wenn er schreibt:<\/p>\n<p>\u201e[&#8230;] the most radical dimension of Homes for America is systematically overlooked. It is not just that the photos never appeared in Arts Magazine. [\u2026] but the fact that a whole series of versions was produced, each which appears to show the original publication [\u2026].Homes for America can itself be seen as a serial work that follows its own description of the suburbs, with each variation of the essay having the same status as any version of a house in a tract development.\u201c Vgl. Wicgley 2012, S. 91. Mit der Einschr\u00e4nkung, dass nicht alle Varianten das<i> Arts Magazine<\/i> vorgaukeln, insofern manche den Zeitschriftenverweis nicht enthalten.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Der Ursprung von Dan Grahams ber\u00fchmter Werkreihe Homes for America liegt in einer Zeitschriftenarbeit aus der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre. 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