{"id":1408,"date":"2013-03-28T22:11:50","date_gmt":"2013-03-28T20:11:50","guid":{"rendered":"http:\/\/allover-magazin.com\/?p=1408"},"modified":"2013-03-28T22:11:50","modified_gmt":"2013-03-28T20:11:50","slug":"rainer-fettings-fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/allover-magazin.com\/?p=1408","title":{"rendered":"Rainer Fettings Fotografie"},"content":{"rendered":"<p>Anfang der 1980er Jahre z\u00e4hlte Rainer Fetting (* 1949) zu den bekanntesten Malern der damals aufstrebenden \u201eJungen Wilden\u201c. Die Werke des Absolventen der Berliner Hochschule der K\u00fcnste wurden auf bedeutenden Ausstellungen wie \u201eA New Spirit in Painting\u201c 1981 in der Londoner Royal Academy gezeigt und Fetting wurde von wichtigen Galeristen wie Mary Boone in New York vertreten. Selbst als Ende der 1980er Jahre die \u201eHeftige Malerei\u201c an Popularit\u00e4t verlor, blieb der K\u00fcnstler weiterhin \u2013 wenngleich auch etwas weniger prominent \u2013 auf dem Kunstmarkt pr\u00e4sent. Dies wurde unter anderem durch wichtige Skulpturauftr\u00e4ge gef\u00f6rdert, wie zum Beispiel 1996 die Plastik Willy Brandts in der SPD-Parteizentrale in Berlin und seit 2005 die Bronzeplastik f\u00fcr den Henri-Nannen-Preis.<b><i> <\/i><\/b>Zurzeit werden Rainer Fettings seit den fr\u00fchen 1970er Jahren entstandenen Fotografien wieder lanciert. Anl\u00e4sslich einer fast f\u00fcnfhundert Seiten umfassenden Publikation mit rund f\u00fcnfhundert Fotografien Fettings wird in der Galerie Deschler ab dem 19. Oktober 2012 eine vom K\u00fcnstler selbst getroffene Auswahl an Aufnahmen aus verschiedenen Schaffensphasen in einer bis zum 16. Februar 2013 verl\u00e4ngerten Einzelausstellung pr\u00e4sentiert.<a title=\"\" href=\"#edn1\">[1]<\/a> Die Fotografien illustrieren nicht nur Fettings k\u00fcnstlerisches Lebensumfeld und unterst\u00fctzen sowie dokumentieren die Entstehung seiner Gem\u00e4lde und Skulpturen, sondern sollen auch als \u201ek\u00fcnstlerische Werke f\u00fcr sich\u201c stehen.<a title=\"\" href=\"#edn2\">[2]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_1415\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=1415\" rel=\"attachment wp-att-1415\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1415\" class=\"size-large wp-image-1415\" alt=\"Ausstellungsansicht Galerie Deschler, Berlin.\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-1-1024x682.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-1-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-1-300x199.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-1.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1415\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Ausstellungsansicht Galerie Deschler, Berlin.<\/p><\/div>\n<p>Wenn man von der entspannten Shopping- und Flanieratmosph\u00e4re der Auguststra\u00dfe in Berlin-Mitte kommend die Galerie betritt, wird man zun\u00e4chst in eine wesentlich rasantere amerikanische Gro\u00dfstadtverkehrsatmosph\u00e4re Ende der 1970er Jahre versetzt. Denn im Eingangsbereich sind Farbaufnahmen zu sehen, die w\u00e4hrend Fettings erstem Aufenthalt in New York entstanden sind. Sie werden als gro\u00dfformatige C-Prints auf Aludibond in mehrteiligen Friesen pr\u00e4sentiert. Auf bekannten Br\u00fccken fotografierte Fetting aus einem Taxi heraus den Blick auf die New Yorker Stadtsilhouette, auf andere Autos und ein anderes Taxi mit dem signifikanten \u201acheckered band\u2018. Der Titel der ersten Aufnahme \u201eFlucht aus New York\u201c der dreiteiligen Folge verweist auf einen biographischen Hintergrund der Fotos, n\u00e4mlich Fettings \u00fcberst\u00fcrzte Abreise aus den USA aufgrund zu erwartender