{"id":1545,"date":"2013-10-06T22:32:30","date_gmt":"2013-10-06T20:32:30","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=1545"},"modified":"2013-10-17T14:08:01","modified_gmt":"2013-10-17T12:08:01","slug":"editorial-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=1545","title":{"rendered":"Editorial"},"content":{"rendered":"<p>Den scheinbar so einheitlichen wie unab\u00e4nderlichen Weltlauf als zusammengest\u00fcckelte Montage aufzudecken war jene Kraft, die Walter Benjamin zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Film zusprach. Sobald das Geschehen sich als \u201egemachtes\u201c, k\u00fcnstlich zusammengesetztes zeige, w\u00fcrden wir \u2013 so die Hoffnung \u2013 sehen, wie wir in die Str\u00f6mung eingreifen und sie umleiten k\u00f6nnen anstatt von ihr fortgetragen zu werden. Dass die \u00c4sthetik den Bereich der Wahrnehmung, des Sch\u00f6nen und der Vorstellung nicht dauerhaft von Politik, Geschichte und Ethik w\u00fcrde abgrenzen k\u00f6nnen, war bereits in der kantischen Formulierung der \u00e4sthetischen Freiheit angelegt. Diese \u00dcberkreuzung erzeugt eine Tendenz zur Selbst\u00fcberschreitung in Kunst und \u00c4sthetik und gibt so einen Ansto\u00df f\u00fcr die gro\u00dfe Bandbreite von Themen und Methoden, die all-over in jeder Ausgabe zusammenzuf\u00fchren sucht.<\/p>\n<p>Julia Haugeneder untersucht ausgehend von Walter Benjamin und Siegfried Kracauer das gesellschaftspolitische Potenzial der Videoinstallation und geht der Forderung nach der Aktivierung der RezipientInnen auf den Grund. Diese Forderung \u2013 von Boris Groys aktualisiert \u2013 skizziert eine aktiv-reflektierte Rezeption als selbstbestimmten Parcours durch unkalkulierbare Videoloops.<\/p>\n<p>Unter anderen Vorzeichen nimmt Martina Tritthart den beweglichen K\u00f6rper im Raum in den Blick. Die Schattenprojektionen und Wahrnehmungsr\u00e4ume von Maria Nordman und Nan Hoover thematisieren R\u00e4umlichkeit als umh\u00fcllende, atmosph\u00e4rische Qualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Sybille Kr\u00e4mers Konzept der Schriftbildlichkeit kennzeichnet die spezifische R\u00e4umlichkeit der Schrift als operationales Feld. Christine Brandner hat f\u00fcr uns die Philosophin zur <i>Schrift als Instrument der Erkenntnis<\/i> befragt.<\/p>\n<p>Angelika Seppi besch\u00e4ftigt sich in ihrem Beitrag mit der Imitation von Bewegung, Leben und l\u00e4ngst \u00fcberholter Filmtechnik. Ihre Rezension zur diesj\u00e4hrigen Ausstellung im \u00f6sterreichischen Pavillon der Venedig Biennale verortet den dort gezeigten Animationsfilm von Mathias Poledna im Gravitationsfeld der zeitgen\u00f6ssischen Kunstmaschinerie zwischen Markt, Unterhaltung und Kritik.<\/p>\n<p>Mit einem Promemoria w\u00fcrdigt Stefanie Br\u00e4uer Ad Reinhardt zum 100. Geburtstag. Die Reinheit der Malerei, die Reinhardt in seinen <i>black paintings<\/i> zum Ende f\u00fchrte, konterkariert sie mit den kritischen Texten und Kommentaren des K\u00fcnstlers, der seine Position nicht nur metaphysisch, sondern auch pragmatisch-taktisch abzustecken wusste.<\/p>\n<p>Die Gleichzeitigkeit verschiedener Str\u00f6me sowie die Spannungen und Abweichungen dazwischen werden nicht zuletzt in der Bildstrecke thematisch, die innerhalb dieser Ausgabe in Form zweier selbst\u00e4ndiger Teile erscheint. Die K\u00fcnstler Rafael Lutter und Max Lei\u00df nutzen das digitale Zeitschriftenformat von all-over erg\u00e4nzend zu ihrer aktuellen Ausstellung <em>Str\u00f6mungsabriss<\/em> im Ausstellungsraum Klingental in Basel.<\/p>\n<p>In eigener Sache freut es uns mitzuteilen, dass Barbara Reisinger seit diesem Sommer dauerhaftes Mitglied unserer Redaktion in Wien ist.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Hannah Bruckm\u00fcller | J\u00fcrgen Buchinger | Dominique Laleg | Barbara Reisinger<\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den scheinbar so einheitlichen wie unab\u00e4nderlichen Weltlauf als zusammengest\u00fcckelte Montage aufzudecken war jene Kraft, die Walter Benjamin zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Film zusprach. 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