Repressionen wegen seines homosexuellen Lebenswandels. In einem zweiten Fries werden Aufnahmen von damals popul\u00e4ren wuchtigen Trucks mit Selbstportraits von Fetting im New Yorker Stra\u00dfengewirr konfrontiert. Dar\u00fcber hinaus hat Fetting Aufnahmen von sich selbst in der damals weitaus weniger sicheren und chaotischeren Subway gemacht und nun als vierteilige Folge arrangiert. Grob gew\u00e4hlte Ausschnitte, bewusst eingesetzte Unsch\u00e4rfen, die filmschnittartige Reihung der Aufnahmen und Anleihen bei Filmen von Martin Scorsese sollen anscheinend<b> <\/b>bei den Fotosequenzen Dynamik und Spannung erzeugen.<b><i><\/i><\/b><\/p>\n<div id=\"attachment_1412\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=1412\" rel=\"attachment wp-att-1412\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1412\" class=\"size-medium wp-image-1412 \" alt=\"Rainer Fetting, Claus G\u00e4ssler, Pilatus, 1982, C- Print auf Aludibond, 100 x 150 cm, Ex. 1\/3.\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-2-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-2-200x300.jpg 200w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-2-684x1024.jpg 684w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-2.jpg 855w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1412\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Rainer Fetting, Claus G\u00e4ssler, Pilatus, 1982, C- Print auf Aludibond, 100 x 150 cm, Ex. 1\/3.<\/p><\/div>\n<p>Im anschlie\u00dfenden Galeriebereich werden unterschiedlich gro\u00dfe Einzelaufnahmen in \u201aPetersburger H\u00e4ngung\u2018 gezeigt. Die Fotografien sind von 1974 bis nach der Jahrtausendwende entstanden. Durch die dargestellten Weggef\u00e4hrten und bevorzugten Modelle sowie Liebhaber und Freundinnen Fettings haben sie einen eher privaten und oft intimen Charakter. Fetting partizipierte an der gleichgeschlechtlichen Bewegung in Berlin und den Bem\u00fchungen um die Abschaffung des Paragraphen 175. Besonders bekannt ist Fetting f\u00fcr seine m\u00e4nnlichen Aktdarstellungen, mit denen er gleichgeschlechtliche Erotik auf betont nat\u00fcrliche Weise darstellen will. Mit dieser Intention hat er den K\u00fcnstler Salom\u00e9 und Claus G\u00e4ssler unbekleidet in spontanen und verspielt-frivolen Fotografien festgehalten (Abb. 2). Zuvor waren in der Kunstgeschichte zumeist Frauenakte Tr\u00e4ger m\u00e4nnlicher Begierde. Mit ihrem amateurhaften Charakter unterscheiden sich Fettings Aufnahmen deutlich von den betont inszenierten und technisch perfekten Aktfotografien von Robert Mapplethorpe. Einen direkteren Affront gegen die hegemoniale Heterosexualit\u00e4t stellen Bilder von Fetting mit Salom\u00e9 in Frauenkleidern und von dem bekannten Modell Desmond Cadogan als Drag Queen dar. Nicht nur aufgrund der Travestiethematik, sondern unter anderem auch wegen der autobiographischen Bez\u00fcge liegt nat\u00fcrlich ein Vergleich von Fettings Aufnahmen mit Nan Goldins Fotografien der amerikanischen Subkultur nahe. Goldin hat jedoch gr\u00f6\u00dfere kompositorische und technische Anspr\u00fcche als Fetting. Zudem geht die amerikanische Fotografin mit eindr\u00fccklichen Schlafzimmerszenen, wo Paare ohne Blick- und teilweise ohne K\u00f6rperkontakt zu sehen sind, sowie melancholischen Einzeldarstellungen auch auf Schattenseiten<b> <\/b>wie k\u00f6rperliche und seelische Unerf\u00fclltheit ein. Auch konnte Goldin mit ihren sehr pers\u00f6nlichen Aufnahmen AIDS-kranker Freunde zur Enttabuisierung der damals neuen Krankheit beitragen. Diese negativen Themen bleiben in den ausgestellten Aufnahmen Fettings g\u00e4nzlich ausgespart. Bei der Galeriepr\u00e4sentation ist zudem auff\u00e4llig, dass Fetting selbst im vorangeschrittenen Alter den gesellschaftlich sehr dominanten Jugendkult unterst\u00fctzt und sich nicht mit der Thematik des Alterns auseinandersetzt. So favorisiert er weiterhin betont junge und sch\u00f6ne Modelle und zeigt auff\u00e4llig viele Selbstportraits aus seiner fr\u00fchen Schaffensphase.<b><i><\/i><\/b><\/p>\n<p>Fettings sehr unkritisch wirkende Haltung wird auch an seinen Aufnahmen der Berliner Mauerumgebung deutlich, die in einem kleineren, hinteren Raum der Galerie Deschler pr\u00e4sentiert werden. So fotografierte der K\u00fcnstler 1975 den Berliner Grenz\u00fcbergang an der Heinrich-Heine-Stra\u00dfe als allt\u00e4gliches Faktum mit einer betont nachl\u00e4ssigen Aufnahme aus dem Fenster heraus. F\u00fcr den damals abgesehen von seiner Aufgeschlossenheit gegen\u00fcber der gleichgeschlechtlichen Emanzipation sehr unpolitischen Fetting stellte die Mauer ein Schutzschild dar, hinter dem sich eine liberale Subkultur und ein intensives Nachtleben entfalten konnten.<a title=\"\" href=\"#edn3\">[3]<\/a> Auf Fettings abendlicher Aufnahme \u201eMauer Sebastianstra\u00dfe Nacht\u201c (Abb. 3) aus dem Jahr 1978 ist so passenderweise die Mauer ins Dunkel geh\u00fcllt. Der Akzent liegt stattdessen auf den hell leuchtenden Stra\u00dfenlaternen. Die Bedeutung der Mauer f\u00fcr die Menschen auf der anderen Seite und den Ost-West-Konflikt klammert Fetting jedoch aus.<b><i><\/i><\/b><\/p>\n<div id=\"attachment_1413\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=1413\" rel=\"attachment wp-att-1413\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1413\" class=\"size-medium wp-image-1413\" alt=\"Rainer Fetting, Mauer Sebastianstra\u00dfe Nacht, Berlin 1978, C-Print auf Aludibond, 150 x 100 cm, Ex. 1\/9.\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-3-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-3-199x300.jpg 199w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-3.jpg 472w\" sizes=\"auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1413\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Rainer Fetting, Mauer Sebastianstra\u00dfe Nacht, Berlin 1978, C-Print auf Aludibond, 150 x 100 cm, Ex. 1\/9.<\/p><\/div>\n<p>Von den New Yorker Stadtansichten Fettings h\u00e4tte ein Motiv eine sorgf\u00e4ltiger komponierte Aufnahme verdient, um den besonders eindr\u00fccklichen Charakter noch besser entfalten zu k\u00f6nnen. Fetting besuchte nat\u00fcrlich auch die alten Piers in New York. Hier konnte sich in Fu\u00dfn\u00e4he zum World Trade Center eine alternative homosexuelle Subkultur in den 1970er Jahren entfalten. Die Piers dienten nicht nur als Cruising-Zone, sondern auch f\u00fcr die Realisierung von Kunstprojekten. Dies hat beispielsweise Alvin Baltrop in seinen lange kaum beachteten Fotografien dokumentiert. Fetting legt in einer Aufnahme der \u201eAlten Piers\u201c aus dem Jahr 1987 (Abb. 4) jedoch nicht den Akzent auf die subkulturellen Aktivit\u00e4ten, sondern auf den Kontrast zwischen den nahen Stadtbauten und den ruin\u00f6sen Pier-Strukturen, die als erhaben wirkender Freiraum erscheinen. Zu jener Zeit wurde die Pier-Gegend infolge der vielen AIDS-Opfer und der Angst vor HIV auch viel weniger f\u00fcr die gleichgeschlechtliche Kontaktsuche als fr\u00fcher genutzt.<b><i><\/i><\/b><\/p>\n<p>Im Untergescho\u00df der Galerie Deschler werden weitere Aufnahmen Fettings unter anderem aus New York pr\u00e4sentiert, die in den 1990er und 2000er Jahren entstanden sind. Aufnahmen von Taxis oder der n\u00e4chtlichen Skyline-Beleuchtung sind mit ihren Unsch\u00e4rfen betont malerisch inszeniert<b>. <\/b>\u00c4hnlich wie die auf den Fotos basierenden Gem\u00e4lde wirken sie jedoch trotzdem dekorativ und klischeehaft. Dar\u00fcber hinaus sind im Basement auch einige sp\u00e4tere U-Bahn-Aufnahmen Fettings zu sehen, die inspiriert sind von Mark Rothkos U-Bahn-Szenen aus der zweiten H\u00e4lfte der 1930er Jahre. \u00c4hnlich wie in Rothkos Gem\u00e4lden versucht Fetting die Subway-Architektur und ihre BenutzerInnen auf abstrahierende Weise in den Aufnahmen einzufangen, die als Vorlagen seiner U-Bahn-Gem\u00e4lde dienten. Fettings Hauptaugenmerk gilt den Formen und Proportionen der architektonischen Gegebenheiten, hinter denen die Menschen h\u00e4ufig schemenhaft zur\u00fccktreten. Eine lebendige Aufnahme stellt einen Mann dar, der von zwei Polizisten verfolgt wird. Diese Szene erinnert eher an die Tradition der New Yorker \u201eStreet Photography\u201c, die auch in der U-Bahn unter anderem von Walker Evans und Bruce Davidson praktiziert worden ist und nun in Christophe Agou einen w\u00fcrdigen Nachfolger gefunden hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_1414\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/allover-magazin.com\/?attachment_id=1414\" rel=\"attachment wp-att-1414\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1414\" class=\"size-large wp-image-1414\" alt=\"Rainer Fetting, Alte Piers, Blick zum West Side Highway, Hudson River, New York, 1987, C-Print auf Aludibond, 100 x 150 cm, Ex. 1\/9.\" src=\"http:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-4-1024x683.jpg\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-4-300x200.jpg 300w, https:\/\/allover-magazin.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Abb-4.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1414\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Rainer Fetting, Alte Piers, Blick zum West Side Highway, Hudson River, New York, 1987, C-Print auf Aludibond, 100 x 150 cm, Ex. 1\/9.<\/p><\/div>\n<p>Fetting vertritt mit seiner Art zu fotografieren einen \u00e4sthetisch \u00e4hnlichen Ansatz wie in seiner betont \u201eheftigen Malerei\u201c. Im Kontrast zu konzeptuellen Fotografien, beispielsweise von Bernd und Hilla Becher, nutzt Fetting die Kamera f\u00fcr einen betont spontanen, subjektiven und antiintellektuellen Zugang zur Wirklichkeit. Stilistisch pr\u00e4gt sich dies in grob gew\u00e4hlten Ausschnitten und Unsch\u00e4rfen aus, die gewollt amateurhaft anmuten. Es ist begr\u00fc\u00dfenswert, dass im allgemein immer noch stark auf technische Perfektion bedachten Fotografiebereich auf Bildsch\u00e4rfe verzichtet wird, wenn dies denn tats\u00e4chlich dem Ausdruck und der Atmosph\u00e4re dient. Auch ist es sympathisch, dass Fetting die \u00e4lteren Aufnahmen nur mit einer diskreten Kompaktkamera wie zum Beispiel der Olympus XA fotografiert und auf \u00fcberfl\u00fcssiges und teures Equipment verzichtet hat.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher pr\u00e4sentierte Fetting seine Aufnahmen auch als Diashows mit pers\u00f6nlichen Erz\u00e4hlungen im Freundeskreis.<a title=\"\" href=\"#edn4\">[4]<\/a> Dies scheint f\u00fcr die amateurhaften, privaten und intimen Aufnahmen sehr angemessen zu sein, auch wenn es sich nicht so gut vermarkten l\u00e4sst wie die technisch makellosen Neuabz\u00fcge auf Aludibond, die in reglementierter kleiner Auflage erh\u00e4ltlich sind.<a title=\"\" href=\"#edn5\">[5]<\/a> Erst als Ende der 1990er die Fotografie immer lukrativer und popul\u00e4rer auf dem Kunstmarkt wurde, bem\u00fchte man sich verst\u00e4rkt, Fettings Fotografien in Ausstellungen zu zeigen und in wichtigen Katalogpublikationen abzubilden. Dies bot \u2013 \u00e4hnlich wie zuvor die skulpturalen Arbeiten \u2013 die M\u00f6glichkeit, das Profil des K\u00fcnstlers zu erweitern und diesen als vielseitig und zudem progressiv zu pr\u00e4sentieren. Denn Fetting wird bis heute immer noch h\u00e4ufig mit der neoexpressionistischen Malerei in Verbindung gebracht. Mit dieser hatte der K\u00fcnstler zwar zu Beginn seiner Karriere viel Erfolg, doch unterlag seine Malerei auf dem Kunstmarkt einem fluktuierenden Interesse.<a title=\"\" href=\"#edn6\">[6]<\/a> Entgegen der Presseinformation der Galerie Deschler werden in der aktuellen Ausstellung die Fotografien von Fetting auch nur bedingt \u201ezum ersten Mal in diesem Umfang einem weiteren Publikum zug\u00e4nglich gemacht\u201c<a title=\"\" href=\"#edn7\">[7]<\/a>.<b><i> <\/i><\/b>Schon 2005 wurden in der Ausstellung \u201eWilde Jahre\u201c in der Hamburger Galerie Borchardt viele Fotografien des K\u00fcnstlers aus immerhin drei Jahrzehnten pr\u00e4sentiert. Aufgrund des amateurhaften Aufnahmestils und auch wegen der subjektiven und unkritischen Inhalte scheint die Vermarktung von Fettings Fotografien jedoch schwierig zu sein. So klagte Fetting im Oktober 2012 in einem Interview in der Zeitschrift Monopol: \u201eWas in meinen Fotos steckt, h\u00e4tte also schon ein bisschen fr\u00fcher auffallen k\u00f6nnen. Aber es ist ja nie zu sp\u00e4t.\u201c<a title=\"\" href=\"#edn8\">[8]<\/a> Bei der Ausstellung \u201eRainer Fetting. Berlin\u201c in der Berlinischen Galerie wurde Fetting im Jahr 2011 als k\u00fcnstlerischer Vorl\u00e4ufer f\u00fcr die innovative Kreativit\u00e4t und den<b> <\/b>subkulturellen Chic, mit dem sich Berlin heute zu profilieren versucht, pr\u00e4sentiert. Damit wurde die kunsthistorische Bedeutung der fast 40j\u00e4hrigen Schaffenszeit Fettings unterstrichen.<a title=\"\" href=\"#edn9\">[9]<\/a> Die Situation scheint g\u00fcnstig zu sein, erneut das Kunstmarktinteresse auch auf Fettings Fotografien mit einem opulenten Fotobuch sowie einer exzellent und abwechslungsreich pr\u00e4sentierten Galerieausstellung zu lenken. Sowohl in der Ausstellung als auch in der Publikation ist allerdings der Verzicht auf eine genaue Trennung von dokumentarischen Aufnahmen, privaten Schnappsch\u00fcssen und Kunstfotografien sowie die Zur\u00fcckhaltung bei detaillierteren Erl\u00e4uterungen problematisch. Auch h\u00e4tte bei der Galeriepr\u00e4sentation historisch genauer zwischen der Entstehung der Aufnahmen und den h\u00e4ufig viel j\u00fcngeren Abz\u00fcgen und ihrer zeitgen\u00f6ssischen Installation als mehrteilige Friese unterschieden werden k\u00f6nnen. Auff\u00e4llig ist dar\u00fcber hinaus, dass sowohl in dem Fotobuch als auch in der Ausstellung g\u00e4nzlich auf den visuellen Vergleich mit den Gem\u00e4lden Fettings verzichtet wird. Denn Fettings Neoexpressionismus scheint in den h\u00e4ufig auf den Aufnahmen basierenden Gem\u00e4lden doch noch dynamischer und kunstvoller<b> <\/b>als in den amateurhaften und teuren Fotografien.<a title=\"\" href=\"#edn10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>Rainer Fetting \u00ad\u2013 Fotografie, Galerie Deschler, Berlin, 19. Oktober 2012 &#8211; 16. Februar 2013 (verl\u00e4ngerte Laufzeit).<\/p>\n<div style=\"font-size: 0.8em;\">\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<p><a id=\"edn1\"><\/a>[1] Rainer Fetting, Photography, Berlin (Edition Braus) 2012.<br \/>\n<a id=\"edn2\"><\/a>[2] Galerie Deschler, Pressetext, URL: <a href=\"http:\/\/www.deschler-berlin.de\/Ausstellungen\/1204_RF_Fotografie.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.deschler-berlin.de\/Ausstellungen\/1204_RF_Fotografie.htm<\/a> [22.02.2013].<br \/>\n<a id=\"edn3\"><\/a>[3] Rainer Fetting\/Heinz Stahlhut, Katalog und Interview, in: Fetting, K\u00f6ln 2009, S. 34-387, S. 182.<br \/>\n<a id=\"edn4\"><\/a>[4] Gepr\u00e4ch Rainer Fetting &#8211; Desmond Cadogan, in: Fetting 2012, S. 205-242, S. 207. Fetting zeigte zwar schon 1977 einige seiner Aufnahmen in einer Fotografieausstellung in der Galerie am Moritzplatz, seinen k\u00fcnstlerischen Durchbruch erreichte er jedoch mit seinen Gem\u00e4lden &#8211; vgl. Gespr\u00e4ch Rainer Fetting &#8211; Elena Podlubnaja, in: Fetting 2012, S. S. 85.<br \/>\n<a id=\"edn5\"><\/a>[5] Die Preise liegen zwischen 1.500 Euro f\u00fcr die kleineren Abz\u00fcge der New Yorker Subway und 55.000 Euro f\u00fcr die siebenteilige Serie der Trucks und den Selbstportraits &#8211; vgl. Johannes Wendland, Berliner Mauer &#8211; leicht verwischt, in: Handelsblatt, 5.12.2012, URL: <a href=\"http:\/\/www.handelsblatt.com\/panorama\/kunstmarkt\/rainer-fetting-berliner-mauer-leicht-verwischt-seite-all\/7480824-all.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.handelsblatt.com\/panorama\/kunstmarkt\/rainer-fetting-berliner-mauer-leicht-verwischt-seite-all\/7480824-all.html<\/a> [22.02.2013].<br \/>\n<a id=\"edn6\"><\/a>[6] Zur Entwicklung von Fettings Werkpreisen auf dem Kunstmarkt siehe Ute Strimmer, Punk als Lebensgef\u00fchl. Marktcheck Rainer Fetting und \u201eJunge Wilde\u201c, in: artnet.de, 16. September 2011, URL: <a href=\"http:\/\/www.artnet.de\/magazine\/marktcheck-rainer-fetting-und-junge-wilde\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.artnet.de\/magazine\/marktcheck-rainer-fetting-und-junge-wilde\/<\/a> [22.02.2013].<br \/>\n<a id=\"edn7\"><\/a>[7] Galerie Deschler, Pressetext, URL: <a href=\"http:\/\/www.deschler-berlin.de\/Ausstellungen\/1204_RF_Fotografie.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.deschler-berlin.de\/Ausstellungen\/1204_RF_Fotografie.htm<\/a> [22.02.2013].<br \/>\n<a id=\"edn8\"><\/a>[8] Interview von Jens Hinrichsen mit Rainer Fetting: Letzte Ausfahrt Manhattan, in: Monopol, 10\/2012, S. 46-57. Vgl. auch die kritischen Rezensionen zu Fettings aktueller Foto-Ausstellung von Michaela Nolte und Hannah Nelson-Teutsch &#8211; Michaela Nolte, Salom\u00e9 und Nosferatu, in: Tagesspiegel, 17.11.2012; Hannah Nelson-Teutsch, Is \u201cPhotography\u201d Just A Smack In The Face?, in: berlin art parasites, 8.1.2013, URL: <a href=\"http:\/\/www.berlin-artparasites.com\/review\/Review-Rainer-Fetting-Photography-Deschler-Gallery-1593.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.berlin-artparasites.com\/review\/Review-Rainer-Fetting-Photography-Deschler-Gallery-1593.html<\/a> [22.02.2013].<br \/>\n<a id=\"edn9\"><\/a>[9] Vgl. u.a. Klaus Wowereit, Gru\u00dfwort, in: Ausst.-Kat. Rainer Fetting. Berlin, Berlinische Galerie. Landesmuseum f\u00fcr Moderne Kunst, Fotografie und Architektur, 15.4. &#8211; 12.9.2011, M\u00fcnchen 2011, S. 6.<br \/>\n<a id=\"edn10\"><\/a>[10] Der Neoexpressionismus ist jedoch mit wichtigen Argumenten u.a. von Benjamin Buchloh und Hal Foster kritisch hinterfragt worden &#8211; vgl. Benjamin Buchloh, Figures of Authority, Ciphers of Regression: Notes on the Return of Representation in European Painting, in: October 16, Spring 1981, S. 39\u201368; Hal Foster, The Expressive Fallacy, in: Art in America 71 (January 1983), S. 80-83, 137.<\/p>\n<p><strong>Quellennachweis:<\/strong>\u00a0Viola R\u00fchse, Rainer Fettings Fotografie. Zur Vermarktung des &#8220;Wilden&#8221;, in: ALL-OVER, Nr. 4, Fr\u00fchjahr 2013, URL: http:\/\/allover-magazin.com\/?p=1408.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang der 1980er Jahre z\u00e4hlte Rainer Fetting (* 1949) zu den bekanntesten Malern der damals aufstrebenden \u201eJungen Wilden\u201c. 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